Bin Laden: Er wurde getötet, weil er die Schweine gebissen hat, die ihn dressiert haben (Leitartikel der Betriebszeitungen von Lutte Ouvrière vom 2. Mai 2011)

Εκτύπωση
Mai 2011

Weltweit übertrugen alle Fernsehsender die Bilder, in denen Obama die Exekution Bin Ladens durch ein amerikanisches Kommando verkündete, sowie den Ausdruck der Freude, mit der diese Verkündigung in Washington begleitet wurde. Angesichts der darauf folgenden Welle von Glückwünschen, sagt man sich, dass eigentlich nichts weiter dabei ist, wenn der Geheimdienst und die Armee des mächtigsten Landes der Erde nach zehn Jahren dem Mann, der sich die Attentate des 11. Septembers 2001 ausgedacht hat, schließlich doch noch das Fell über die Ohren gezogen hat.

Bin Laden war ein Schuft und sein Tod gibt sicher keinen Anlass zu weinen. Die Attentate von 2001 waren eine Gräueltat, denn, wenn das World Trade Center auch ein Symbol für den amerikanischen Imperialismus darstellte, so haben die 3.000 bei den Attentaten getöteten Angestellten mit dieser imperialistischen Politik nichts zu tun.

Jedoch genügt es, sich die Informationen über das Leben Bin Ladens anzuhören, um zu verstehen, dass er ein Produkt des amerikanischen Imperialismus selbst war.

Dieser Sohn einer reichen Bürgerfamilie aus Saudi-Arabien begann mit seiner Aktivität als Terrorist unter der Obhut des amerikanischen Geheimdienstes. Damals, in den 1980er Jahren, war Afghanistan von der sowjetischen Armee besetzt. Um dem Einfluss Moskaus auf dieses Land zu entgegnen hat Washington alle Register gezogen und die fundamentalistischen Guerillas unterstützt und bewaffnet. Der Ursprung von al-Qaida ist jener der Taliban, diese Religionsstudenten, die etwas später Afghanistan ihre Diktatur aufzwingen werden.

Die imperialistischen Mächte sind an diese Art Spielchen gewöhnt, sogar unabhängig vom Kontext der damaligen Rivalitäten mit der ehemaligen Sowjet-Union. Ihre Herrschaft über die Welt erzeugt dermaßen Empörung, Wut und Hass, dass alle ihre Armeen nicht ausreichen würden, die dadurch provozierten Explosionen einzudämmen. Sie fügen ihrer Gewalt noch die Manipulierung der lokalen reaktionären Kräfte bei, sowie den Versuch, die Völker gegeneinander aufzuhetzen. Dies ist der Preis, den die Welt für die fortwährende Ausbeutung des Planeten durch ein paar Dutzend kapitalistische Konzerne bezahlt.

Aber es kommt oft vor, dass Kettenhunde tollwütig werden und ihre eigenen Herren beißen. Das ist dem israelischen Staat passiert, der einst die Hamas manipuliert hatte um dem Einfluss Arafats zu begegnen. Dasselbe passierte den USA mit Bin Laden. Die derart perfektionierte Killermaschine, zu deren Entwicklung sie beigetragen haben, hat ihre schreckliche Wirkung ausgerechnet im Herzen der amerikanischen Macht gezeigt.

Mögen die Regierungen dieser Welt ihre Freude lauthals herausschreien und den Tod des Terrorismus verkünden. Er ist nicht tot, denn sie sind es ja, die ihn immer wieder neu entstehen lassen. Wenn Bin Laden so lange Zeit versteckt bleiben konnte, nicht in einer Grotte oder irgendwo in den Bergen Afghanistans, sondern in einer Villa in der Nähe von Islamabad, der Hauptstadt des mit den USA verbündeten Pakistans, dann deshalb, weil er Komplizen hatte, allen voran beim pakistanischen Geheimdienst, aber auch bei den Einwohnern.

Ja, Bin Laden war ein Schuft, der die Menschen ebenso verachtete wie die Regierungen der imperialistischen Welt. Die blinden Bombardierungen der einen nähren die blinden Attentate der anderen. Um Menschen zu rekrutieren und sie dermaßen fanatisch zu machen, dass sie sich mit Bomben in die Luft sprengen, konnte Ben Laden aus der riesigen materiellen und moralischen Misere schöpfen, die der Imperialismus in den armen muslimischen Ländern erzeugt.

Sogar mitten in ihrer Euphorie fürchten die politischen Verantwortlichen des Imperialismus eine Welle von aus Vergeltung motivierten Attentaten. Ist Bin Laden nämlich der amerikanischen Bevölkerung zurecht verhasst, so gilt das nicht für diese Teile der Welt, in denen sogar seine schlimmsten Untaten als Racheakte gegen diese westlichen Mächte durchgehen, die sie plündern, ausbeuten und demütigen.

Jene unter den Massen der armen Bevölkerung, die das Gefühl hatten, durch die Handlungen und die Reden dieses reichen reaktionären Bürgersohnes gerächt zu sein, täuschen sich natürlich. Wer blinden Terrorismus im Namen reaktionärer Ideen ausübt, kann nur Regimes der schrecklichsten Unterdrückung für die Ausgebeuteten erzeugen. Für die Armen gibt es einen höheren Rächer ebenso wenig wie einen höheren Retter.

Die Emanzipation der Arbeiter von der Last einer Gesellschaft, in der Geld, Ausbeutung und Imperialismus herrschen, wird das Werk der Arbeiter selbst sein. Das gilt für die dortigen mittellosen Massen ebenso wie für die Ausgebeuteten bei uns.