Stellungnahme von Lutte Ouvrière zum Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo - 8 Januar 2015

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Januar 2015

Gegen ein barbarisches Attentat und gegen jene, die es im Namen der "Nationalen Einheit" ausnützen!

Lutte Ouvrière teilt die tief greifende Entrüstung, die durch das am 7. Januar in Paris begangene Attentat ausgelöst wurde. Wir drücken hiermit unsere Ergriffenheit und unsere Solidarität mit der Redaktion von Charlie Hebdo und mit den Angehörigen der Opfer, die wir teilweise kannten und somit noch mehr berührt sind, aus.

Dieses Attentat ist ein schändlicher Akt, der gegen JournalistInnen gerichtet war aufgrund dessen, was sie gezeichnet und was sie geschrieben haben und auf jene, die diese beschützt haben. Jene, die solche Methoden gebrauchen, sind nicht nur Feinde der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit, sie sind gleichzeitig Feinde der ArbeiterInnen, ihrer Freiheit sich auszudrücken und sich zu organisieren. Wie man auch immer die Ideologie, auf die sich jene berufen, dreht und wendet, ihre Methoden zielen schlussendlich darauf ab, einer Bevölkerung oder einem Teil der Bevölkerung eine Diktatur aufzuzwingen. Der Terrorismus, der von den Staaten oder von Gruppen, die dabei sind eine Staatsmacht aufzubauen, eingesetzt wird, bezweckt das Verstummen aller davon abweichenden Ausdrucksmöglichkeiten und dieser Terrorismus trifft immer und vor allem die Freiheit der Unterdrückten gegen die Ausbeutung zu kämpfen, die sie erleiden.

Gleichzeitig können wir nichts anderes als geschockt sein über die politische Ausschlachtung dieses Ereignisses durch die unterschiedlichen politischen Parteien und vor allem durch die Regierung von François Hollande und Manuel Valls. Seit diesem Ereignis ruft Hollande zur nationalen Einheit auf und versucht damit sein Ansehen, das er großteils durch seine Politik verloren hat, wieder herzustellen. Insbesondere möchte er mit diesem Attentat, das den so genannten "Dschihadisten" zugeschrieben wird, die Interventionen der französischen Armee in Afrika und im mittleren Osten rechtfertigen.

Aufgrund dieser Handlungsweise und obwohl Hollande so tut, als würde er die ermordeten JournalistInnen verteidigen, verrät die Regierung damit eigentlich das Andenken an diese. Sie waren nicht nur unbeugsame GegnerInnen aller religiösen Ideologien, sondern auch jeder militärischen Intervention. Aber obendrein will die Regierung, durch ein politisches Manöver, das im Grunde genommen dem ähnlich ist, was die Dschihadisten machen wollen: ihre Poltik als die einzig mögliche Politik aufzwingen. Die Manöver und die militärischen Operationen der imperialistischen Mächte, die in Afrika und im mittleren Osten durchgeführt werden, um die Interessen der großen Unternehmen des Westens durchzusetzen, sind schwer verantwortlich für die Entwicklung der unkontrollierbaren bewaffneten Banden, die nun in diesen Ländern agieren und die danach streben es auch hier zu tun.

Deshalb wird Lutte Ouvrière nicht an Demonstrationen teilnehmen, die darauf abzielen eine nationale Einheit durchzusetzen, in der sich verschiedene politische Kräfte wieder finden können, von der Sozialistischen Partei bis zu rechten Parteien und zum Front national. Die Instrumentalisierung des Attentats auf Charlie Hebdo, für Ziele, gegen die die ermordeten JournalistInnen selbst waren, ist empörend, abgesehen davon, dass die Art und Weise wie manche Parteien das ganze Ereignis ausnützen, einen rassistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund haben. Es kommt nicht in Frage, dass wir uns auf der Seite der Parteien wieder finden, die hauptsächlich zu dieser krisenhaften Situation und dem Ansteigen der Barbarei beigetragen haben. Der Anschlag auf Charlie Hebdo ist nur ein weiterer Ausdruck davon.

Lutte Ouvrière will noch einmal ihre Empörung, ihre Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen ausdrücken, und wird weiterhin für die Meinungs- und Kritikfreiheit kämpfen, vor allem für die Freiheit der ArbeiterInnen und aller Ausgebeuteten, gegen die kapitalistische Gesellschaft der Ausbeutung und der Ungerechtigkeit, die durch die Politik der Regierung aufrechterhalten werden soll.

8. Januar 2015