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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Die Theorie der permanenten Revolution in China
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Juli 1967
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Die Theorie der permanenten Revolution in China (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - Juli 1967)
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Es war immer das Ziel der Theorie der proletarischen Revolution, den „Cha-rakter, die internen Verbindungen und Methoden der
Revolution“ zu analysieren, um die Rolle, die Aufgaben des Proletariats, durch diese Analyse herauszuarbeiten, und hierdurch
die Ziele, die Parolen, die für die kommende Periode nötig sind, ab-zuleiten. In unserer Epoche ist die Theorie der
Permanenten Revolution die einzige Theorie, die in der Lage ist, der revolutionären Aktivität als Grundlage zu dienen - die
einzige globale Strategie der Weltrevolution. Sie ist die einzige, denn sie zieht ihre strategischen Schlüsse keineswegs aus
den lokalen Besonderheiten, auch nicht aus den gegebenen Umständen, jedoch aus einer globalen Konzeption: der Anerkennung des
Primats des Weltmarktes über alle nationalen Realitäten.
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Der Imperialismus hat bei der Eroberung der Welt aus der Weltökonomie eine besondere Einheit geschaffen. Er hat die Isolierung,
die Autarkie der zurückgebliebe-nen Länder zerstört. Er hat sie in den Kreislauf des kapitalistischen Marktes integriert und
hat ihnen die kapitalistischen Produktionsverhältnisse aufgezwungen. Dies jedoch – und hierin besteht das Wichtigste der
kombinierten Entwicklung – ohne die völlige Zerstörung der alten wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Entgegengesetzt
zu der Entwicklung der westlichen Länder, sind diese zurückge-bliebenen Länder kaum reif für die bürgerliche Revolution,
während die Verfaulung des Imperialismus bereits das Problem der sozialistischen Revolution im globalen Maßstab stellt.
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Die Einführung von kapitalistischen Produktionsverhältnissen, ihre Koexistenz mit archaischen Strukturen geben der nötigen
wirtschaftlichen und sozialen Transformation eine besondere Schärfe. Demnach bekommen die Klassenkonflikte einen zugespitzten
Charakter. Wie und auf welchem Wege kann sich die Transfor-mation der Gesellschaft vollziehen? Welche Klasse wird der Motor
sein? Welchen Weg wird die Revolution nehmen?
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„In Bezug auf die Länder mit einer verspäteten bürgerlichen Entwicklung, antwortete Trotzki, (Was ist nun die
permanente Revolution? Grundsätze) (…) bedeutet die Theorie der permanenten Revolution, dass die volle und wirkliche
Lösung ihrer demokratischen Aufgabe und des Problems ihrer nationalen Befreiung nur denkbar ist mittels der Diktatur des
Proletariats als des Führers der unterdrückten Nation und vor allem ihrer Bauernmassen.“ Jedoch fügte er hinzu:
„Die Diktatur des Proletariats, das als Führer der demokratischen Revolution zur Herrschaft gelangt ist, wird
unvermeidlich und in kürzester Frist vor Aufgaben gestellt sein, die mit weitgehenden Eingriffen in die bürgerlichen
Eigentumsrechte verbunden sind. Die demokratische Revolution wächst unmittelbar in die sozialistische hinein und wird dadurch
allein schon zur permanenten Revolution.“
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Die Eroberung der Macht durch das Proletariat setzt der Revolution kein Ende, sondern beginnt sie lediglich. Der sozialistische
Aufbau ist nur auf der Basis des Klassenkampfes in nationalem und internationalem Maßstab vorstellbar... Die sozialistische
Revolution kann nicht innerhalb von nationalen Grenzen vollendet werden... „Die sozialistische Revolution beginnt auf
nationalem Terrain, entwickelt sich in der internationalen Arena und wird in der Weltarena beendet. So wird die sozialistische
Revolution in neuem und weitesten Sinne permanent: Sie ist erst mit dem definitiven Triumph der neuen Gesellschaft auf unserem
gesamten Planeten vollendet.“ Die geschaffene explosive Situation durch die kombinierte Entwicklung ist bezeugt durch die
Welle von kolonialen Revolutionen, die seit 1945 ein bis dahin unbekanntes Ausmaß angenommen hat. Die Notwendigkeit der
wirtschaftlichen Transformation, der Lösung der nationalen Frage und das Problem der landwirtschaftlichen Reform halten die
zurückgebliebenen Länder in einem Zustand der dauerhaften Krise. Die aufständischen Massen versuchten vage diesen Problemen
während der „kolonialen Revolutionen“ eine Antwort zu geben. Aber in keinem Fall hat man gesehen, dass das Proletariat die
„Führung der unterdrückten Nation und vor allem der Bauermassen“ übernommen hätte. In keinem Fall hat man eine
revolutionäre proletarische Partei auftauchen sehen, die sich den Kampf der Arbeiterklasse zum Ziel gesteckt hatte.
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Das Fehlen einer revolutionären proletarischen Organisation und hierdurch das Fehlen des Proletariats in den Befreiungskämpfen
als Klasse mit eigenen Zielen, war eines der fundamentalsten Gegebenheiten. Ohne dies zu verstehen, wird es unmöglich die
Dynamik der politischen und sozialen Transformation zu verstehen, die einige ex-koloniale Länder nach dem Krieg erlebt haben.
Das ist ein grundlegendes Faktum. Es ist umso befremdlicher, dass quasi alle Organisationen, die sich auf den Trotzkismus
beziehen, dies scheinbar „vergessen“ haben, wenn nicht in der Theorie – obgleich einige dies haben – so zumindest in der
Praxis. Das Wichtigste der Permanenten Revolution, was aus ihr eine revolutionäre Theorie macht, ist, dass sie die Aktion des
Proletariats in die Dynamik des Klassenkampfes, in die Bedingungen der kombinierten Entwicklung integriert. Das Eingreifen des
Proletariats, sein Bewusstsein, seine Organisation sind die Faktoren, die die permanente Revolution ausmachen. Sie sind es, die
diese Revolution in die Lage versetzen eine „wirkliche und vollständige Lösung für die demokratischen und nationalen
Aufgaben“ zu geben und die es unvermeidlich machen, dass die demokratische Revolution sich in eine sozialistische
Revolution verwandelt. Einer der Hauptfehler der Pablisten war es, die „Theorie der Permanenten Revolution“ ihres ganzen
revolutionären Inhaltes zu entleeren, indem sie hieraus eine beschreibende Betrachtung eines mechanischen Prozesses machten,
dessen Motor nicht mehr die bewusste Aktion des Proletariats ist, sondern irgendwelche objektiven Widersprüche.
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So charakterisiert die Resolution der IV. Internationale (Pierre Frank) – um nur dieses schlechte Beispiel unter vielen
anderen zu zitieren - die koloniale Revolution auf folgende Weise:
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„Die koloniale Revolution ist von Grund auf die unwiderstehliche Entwick-lung von zwei Milliarden Menschen, um schließlich
die Herren und Erbauer ihres eigenen Schicksals zu werden. Die Tatsache, dass dies sozialerweise nur über einen Arbeiterstaat
möglich ist, liefert die objektive Basis der Entwicklung der kolonialen Revolution sich auf den Weg der permanenten Revolution
zu begeben.“
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Was ist die Schlussfolgerung, die ein Revolutionär aus einer solchen Feststellung ziehen würde? Eben weil „die
unwiderstehliche Entwicklung von zwei Milliarden Menschen, um schließlich die Herren und Erbauer ihres eigenen Schicksals zu
werden, nur über einen ’Arbeiterstaat’“ (übrigens weshalb wird systematisch der Ausdruck Diktatur des Proletariats
vermieden?) möglich ist, muss das Proletariat genau aus diesem Grunde seine Klassenorganisation aufbauen und gegen die
kleinbürgerlichen Organisationen, selbst wenn sie sich mit dem Etikett „sozialistisch“ schmücken, kämpfen, die Führung
der bäuerlichen Massen übernehmen und seine Diktatur aufrichten. Der Revolutionär wird sagen – und konsequenterweise
hiernach handeln – dass der Arbeiterstaat (d. h. die Diktatur des Proletariats) nicht automatisch aus einer objektiven
Situation auftaucht. Er ist das Ergebnis des Kampfes des bewussten Proletariats, das auf der Basis eines Klassenprogramms unter
der Führung einer Klassenorganisation kämpft, welche seine Machtorgane schmiedet. Und siehe da, dies sagt die Resolution des
Wiedervereinigungskongresses. Nach einer Prinzipientirade gegen die Idee des Automatismus des revolutionären Prozes-ses,
nachdem man vor „den subjektiven Anstrengungen der Avantgarde“ den Hut gezogen hatte, fügt die Resolution hinzu: (Die
Tatsache, dass) „die sozialistisch-revolutionäre Eroberung der Führung der Massenbewegung in dem Prozess der Revolution
selbst und in einem relativ kurzen Zeitraum möglich ist, wurde im Falle von Kuba adäquat bewiesen“.
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So ist die Ehre gerettet und es genügt Castro mit der Auszeichnung „sozialistisch-revolutionär“ zu schmücken (oder darauf
zu warten, dass er sich selbst damit schmückt), damit das Proletariat sogleich eine Führung findet und aus dieser Tatsache im
Nachhinein eine Rolle in der kubanischen Revolution. Und aus demselben Grund erlaubt dies dem kubanischen Staat das Etikett
„Arbeiter“ zu verleihen - denn nicht wahr - obwohl das Proletariat nirgendwo die Führung der bäuerlichen Bewegung
übernommen hat, obwohl es nirgendwo an die Macht gekommen ist, nirgendwo seine Machtorgane geschmiedet hat, existierten die
„objektiven Grundlagen“ für die Schaffung eines Arbeiterstaates. Aber ist das nun, wenn nicht eine besonders scheinheilige
Form der Anerkennung des Automatismus des revolutionären Prozesses?
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Auf diese Weise ist die bewusste Rolle des Proletariats überhaupt nicht notwendig in diesem Prozess. Man wird sicher keinen
ökonomischeren Aufbau eines Arbeiterstaates für das Proletariat zu Gesicht bekommen... Die schlagkräftigste Doktrin der
Aktion unserer Zeit ist auf diese Weise in eine Doktrin der Passivität verwandelt worden. Wir kommen weiter auf die Art und
Weise zurück, wie die Organisationen des Internationalen Komitees (Internationale Gruppierung um die französische Gruppe OCI
von Pierre Lambert) die Dynamik der permanenten Revolution im konkreten Fall von China verstehen. Lassen wir jedoch für den
Augenblick China, Kuba, Jugoslawien, usw. beiseite, die in vielerlei Hinsicht Ausnahmen darstellen im Vergleich mit der
Entwicklung der Mehrheit der unterentwickelten Länder.
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Wie haben diese zurückgebliebenen Länder, ohne Eingreifen des Proletariats, die Probleme ihrer unentbehrlichen sozialen und
politischen Transformation gelöst?
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Die Entwicklung, oder genauer gesagt die Stagnation der unterentwickelten Länder, in gewisser Weise durch ihre negative
Entwicklung, beweist die Vorhersagen der Permanenten Revolution. Sie hat bewiesen, dass keines dieser Länder es geschafft hat,
seine Zurückgebliebenheit zu überwinden. Mit anderen Worten: sie hat bewiesen, dass es dort keinen bürgerlichen Weg der
Entwicklung gibt.
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Sicher, in einer guten Zahl von Ländern hat die nationale Bourgeoisie die po-litische Macht übernommen. Sie hat in gewissem
Maße die nationale Unabhängigkeit errungen. Trotz ihrer Schwäche, hat sie den Druck der Massen für eine relative Lockerung
des Einflusses der westlichen Metropolen für sich ausnutzen können. Sie konnte dies erreichen, denn eine Reihe von Umständen
hat ihren Aufstieg zur politischen Macht begünstigt. Ohne diese im Detail zu untersuchen, vermerken wir jene Punkte: den
Einfluss des Zweiten Weltkrieges, der oft für lange Zeit die direkte Kontrolle der Metropolen unterbrach - die Existenz von
zwei Blöcken, die es dieser schwachen Bourgeoisie erlaubt hat im internationalen Maßstab eine Politik des Ausgleichs zu
verfolgen - und schließlich und vor allem das Fehlen von entschlossenen anti-imperialistischen proletarischen Organisationen.
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Jedoch, wenn solch günstige Umstände es der nationalen Bourgeoisie erlaubt haben an die politische Macht zu kommen, wenn sie
ihr erlaubten eine gewisse Rolle zu spielen, so ist diese Rolle in Nichts mit der der westlichen Bourgeoisie von vor zwei
Jahrhunderten zu vergleichen. Selbst an der Macht hat keine dieser Bourgeoisien es vermocht, auf die brennenden Probleme ihres
Landes eine Antwort zu geben: klaren Platz schaffen für eine kapitalistische Entwicklung, indem sie von Grund auf die
archaischen Strukturen zerstört und eine Bodenreform realisiert, einen internen kapitalistischen Markt schafft, die Wirtschaft
entwickelt und eine bürgerliche Demokratie entstehen lässt.
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Die nationale Bourgeoisie hat es höchstens geschafft, für sich selbst, ihre parasitäre Existenz auf eine solidere Basis zu
stellen als zu Zeiten der kolonialen Dominanz und – dadurch, dass sie den Staatsapparat in den Händen hält – eine
bedeu-tendere Portion des nationalen Mehrwertes herauszupressen, dessen Löwenanteil noch immer dem Imperialismus zukommt. In
der Tat, alle gestellten Probleme durch die kombinierte Entwicklung sind vollständig geblieben. Mal die nationale Frage
beiseitegelassen, die zum Teil von einigen Ländern für den Preis neuer Widersprüche gelöst wurde, sind diese Gesellschaften
denselben Spannungen wie vorher ausgesetzt. Sie erreichen nur eine prekäre Stabilität, indem sie bonapartistische Regime
errichten. So ist die nationale Bourgeoisie, die gerade erst die politische Macht erobert hat, gezwungen sie zugunsten einer
militär-polizeilichen Bürokratie aufzugeben.
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Diese militär-polizeilichen Bürokratien führen eine Politik des Ausgleichs zwischen Imperialismus und den Massen in ihren
Ländern. Zwischen diesen beiden Blöcken können sie dazu gezwungen sein - aufgrund der Schwäche ihrer nationalen
Bourgeoisie, die nicht in der Lage ist die Ökonomie der Imperialisten zu übernehmen – einige Nationalisierungsmaßnahmen
durchzuführen.
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Dies genügt, damit einige „Trotzkisten“ darin „sozialistische Tendenzen“ oder eine besondere Form der „permanenten
Revolution“ entdecken. Tatsächlich verbleiben diese Regime in einem lokalen Rahmen, dem Haupthindernis für jede
revolutionäre Entwicklung, was den Mechanismus der permanenten Revolution in Frage stellt. In Bezug auf die „sozialistischen
Tendenzen“... sparen wir uns eine Auseinandersetzung.
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Unter den mehr oder weniger wichtigen Umstürzen, die die unterentwickelten Länder seit dem Krieg erschüttert haben, hat das
Experiment Chinas, Kubas und Jugoslawiens etwas Originelles, was es sich lohnt es gesondert zu studieren. Für uns ist hier
nicht die Frage dieses Problem in seiner Gänze und in seiner ganzen Komplexität anzupacken. Die „kubanische Revolution“
und in noch stärkerem Maße die „chinesische Revolution“ haben jedoch Anlass gegeben und geben noch immer Anlass zu solch
theoretischen Irrtümern seitens quasi allen trotzkistischen Organisationen, selbst jenen, die formell mit den Pablisten
gebrochen haben, dass es notwendig ist, sich hiermit zu beschäftigen. Betrachten wir also genauer den chi-nesischen Fall.
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Es ist unbestreitbar, dass die Dynamik der sozialen und nationalen Kämpfe in China unendlich mächtiger war, als in der
Mehrzahl der unterentwickelten Länder. Daraus resultiert, dass der Prozess des Kampfes, sowohl währenddessen als auch durch
seine Ergebnisse viele originelle Züge trägt.
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Wir haben gesehen, dass für die große Mehrheit der zurückgebliebenen Län-der das, was man „koloniale Revolution“ nannte,
sich auf einen Kuhhandel be-grenzte, wo die nationale Bourgeoisie eine noch embryonische Massenbewegung für eine gewisse
Unabhängigkeit gegenüber der Metropole für sich ausnutzen konnte. Für eine Zahl der schwächsten Länder hat sich diese
„koloniale Revolution“ durch eine Massenmobilisierung ausgedrückt, welche aber begrenzt und kanalisiert war. Und wenn sie
es der nationalen Bourgeoisie erlaubte, sich an die Macht zu hieven, hat sie nur wenig oder gar nicht die alten Strukturen
erschüttert.
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In China hingegen wurde die Befreiungsbewegung von den radikalen Bauern geführt. Der Machtantritt der indischen nationalen
Bourgeoisie zum Beispiel hat nicht nur nicht den Weg der kapitalistischen Entwicklung im westlichen Sinne ein-geschlagen,
sondern hat nicht einmal die feudalen Hemmnisse, das System der Kasten, und die schweren Vorbelastungen der sozialen
Beziehungen, der Gewohn-heiten und archaischen Traditionen angepackt. Und hierdurch auch nicht die schwere Last des Hungers.
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Die Bauernarmee in China hat hingegen die feudalen Überreste hinweg gefegt, hat das Gesicht des chinesischen Landlebens
transformiert, hat „reinen Tisch“ gemacht. China hat auf eine vollständigere und radikalere Art und Weise als jedes andere
unterentwickelte Land mit dem Imperialismus gebrochen.
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Derartige sind die Tatsachen und derartige sind die Ergebnisse. Welche Dy-namik des Prozesses hat das China des Tschiang
Kai-schek zu jenem China Maos geführt? Ist dieser Prozess jener der permanenten Revolution? Beinhaltet er also dieselbe
Perspektive?
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China stellt die unwahrscheinlichste Variante der Entwicklung dar, die sich vollzogen hat – obgleich sie im Übergangsprogramm
in Erwägung gezogen wurde. Eine kleinbürgerliche stalinistische Partei ist ausreichend weit gegangen in ihrem Bruch mit der
Bourgeoisie, um die Führung der Bauernbewegung zu übernehmen. Der zugespitzte Charakter des Landproblems, als auch des
nationalen Problems unter der japanischen Besatzung, macht die bäuerliche Explosion notwendig. Die Existenz einer von der
Kompradorenbourgeoisie unabhängigen Partei, die in der Lage war die Führung der Bauernbewegung zu übernehmen und sie zu
organisieren, machte dies möglich.
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Trotzki analysierte 1932 die Armee Mao Tse-tungs als „bäuerlich in ihrem Inhalt und kleinbürgerlich in ihrer
Führung“.
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Den Bauermassen im Kampf eröffnete sich kein anderer Weg als der in Richtung Proletariat oder der in Richtung Bourgeoisie.
Diese beiden Hypothesen der Entwicklung der Bauernbewegung in Erwägung gezogen wies Trotzki damals auf die Tatsache hin, dass
„die Brücke zwischen Bauernschaft und Bourgeoisie aus der städtischen mittleren Bourgeoisie besteht, die hauptsächlich
Intellektuelle sind, welche sich unter der Fahne des Sozialismus und selbst des Kommunismus einmi-schen.“ (Ecrits -
Trotzkis Schriften - Band 1,S. 315)
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Wenn sowohl aufgrund der Politik seiner kleinbürgerlichen Führung (und das stalinistische Etikett ändert daran nichts) als
auch aufgrund der Schwäche der Arbeiterklasse, welche noch immer unter der Niederlage von 1927 leidet, die Bauernbewegung nicht
den Weg zum Proletariat gefunden hat, hat sie ganz natürlich den Weg in Richtung nationaler Bourgeoisie gefunden. Und im Namen
der national-bürgerlichen Interessen, indem die Bewegung sich vollständig auf jenem Terrain bewegte, eroberten die
bäuerlichen Armeen von 1948 bis 1949 die Städte.
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Trotz ihrer extremen Schwäche fand sich die embryonäre und ängstliche Bourgeoisie in die Orchesterloge der chinesischen
Gesellschaft geworfen, als einzige historische Klasse, die in der Lage war von den Ergebnissen, der Bauernbewegung, zu
profitieren und daraus für das ganze Land Kapital zu schlagen. Wir werden sehen, dass unter diesen chinesischen Bedingungen,
wie unter den Bedingungen aller unterentwickelten Länder des 20. Jahrhunderts, sich diese „historische Kapazität“ auf null
reduziert. Doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass in Abwesenheit einer proletarischen Führung die Bauernbewegung sich
in keine andere Richtung orientieren konnte, als der der Bourgeoisie.
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Daher konnte die Bauernbewegung - angetrieben von dem Widerspruch zwischen einfacher Bauernschaft und den Landlords – von den
ungewöhnlichen Umständen, wie dem Krieg und dem extremen Verfall des Regimes von Tschiang Kai-schek profitieren. Die radikale
Führung hat es zwar nicht geschafft eine bürgerlich demokratische Revolution zu vollbringen, so hat sie zumindest die
fundamentalen Bedingungen für jene geschaffen: reinen Tisch durch die Zerstörung der alten Strukturen.
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Darin bestehen der besondere Charakter der chinesischen Revolution und auch sein Ausnahmecharakter.
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Die Kapazität dieser Bewegung „bäuerlich in ihrem Inhalt und kleinbürgerlich in ihrer Führung“ den vorkapitalistischen
Archaismus zu zerstören und die Landre-form zu realisieren ist seit ihrem Entstehen eine Quelle des Erstaunens und auch der
theoretischen Faselei fast aller trotzkistischer Organisationen. Auf mechanische Art die „Permanente Revolution“
interpretierend, wurde eine wirkliche Realisierung der Landreform ausgeschlossen, ohne dass das Proletariat die Führung der
Bauernbewegung übernähme. Die Trotzkisten glauben die auftretenden Widersprüche zwischen den strategischen Hypothesen und der
Realität lösen zu können, indem sie in gewisser Weise das Proletariat durch die Hintertür einführen und einen Teil der
Kapazitäten des Proletariats Mao Tse-tung und seiner Partei überhelfen. Dies führt sie am Ende, um nicht der Bauernarmee die
Kapazität einer Landreform zuzuerkennen, dazu, ihr die Kapazität zuzugestehen, einen Arbeiterstaat aufbauen zu können!
Schöne Logik in Wahrheit!
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Die schlecht verdaute Theorie scheint gerettet, aber indem dieser „leichte“ Trick an der konkreten Realität des Ablaufs der
chinesischen Revolution angewen-det wird (an der das Proletariat nicht direkt teilgenommen hat - die Tatsachen be-weisen dies
– und nicht teilnehmen konnte, indem es seine Vollmacht an Mao gab – der elementarste Marxismus bestätigt das), ersetzen
diese Genossen die lebendige und reale Dynamik der Revolution durch eine imaginäre Dynamik, die heute noch einige von ihnen
zwingt, die Roten Garden zu unterstützen, die gerade dabei sind die chinesischen Arbeiter zu massakrieren.
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Um den Prozess des Ablaufs der chinesischen Revolution zu erklären, bedient man sich eines Ersatzes der Permanenten Revolution.
Laut dieses Ersatzes wäre der Hauptmotor dieses Prozesses der Widerspruch zwischen der „Führung von Mao“ (vor der
Machtübernahme) oder dem „Regime Maos“ (nach der Machtübernahme) und den mit den Großgrundbesitzern verbündeten
Kapitalisten gewesen. Wie man sieht, die „Führung“ oder das „Regime Maos“ ist gezwungen als Substitut der
proletarischen Führung zu dienen. Die OCI (La Vérité, Nr. 528) hat unter dem Titel „Der permanente Charakter der
chinesischen Revolution“ (der Titel sagt alles) den Text von Trotzki paraphrasiert (Permanente Revolution – Thesen), um
zu behaupten, dass „die chinesische Regierung immer tiefgreifendere Abstecher auf das Gebiet des Privateigentums
unternehmen musste und, um dies zu machen, musste sie gegen die nationale Bourgeoisie die Arbeiter der Städte
mobilisieren...“. Und das Ganze, um nichts anderes zu beweisen, als das unter dem Druck der unbiegsamen Notwendigkeiten
Maos China sich auf den Weg der permanenten Revolution begäbe. Wir sind tatsächlich zu der teuren Theorie des automatischen
Prozesses von Pablo zurück gekehrt, der man sich – das ist wahr – mit größerer Vorsicht bedient.
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Muss man wiederholen, dass wenn für Trotzki solch unbiegsamen Notwen-digkeiten existieren, sie nur durch eine bewusste
Intervention des Proletariats eine Antwort finden und das einzig diese Intervention den Weg für den Ablauf der per-manenten
Revolution eröffnen kann, d.h. einer Revolution, die in der Lage ist sich von einer bürgerlichen in eine sozialistische, von
einer nationalen in eine internationale zu wandeln?
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In China gibt es das nicht. Die Revolution ist dort überhaupt nicht „permanent“.
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Wenn das chinesische Regime gezwungen ist, Abstecher in die Domäne des Privateigentums zu machen, so tut sie das nicht unter
den Peitschenhieben der pro-letarischen Massen und sich somit auf deren Terrain stellend. Sie tut es aufgrund des Widerspruchs
zwischen den Interessen des von Natur aus bürgerlichen Natio-nalstaates und dem Imperialismus. Sie tut es im eigenen Interesse
einer möglichen bürgerlichen Entwicklung, die einen vom Imperialismus unabhängigen Staat erfor-dert, selbst wenn die
Bourgeoisie zu schwach ist, um das Funktionieren der Ökonomie zu gewährleisten. Andere Staaten, wie Mexiko, haben das bereits
in der Vergangenheit gemacht, indem man das amerikanische Öl zum Beispiel verstaatlicht hat und sich dabei auf das Proletariat
und die Arbeiterbürokratie stützte. Trotzki sprach hierbei nicht von „permanenter Revolution“, sondern von Bonapartismus.
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Das ist eine völlig andere Dynamik, als die der permanenten Revolution. Sie führt China auf ein Abstellgleis. Denn, obwohl die
Bauernrevolte reinen Tisch gemacht hat, und das Gelände für eine Entwicklung der Bourgeoisie frei gemacht hat, die spät und
rachitisch auf die historische Bühne getreten ist, so ist die chinesische Bourgeoisie nicht in der Lage und wird es niemals
mehr sein, von dieser Morgendämmerung zu profitieren, die ihr die Bauernbewegung gebracht hat. Selbst die Zerstörung des Jochs
des alten Regimes hat keine schwindelerregende Entwicklung der Ökonomie à la Westen möglich gemacht, wie auch kein Aufblühen
einer bürgerlich-westlichen Demokratie mit all ihren Möglichkeiten, die sie den Aktivitäten und der Organisation des
Proletariats lässt. Weit davon entfernt einen sozialistischen Charakter zu haben, weit davon entfernt das bürgerliche Stadium
überwunden zu haben, um sich auf den sozialistischen Weg zu begeben, konnte die chinesische Revolution nicht einmal
vollständig die Ziele der bürgerlich-demokratischen Revolution realisieren.
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Das chinesische Regime eröffnet keine Perspektive. Es stellt eine historische Sackgasse dar ebenso wie das von Nasser. Trotz
seiner unleugbaren Errungenschaften, auf historischem Maßstab und in der sozialistischen Perspektive, hat es nichts
Fortschrittliches. Es hat die proletarische Revolution kein Stück weiter gebracht. Schlimmer sogar, es bringt das chinesische
Proletariat in schwierigere Bedingungen, um im nationalen und internationalen Rahmen einzugreifen. Und am Ende stärkt es auf
Weltmaßstab das dem Proletariat feindliche Lager. Das Regime hat das explosive Landproblem entschärft, welches es dem
chinesischen Proletariat erlaubt hätte seinen Kampf mit dem der Bauernschaft zu verbinden, ohne deswegen die Entwicklung des
Proletariats in einem fortgeschrittenen kapitalistischen Rahmen zu erlauben, mit all der Dynamik des Kampfes, die diese
impliziert. Das chinesische Proletariat wird gezwungen sein die Niederlage teuer zu bezahlen, die die kriminelle Politik der
Komintern 1927 auferlegt hat, obgleich es die Macht an der Spitze der Bauernbewegung hätte übernehmen können. Dieselbe
Bewegung, die zehn Jahre später sich unter das Banner der kleinbürgerlichen Führung Maos geschart hat. Die
„Kulturrevolution“ zeigt, dass die Bewegung dabei ist einen blutigen Preis zu bezahlen.
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Die Theorie der Permanenten Revolution findet hier erneut unglücklicherweise durch ihre Negation eine eklatante Bestätigung.
In China wie auch anderswo, es gibt keine historische Abkürzung. Allein die Diktatur des Proletariats kann die
bürgerlich-demokratischen Aufgaben vollständig lösen und sie schützen genauso wie sie die Perspektive der sozialistischen
Weltrevolution eröffnet.
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