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Uluslararası Komünist Birlik
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Zwei Auffassungen der permanenten Revolution
September 1973
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Zwei Auffassungen der permanenten Revolution: Norodom Sihanouk, oder das „Hineinwachsen“ eines Königs in einen proletarischen Führer (aus Lutte de Classe - Klassenkampf- von September 1973)
Wir veröffentlichen unten die jüngste Übersetzung eines 1973 geschriebenen Textes, anlässlich einer Debatte über die „kambodschanische Revolution“, die damals einen weiten Teil der trotzkistischen Bewegung stark beschäftigte. Diese Ereignisse sind natürlich heute vorbei. Aber die Fragen, die aufgeworfen waren, sind immer lebensnotwendige Probleme für die Revolutionäre der unterentwickelten Länder, besonders in dieser Krisenperiode.
Unter dem Titel „Die kambodschanische Revolution und der Sihanoukismus“, veröffentlicht die letzte Ausgabe der Zeitschrift des „Vereinigten Sekretariats“, Quatrième Internationale (Vierte Internationale) (Mai-August 1973) einen Artikel, der nicht uninteressant ist... und zwar deshalb, weil er bezeichnend ist dafür, wie die Genossen dieser Tendenz an die Probleme der revolutionären Strategie in den unterentwickelten Ländern herangehen, in einer Art, die nichts mehr mit der Theorie der permanenten Revolution von Leo Trotzki zu tun hat.
Nach einem historischen Abriss der Guerilla in Kambodscha seit Ende des Zweiten Weltkriegs, von den „Freien Khmer“ des ersten indonesischen Kriegs bis zu den „Roten Khmer“ des zweiten – Guerillaorganisationen, die durch die königliche Regierung von Norodom Sihanouk gnadenlos niedergeschlagen wurden –, kommt der Autor des Artikels zum Staatsstreich von 1970 und der Bildung der „Vereinigten Nationalen Front“. In der Führung dieser Vereinigung treffen sich die Feinde von gestern, ehemalige Führer der „Roten Khmer“ und waschechte Sihanoukisten. Ab hier könnte der Leser denken (zumindest jener Leser, der über die früheren Irrtümer des Vereinigten Sekretariats nicht Bescheid weiß), dass die Aufgabe einer Organisation, die behauptet die Vierte Internationale zu sein, die sein müsste, die arbeitenden Massen von Kambodscha davor zu warnen, die Leitung ihrer Kämpfe einer solchen Führung zu überlassen, und zumindest dazu aufrufen, wenn die Mitarbeit unmöglich ist, in diesem Land eine unabhängige revolutionäre proletarische Führung aufzubauen.
Der genannte Artikel sichert im Gegenteil der Fähigkeit der Vereinigten Nationalfront, den Kampf des kambodschanischen Volkes auf dem Weg der sozialistischen Revolution zu führen, sein absolutes Vertrauen zu.
Man muss übrigens anmerken, dass der Fall Sihanouk, so aufschlussreich er auch sein mag, eigentlich nebensächlich ist. Denn hätte der Ex-König von Kambodscha nach dem Putsch von 1970 entschieden, sich auf die Côte d’Azur zurückzuziehen, anstatt den politischen Kampf weiterzuführen und seinen ehemaligen Feinden die Hand zu reichen, hätte sich das Problem der Natur und der Ziele der nationalistischen Führung an der Spitze der Khmer-Guerilla den Revolutionären genauso gestellt, so wie es sich übrigens bereits vor dem Putsch gestellt hatte. Für die marxistischen Revolutionäre, die in der Vereinigten Nationalfront nur eine nationalistische bürgerliche Führung erkennen können, ändert nämlich die Anwesenheit von Sihanouk an der Spitze der kambodschanischen Exilregierung in Peking überhaupt nichts an seiner Klassennatur. Aber für die Leitung des Vereinigten Sekretariats, die in der Vereinigten Nationalfront nichts Geringeres erblickt, als ein Werkzeug der sozialistischen Revolution Kambodschas, bringt die Anwesenheit eines Königs, wenn auch eines abgesetzten, an der Spitze dieser „sozialistischen“ Führung doch einige Probleme mit sich und zwingt sie zu einigen Verrenkungen.
Aus diesem Grund sucht man im genannten Artikel von Quatrième Internationale auch vergebens nach der geringsten Kritik der Politik der „roten Khmer“, ja sogar der Vereinigten Nationalfront als solche, so findet man dort dennoch, wenn auch in sehr gemäßigter Weise, die Vergangenheit von Sihanouk. Aber nur, um sofort und sehr ausgiebig seine beruhigenden Aussagen zu zitieren, wie etwa „Der Sihanoukismus ist überholt... meine Rolle wird begrenzt sein“ oder „Ich möchte auf keinen Fall mit jenen Menschen in Konflikt geraten, die besonders zur Unabhängigkeit Kambodschas vom Imperialismus beigetragen haben“.
Und wenn der Autor dieses Artikels sich auch dazu genötigt fühlt, zu bemerken, dass „Sihanouk... nach dem Sieg die politische, religiöse, soziale Opposition im Pracheachon (Kommunistische Partei Kambodschas) um seine Person herum kristallisieren könnte“, dann um zu sagen, dass „diese Frage von Sihanouk offen erwähnt wird… (und dieser behauptet) … Ich weiß, dass den roten Khmer, wenn sie sich auch hinter der von mir verkörperten Rechtfertigung und Kontinuität des Khmer-Staates verbergen, vor allem daran gelegen ist, ihr Werk der proletarischen Revolution auf dem gesamten kambodschanischen Territorium zu vollziehen, bevor sie mir gestatten, als Staatschefs ohne Macht in das Land zurückzukehren. Wenn Sihanouk nämlich zu früh nach Kambodscha zurückkehrt, würde eine große Mehrheit der Khmer, darunter auch viele aktuelle gegen den Kommunismus allergisch reagierende Lonnolianer, versuchen, ihn dafür zu benutzen, ein nicht-sozialistisches Regime zu errichten. Ich habe meinen Verbündeten, den roten Khmer gesagt, dass ich bei diesem Spiel ganz gewiss nicht mitmachen würde…
Nachdem der Autor diese vom Experten Sihanouk den Führern der „roten Khmer“ verliehenen Zeugnisse für proletarischen Revolutionarismus sowie die Beteuerungen seiner Treue angeführt hat, fegt er nun selbst seine schüchternen Einwände gegen die mögliche zukünftige Haltung Sihanouks durch ein „politisches“ Argument vom Tisch: „Mehr als die Aussagen Sihanouks wird das Ausmaß des in Kambodscha beginnenden revolutionären Prozesses (sowohl sein sozialer als auch sein nationaler Aspekt) den Ausschlag geben, sowie das Integrieren dieser kambodschanischen Revolution in ein größeres Ganzen, der Revolution von Indochina“.
Beiläufig können wir bemerken, dass das Regime Sihanouk, das zwischen 1954 und 1970 existiert hat, in den Augen des Vereinigten Sekretariats nicht, zumindest rückblickend nicht, der Staat eines ehemals kolonialisierten Landes war, das versucht, das Bisschen, mit einer vom Imperialismus dominierten Welt kompatiblen, Freiheit zu erreichen. Vielmehr galt es als die Frucht eines „Prozesses der permanenten Revolution“, der „auf halben Weg“ ausgesetzt worden ist, als etwas, wenn man den Autor richtig versteht, zwischen einem bürgerlichen Staat und einem degenerierten Arbeiterstaat. Politisch ist diese Aussage sinnlos, aber sie hat den Vorteil, die Anwesenheit Sihanouks an der Spitze der Khmer-Regierung im Exil für die Leser von Quatrième Internationale erträglicher zu machen.
Aber noch einmal: Wenn die Anwesenheit Sihanouks die Situation auch noch karikaturhafter macht, und wenn sie die theoretischen Verbiegungen einer Organisation, die behauptet, die Verwalterin des politischen Vermächtnisses des Trotzkismus zu sein, auch noch jämmerlicher erscheinen lässt, so ändert sie doch nichts Grundlegendes am Problem. Denn, wenn es auch leider nicht das erste Mal vorkommt, dass das Vereinigte Sekretariat eine solche Analyse für ihre eigenen Bedürfnisse erfindet, so ist das Schlimmste bei alldem doch, zu behaupten, es sei möglich, ohne jegliches selbstständige Eingreifen des Proletariats und ohne einer revolutionären proletarischen Führung (die nicht von einer stalinistischen Führung ersetzt werden kann), dass sich ein „Prozess der permanenten Revolution“ entwickele und imstande sei, das kambodschanische Volk auf den Weg einer siegreichen sozialistischen Revolution zu führen.
Das ist schlimm, nicht nur, weil es ein prognostischer Fehler ist, sondern noch mehr wegen der Politik, die eine solche Analyse einschließt: Mitläufertum gegenüber den kleinbürgerlichen nationalistischen Führungen und Verzicht auf den Aufbau eigenständiger proletarischer revolutionärer Parteien, die unnötig geworden sich, aufgrund des Automatismus des „Prozesses der permanenten Revolution“. Genau das Gegenteil dessen, wie Trotzki an das Problem herangegangen war.
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