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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Die Ursachen der Entartung der IV. Internationale
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März 1967
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Die Ursachen der Entartung der IV. Internationale (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - März 1967)
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In der letzten Ausgabe der Zeitschrift Lutte de Classe (Klassenkampf), haben wir mit der Kritik eines Textes aus der
„Arbeiteravantgarde\\\" über die Krise der trotzkistischen Bewegung in Griechenland während des zweiten Weltkrieges
begonnen. Die Thesen der griechischen Genossen erscheinen uns aus zwei Gründen interessant.
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Einerseits, und das war das Thema des vorherigen Artikels, zeigen sie durch die Schwäche ihrer Argumente, dass die
Organisationen des Internationalen Komitees (IK) unfähig sind, die Analyse der Krise der Vierten Internationale in Angriff zu
nehmen. Und wenn man noch daran denkt, dass die griechische Sektion, was diese Frage betrifft, eine Spitzenstellung gegenüber
dem Rest des IK einnimmt, wird man verstehen, was die Behauptungen der OCI (Frankreich) und die der SLL (England) wert sind,
wenn sie behaupten, eine radikale Kritik des Pablismus vorgenommen zu haben.
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Auf der anderen Seite erinnern sie an die nationalistischen Positionen, die die verschiedenen Sektionen der Vierten
Internationale zu Beginn des Zweiten Weltkrieges einnahmen - Positionen, die im Übrigen im Nachhinein von der Führung der
Vierten Internationale bestätigt wurden. Dabei trifft die griechische Sektion genau wie wir die Einschätzung, dass der Verfall
der Vierten Internationale, also der Ursprung des Pablismus, zu diesem Zeitpunkt beginnt. Aber die griechischen Genossen können
nicht erklären, warum und wie die Vierte Internationale kaum zwei Jahre nach ihrer Gründung zu solchen Positionen kommen
konnte. Die Antwort auf diese Frage ist umso wichtiger, da die Krise der 1940er Jahre viel bedeutungsschwerer war als die Krise
des Jahres 1953, die schließlich nur ein nachträgliches Epiphänomen darstellte. Der Übergang zum Nationalismus von ganzen
Sektionen, darunter nicht den kleinsten, war eigentlich das erste Symptom der politischen Zerstörung der Internationale.
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Krisen hatte die Vierte Internationale seit ihrer Gründung im Jahre 1938 schon andere gekannt. Die ärgste, die in der
amerikanischen Partei (Socialist Workers Party) von Shachtman, Burnham und Abern hervorgerufen wurde, erschütterte diese
Sektion sehr stark. Sie wurde schließlich überwunden. Aber der Kampf endete hier nicht mit zweideutigen Kompromissen, „weder
Fisch noch Fleisch\\\". Die Burnham-Gruppe wurde auf ideologischer Ebene radikal geschlagen: Zu dieser Zeit gab es in der
Vierten Internationale noch keinen Platz für jene, die sich außerhalb des Marxismus stellten.
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Aber im Gegensatz zu der Krise der amerikanischen Sektion, wurde die Krise des Jahres 1940 nicht nur nicht überwunden: Sie
wurde die Knochenfälle, die die trotzkistische Organisation als Ganzes zum Tode verurteilte. Weit davon entfernt ihre Fehler zu
beheben, versuchten die Sektionen sie entweder zu rechtfertigen, oder ihren Verrat totzuschweigen. In Frankreich zum Beispiel,
schrieb, nach der Vereinigung der Gruppen POI und CCI im Februar 1944, die Vérité (die Wahrheit), das spätere Zentralorgan
der neuen Partei am 25-ten März 1944: „Diese Organisationen haben folglich (seit Anfang des Krieges) eine internationale
Politik und Tätigkeit entwickelt\\\". Wenn man weiß, dass die Mitglieder der POI „dem französischen Bürgertum die
Hand reichten\\\" und dass die der CCI lebhaft den Entrismus in die mit dem Vichy-Regime verbundenen Organisationen
empfahlen, wird einem klar, was für einen „internationalistischen\\\" Charakter die Politik und Tätigkeit dieser
Gruppen hatten. Was die Führung der Internationale betrifft, so kritisierte sie gewisse nationalistische Übertreibungen, aber
sie ließ sich auch von der „nationalen\\\" Bewegung der Massen ins Schlepptau nehmen.
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Die Revolutionäre wissen, dass allein eine proletarische Partei ihre Fehler korrigieren kann und dass die Art und Weise, in der
sie es tut, ein neuer Beweis ihrer proletarischen Natur ist. Nicht nur erwies sich die Vierte Internationale als unfähig, ihre
Fehler zu korrigieren, sondern sie stellte diese auch noch als berechtigt hin und machte sich selbst Komplimente. Von da an
hatte sie nichts mehr an sich von der bolschewistischen Organisation, die Trotzki aufbauen wollte.
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Wenn wir uns im Oktober 1939 an die Arbeit machten, eine neue revolutionäre Organisation in Frankreich aufzubauen, so war es,
weil uns eine sechsjährige Erfahrung (1933-1939) innerhalb der POI gezeigt hatte, dass die französische Sektion der Vierten
Internationalen nichts mit einer proletarischen, also kommunistischen Partei zu tun hatte.
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Die Ideen der Russischen Linken Opposition, die an der Basis der Bewegung der Vierten Internationale standen, waren sozusagen
überhaupt nicht in das Arbeitermilieu vor dem Krieg eingedrungen. Das Proletariat befand sich zu dieser Zeit unter dem Einfluss
der sozialdemokratischen und stalinistischen Parteien.
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Deshalb nahmen in den Jahren 1928-1933 vor allem Intellektuelle, denen es an wirklichen kommunistischen Traditionen mangelte und
die auch nicht die Möglichkeit hatten, auf dem Boden der Arbeiterklasse politisch aktiv zu sein, diese Ideen an. Die
Arbeiterbewegung erlebte einen gewissen Rückgang und der Kampf der Russischen Linken Opposition beschränkte sich fast
ausschließlich auf einen Kampf um die Verteidigung ihres Programms innerhalb der verschiedenen kommunistischen Parteien.
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Aber auch während des erneuerten Aufschwungs der Stimmung und Kämpfe in der Arbeiterklasse in den Jahren 1934-1938, in dem
Moment wo die objektiven Bedingungen eine solide Basis für die Propaganda der trotzkistischen Ideen bildeten, konnte der Vorhut
den Aufschwung der proletarischen Kämpfe nicht kapitalisieren. Die Streiks des Jahres 1936 änderten nichts an dem
kleinbürgerlichen Charakter der POI. Weder die Bildung der „bolschewistisch-leninistischen\\\\\\\\\\\\\\\" Tendenz in der
Sozialistischen Partei in der vorhergehenden Periode, noch der individuelle Eintritt in die PSOP anfangs 1939 verstärkten die
proletarische Natur der Organisation.
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Die trotzkistische Bewegung litt eher noch unter den Nachwirkungen der organisatorischen Methoden der Sozialdemokratie.
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Das Verbot aller kommunistischen Organisationen durch die Daladier-Regierung im September 1939 und den Ausschluss der
Trotzkisten aus der PSOP im November 1939 gaben dann der französischen Sektion der Vierten Internationale den Gnadenstoß. Als
sie schließlich offiziell im Jahre 1940 in den „Französischen (sic) Komitees für eine Vierte Internationale\\\\\\\\\\\\\\\"
wieder auftauchte, stimmte sie in den nationalistischen Chor mit ein.
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Aber der Chauvinismus der französischen Sektion war nur die Folge ihrer gesamten früheren Praxis. Leichtfertigkeit,
Dilettantismus und Amateurhaftigkeit hatten die POI unfähig gemacht, sich mit der Arbeiterklasse zu verbinden und hatten sie an
das im Jahre 1940 nationalistisch gewordene Kleinbürgertum gefesselt.
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Seit dem Ende des Jahres 1939, während wir uns gleichzeitig von den Überresten der französischen Ex-Sektion abgrenzten,
begannen wir eine Rekrutierungsarbeit auf der politischen und organisatorischen Basis des Bolschewismus.
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Dafür war uns unsere organisatorische Unabhängigkeit gegenüber den anderen sich zum Trotzkismus bekennenden Gruppen
lebensnotwendig und ist es auch heute noch. Denn man kann nicht die Ausbildung von kommunistischen Aktivisten, die es wirklich
durch die Praxis des Klassenkampfes werden sollen, in einem kleinbürgerlichen opportunistischen Milieu beginnen.
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Man muss danach streben, die Aktivisten in einem täglichen Kampf den Gewohnheiten und dem Einfluss des Kleinbürgertums zu
entreißen. Unserer Überzeugung nach war es diese organisatorische Methodologie, die es uns erlaubt hat, im Jahre 1940 die
einzigen mit dem Programm der Vierten Internationale zu vereinbarenden Positionen einzunehmen, ebenso wie wir sicher sind, dass
es das Fehlen einer solchen Methodologie war, die viele trotzkistische Organisation in die Arme kleinbürgerlicher Strömungen
aller Art, die dem Marxismus grundlegend fremd sind, geführt hat und noch führen wird.
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Die auf sozialer Ebene kleinbürgerliche Zusammensetzung der Vierten Internationale war objektiven historischen und sozialen
Faktoren geschuldet, die kein Voluntarismus beseitigen konnte. Das stalinistische Gangstertum hatte eine ganze Generation von
revolutionären Arbeiteraktivisten ermordet und hatte, in dieser Periode des Rückgangs, die Trotzkisten aus der
Arbeiterbewegung ausgestoßen. Diejenigen, die in dieser Zeit trotz der Morde, trotz Verhaftungen, Gefängnisstrafen und
Denunziationen aller Art die Fahne des Trotzkismus aufrecht erhielten, waren Menschen von seltener Charakterstärke. Aber die
Organisationen, die sie gründeten, mangelten an der organisatorischen Methodologie, die es ihnen ermöglicht hätte, die
kleinbürgerlichen, zum Bruch mit ihrer Klasse unfähigen Elemente aus ihren Reihen zu entfernen. Dies wiederum verwandelte den
sozial kleinbürgerlichen Charakter der trotzkistischen Bewegung in einen politischen Opportunismus, der dadurch gekennzeichnet
war, dass sie unfähig war, sich mit der Arbeiterklasse zu verbinden.
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In seinem Kampf gegen die Opportunisten der SWP - ein Kampf, den gewisse Leute immer nur aus theoretischer Sicht sehen wollen -
hatte Trotzki schon aufgezeigt, dass die organisatorischen Methoden und die soziale Zusammensetzung der amerikanischen Partei
die natürlichen Stützen des Revisionismus sind. Parallel zum Kampf für die Verteidigung des Marxismus schlug er
organisatorische Maßnahmen vor, die das Ziel hatten die kleinbürgerlichen Intellektuellen, die die Partei überschwemmten,
rigoros auszuwählen. Er schrieb in „Von einer Schramme - zur Gefahr der Knochenfälle\\\\\\\\\\\\\\\": „Die
Partei besitzt nur eine Minderheit echter Fabrikarbeiter... Die nicht-proletarischen Elemente sind eine sehr notwendige Hefe,
und ich glaube, wir können auf ihre guten Eigenschaften stolz sein. Aber... unsere Partei kann von nicht-proletarischen
Elementen überschwemmt werden und sogar ihren revolutionären Charakter verlieren. Die Aufgabe besteht natürlich nicht darin,
das Einfließen von Intellektuellen durch künstliche Methoden zu verhindern, sondern die ganze Organisation praktisch an den
Fabriken, den Streiks und den Gewerkschaften zu orientieren... Ich bin weiterhin der Ansicht, dass Sie zu viele
kleinbürgerliche Jungen und Mädchen haben, die sehr gut und der Partei ergeben sind, die aber nicht ganz klar erkennen, dass
es nicht ihre Pflicht ist, untereinander zu diskutieren, sondern in das kräftige Milieu der Arbeiter einzudringen... Leider
haben wir bereits eine gänzlich kleinbürgerliche Tugend, die zu einem beträchtlichen Teil eine sozialdemokratische, d.h.
opportunistische Vergangenheit hat. Die Führer dieser Jugend haben unzweifelhafte Vorzüge und Fähigkeiten, aber, ach, sie
sind im Geiste des kleinbürgerlichen Verbündlertums erzogen, und sie können für immer in der revolutionären Bewegung
verloren gehen, wenn sie nicht ohne hochtrabende Titel zur schmutzigen Alltagsarbeit im Proletariat in die Arbeiterviertel
geschickt werden.\\\\\\\"
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Diese Warnungen Trotzkis waren nicht nur für die amerikanische Sektion gültig, sondern auch für die Vierte Internationale in
ihrer Gänze. Leider beachteten sie weder die SWP, noch der Rest der Internationale. Und heute, wo die Mehrheit der Sektionen,
ebenso des IK wie auch des VS, immer noch mit dem selben Makel behaftet sind, spotten ihre Führer immer noch über solche
Mahnungen, die sie für übertrieben „arbeiterfreundliche\\\\\\\\\\\\\\\"„ Spinnereien halten.
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Während des Krieges unternahmen wir eine radikale Kritik der französischen Sektion, aber das Ende der Feindseligkeiten zeigte
uns, dass alle Organisationen der Vierten Internationale demselben Symptom unterlagen. Was man die
„Neuorganisation\\\\\\\\\\\\\\\" der Vierten Internationale in der Periode 1944-1948 nannte, war nur die Vereinigung von bunt
zusammengeworfenen Gruppen, von denen einige, wie zum Beispiel die italienische Sektion, die später als bordigistisch
ausgeschlossen wurde, nicht einmal Trotzkisten waren. Ein solches Konglomerat konnte nicht lange dauern und tat es auch nicht.
Und die Spaltung des Jahres 1953, die Zersplitterung der Organisation zwischen dem Internationalen Komitee und dem
Internationalen Sekretariat erfolgte zwischen Gruppen, die innerhalb der selben Organisation, die folgenreichsten politischen
Kompromisse akzeptiert und verhüllt hatten.
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Um also sagen zu können, dass diese Spaltung DIE Krise der Vierten Internationale war, wäre es nötig gewesen, dass der eine
oder andere vorhandene Teil noch den Trotzkismus repräsentiert. Aber das war schon seit gut zehn Jahren vorher nicht mehr der
Fall.
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Die Vierte Internationale war am Anfang des Krieges zahlenmäßig schwach, aber bewaffnet mit einem unvergleichlichen
revolutionären Programm. Dagegen war sie im Jahre 1945 sicher stärker, was die Zahl ihrer Mitglieder betraf, aber sie hatte de
facto ihr Programm aufgegeben. Und es wird nicht möglich sein, sie neu aufzubauen, wenn man nicht versteht, dass die einfache
Bezugnahme auf das Programm ohne organisatorische bolschewistische Methodologie nicht genügen kann, um die trotzkistischen
Organisationen vor dem tödlichen Einfluss des Kleinbürgertums zu bewahren.
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