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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Haiti: sich zum Überleben organisieren
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Februar 2010
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Haiti: sich zum Überleben organisieren (aus Lutte Ouvrière vom 5. Februar 2010)
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Wenn die Situation in Haiti nicht mehr die Schlagzeilen der Fernsehnachrichten macht, ringt die Bevölkerung um ihr
Überleben weiter. Die Aufteilung der Nahrungsrationen bringt zwar eine gewisse Linderung aber diese Hilfe trifft selten die
armen Viertel. Seit dem Beginn der Katastrophe ist die Bevölkerung eigentlich sich selbst überlassen. Die einheimischen
Behörden sind unfähig, etwas zu unternehmen und die erste Hilfe zu organisieren. Die französischen Fernsehender haben betont,
dass die westlichen Ersthelfer Leute gerettet haben, aber die meisten Bewohner wurden von der Bevölkerung selbst gerettet und
sie hat während dieser Ereignisse ein hohes Maß an Solidarität gezeigt. Die haitianische Bevölkerung kann nur sich selbst
vertrauen. Das ist die Feststellung, die unsere Genossen der Organisation der Revolutionären Arbeiter (OTR) machen, die sich
mit ihren Mitteln so der Bevölkerung wenden:
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Die Vertreter von Staat und Behörden haben versagt. Es hat sich erwiesen, dass sie außerstande waren, mit den Folgen der
Katastrophe fertig zu werden. Sie waren ganz einfach abwesend. Die Bevölkerung stand nicht nur völlig ohne Mittel da, sondern
auch ohne einen Plan, ohne die geringsten Anweisungen über das, was zu tun gewesen wäre, ohne die geringste Koordination. All
jene, die gerettet wurden, wurden durch Bevölkerung selbst gerettet, dank der Solidarität. Diese Solidarität ist es, die
unsere Kraft ausmacht. Damit sie wirksam wird, brauchen wir einen Plan. Wir müssen unsere eigenen Vertreter wählen. In dieser
Katastrophe haben wir in jedem Hinterhof, in jedem Notlager, den Wert der Männer und der Frauen überprüfen können. Unter
denen, die wir beurteilen konnten, müssen wir unsere Vertreter wählen.
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Überall wo es möglich ist, müssen wir „Überlebenskomitees“ errichten, damit diese die Erhebung der Bedürfnisse und die
Aufteilung von dem, was für das Überleben nötig ist – Wasser, Medikamente, Nahrungsmittel, Schlafausrüstung – in die
Hand nehmen. Wir können nur den Unseren vertrauen, nur denen, die wir aus unseren Reihen wählen werden, und die wir nicht aus
den Augen lassen werden. Wir können nicht damit einverstanden sein, dass Einzelne zu ihrem eigenen Vorteil Lebensmittel
veruntreuen und sich die Taschen füllen, während wir von Tod, Durst oder Hunger bedroht werden.
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Der Polizei können wir nicht mehr vertrauen als den den verschiedenen Herrschaften hörigen Besatzungstruppen. Für unsere
eigene Sicherheit müssen wir selbst sorgen. Männern und Frauen, aus unseren eigenen Reihen, die unter unserer Aufsicht stehen,
kommt es zu, für die Ordnung und für die Sicherheit von allen zu sorgen.
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Wir haben festgestellt, dass wir uns auf niemand verlassen können. Aber indem wir uns unsere Sachen richtig einteilen, brauchen
wir niemanden. Uns unsere Sachen gut einteilen, unsere eigenen Vertreter wählen, uns gemeinsam Gehör verschaffen, das sind die
lebenswichtigen anstehenden Aufgaben. Das ist für uns zugänglich und unbedingt notwendig.
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Wir müssen alle Vorräte an Lebensmitteln beschlagnahmen, die von den Lagern, die wichtigen Importhändlern, Supermärkten oder
wohlhabenden Privatpersonen gehören, sowie die Vorräte an Schlafausrüstungen, an Kochgeräten, an für die
Aufräumungsarbeiten notwendigen Werkzeugen. Das Privateigentum hat keine Existenzberechtigung bei einer Massenkatastrophe und
kann entgegen dem Überleben von Menschen nicht geltend gemacht werden. Es muss aufgehoben werden, vor allem da sehr viele
reiche Privatpersonen sich mit wohlbehaltenem Leben und vollen Reisetaschen anhand der ersten Evakuierungsflugzeugen haben
evakuieren lassen. Die Erhebung dieser Vorräte soll gemeinsam gemacht werden, sie sollen beschlagnahmt werden und
gegebenenfalls von den Vertretern, die von der betroffenen Gemeinschaft ausgewählt wurden, unter der Kontrolle von allen
verteilt werden. Individuelle Plünderung kann nur und soll nur damit verhindert werden: die Disziplin einer Gemeinschaft, die
imstande ist, die Prioritäten festzulegen und zu verhindern, dass die Aufteilung nach dem Gesetz der Wildnis gemacht wird.
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Auf die gleiche Art und Weise sollen die im Rahmen der internationalen Hilfe angekommenen Lebensmittel aufgeteilt werden. Die
Betreuung der Lebensmittelverteilung durch bis auf die Zähne bewaffnete Truppen wirkt sich nicht nur für die Würde nachteilig
aus, sondern auch Chaos und das Recht des Stärkeren werden nicht im Geringsten verhindert, weil die Lebensmittelspender weder
die wirklichen Bedürfnisse noch die Prioritäten kennen. Jede Gemeinschaft soll für ihre eigene Disziplin sorgen.
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Sowohl die nationalen Behörden, die jetzt wieder auftauchen, nachdem sie bewiesen haben, dass sie nichts nützen, als auch die
internationalen, in Wirklichkeit amerikanischen, Behörden, die offen die Macht ausüben, werden unsere Bedürfnisse und unsere
Forderungen um so eher beachten, als wir uns Gehör verschaffen werden. Und uns Gehör verschaffen, das bedeutet vor allem zu
beweisen, dass wir uns unsere Sachen gut eingeteilt haben und dass die Vertreter, die wir uns gewählt haben, massiv von der
armen Bevölkerung unterstützt werden.
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