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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Elfenbeinküste: welche Politik für die ArbeiterInnen?
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Januar 2011
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Elfenbeinküste: welche Politik für die ArbeiterInnen? (aus Lutte de Classe (Klassenkampf) Januar 2011)
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Während das Risiko eines Bürgerkrieges immer vorhanden ist, wegen der Feindschaft zwischen den beiden Clans, die sich um
die Macht gegenüberstehen, veröffentlichen wir den Leitartikel eines Flugblatts, das von trotzkistischen Aktivisten in der
Hauptindustriezone der ivorischen Hauptstadt Anfang Januar verbreitet wurde.
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Arbeiterwort (Industriezone Yopougon – Abidschan)
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Die Emanzipation der Arbeiter wird das Werk der Arbeiter selbst sein (Karl Marx)
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Arbeiter, wohin treiben wir?
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Nach der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen erheben zwei Kandidaten Anspruch auf den Sieg. Um den Sieger zu bestimmen,
herrscht jetzt Krieg zwischen den beiden Clans, jenem der LMP (die Gbagbo unterstützt) und jenem der RHDP (die Ouattara
unterstützt).
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Die Gewehre wurden herausgeholt. Die Anzahl der Toten erreicht bereits mehr als 170 nach offiziellen Zahlen. Man zählt Hunderte
von Verwundeten. Dazu kommen zahlreiche Festnahmen und willkürliche Missbräuche. In vielen armen Vierteln wurden die Macheten
gewetzt und liegen griffbereit. Scharen von Erpressern treiben ihr Unwesen. Die Bewohner leben in der permanenten Furcht vor
möglichen Angriffen, die vom einen oder anderen Clan kommen können.
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Sogar den Arbeitenden, die es so gut wie möglich schaffen, sich in dieser Situation der Unsicherheit und des Mangels an
öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit zu begeben, haben Schwierigkeiten, sich zu ernähren. So sehr sind die Preise
gestiegen, dass zahlreiche Arbeiterfamilien an der Grenze zur Hungersnot leben.
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Gab es vor dem Ausbruch der derzeitigen Krise in den Fabriken noch Scherze zwischen Sympathisanten von LMP und Sympathisanten
von RHDP, so misstraut man sich heute gegenseitig. Die Kollegen diskutieren getrennt nach ihren politischen Vorlieben. Man
versucht, die verbale Konfrontation zu vermeiden, aber sie ist unvermeidlich, wenn sich die Diskussion darauf beschränkt, sich
hinter einen der beiden Männer zu stellen, die beide behaupten, zum Präsidenten gewählt worden zu sein. In diesem Fall wird
der Tonfall schnell aggressiver. Aber bis jetzt, schafft man es meistens, die Kollegen zu beruhigen, oft durch Diskussionen
über unsere Arbeitsbedingungen, die gemeinsam sind und weit über unsere ethnischen oder politischen Zugehörigkeiten
hinausgehen.
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Im Augenblick hat die Spaltung der Arbeitenden das Schlimmste noch nicht erreicht. In den Werkstätten, auf den Baustellen oder
in den Büros arbeiten Beschäftigte beider Lager Seite an Seite, sie leben Seite an Seite in denselben Vierteln.
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Aber dieser Kampf um die Macht zwischen RHDP und LMP kann die Arbeitenden in eine offenere und blutigere Auseinandersetzung
hineintreiben.
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Arbeiter!
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Der Krieg, den die beiden Führer und ihre jeweiligen politischen Clans führen, ist nicht unser Krieg! Jener, der siegen wird,
wird das Recht gewinnen, den Präsidentschaftspalast zu besetzen. Der Clan des Siegers wird Posten und Positionen gewinnen:
Minister, Institutionspräsidenten, hohe Beamte, Chefs der „bekleideten Körper“, Leiter von Staatsbetrieben. Sie werden das
Recht erhalten, auf unsere Kosten zu leben und sich zu bereichern, sich in der Staatskasse zu bedienen, sich die
Bestechungsgelder in die Tasche zu stecken.
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Aber was können wir Arbeiter in diesem brudermörderischen Bürgerkrieg gewinnen, ganz gleich wie er ausgehen wird? Ganz gleich
wer gewinnt, werden wir Anspruch auf nichts haben, aber wir werden unsere Toten, unsere Verletzten beweinen, unsere zu Ruinen
zerfallenen Häuser bedauern müssen. Weder unser Blut noch unsere Tränen sollen unnötig vergossen werden, nur um einem der
beiden konkurrierenden Präsidenten das Recht zu sichern, uns während der kommenden Jahre zu unterdrücken!
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Ein Arbeiter kann dem einen Präsidenten den anderen vorziehen. Aber jeder von uns wird sich nach gründlicher Überlegung
bewusst sein, dass keiner von beiden unsere Arbeiterinteressen vertritt. Keiner wird die Partei der Armen gegen die Reichen
ergreifen, die der Arbeitenden gegen die Besitzenden.
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Der Appell an ethnische Zugehörigkeitsgefühle dient ihnen nur dazu, uns vor ihre jeweiligen Karren zu spannen.
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Wenn es den Führern all dieser politischen Parteien gelingt, sich für das Erreichen ihrer Ziele der Arbeitenden als kleine
Spielfiguren zu bedienen, damit sie sich gegenseitig umbringen, dann sind es alle Armen, die den Preis für das Blut zahlen
werden.
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Wir Arbeitenden stehen auf der Seite der Werktätigen. Wir stammen aus verschiedenen Ethnien: wir sind Bete, Burkinabe, Baule
Senufo, Anyi, Diula Guro, Ebrie, Dida, Yacouba, usw. Wir sind es, die die Wirtschaft dieses Landes am Laufen halten. Wir sind
Fabrikarbeiter, Hilfsarbeiter im Bauwesen, kleine Büroangestellte, Tagelöhner, Jobber, Straßenfeger, Fahrer, Putzfrauen,
Hafenarbeiter, usw. Wir haben gemeinsam, dass wir alle von unserer Arbeit leben. Wir sind die Klasse der Armen. Wir alle
brauchen einen regelmäßigen Lohn, der uns erlaubt, ein ehrliches Leben zu führen. Wir benötigen eine Gehaltserhöhung. Wir
brauchen Unterkunft. Wir brauchen Zugang zu den Krankenhäusern. Unsere Kinder müssen in die Schule gehen können.
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Diese Interessengemeinschaft ist es, die uns über unsere Gefühle für Gbagbo oder für Ouattara hinaus verbindet; über unsere
ethnischen, klanischen, religiösen oder nationalen Zugehörigkeit hinaus.
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Um unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, und sei es nur, um auf das Gehaltsniveau zu kommen, das wir vor zwanzig
Jahren hatten, müssten wir unbedingt, unsere Kräfte vereinen, um der Unternehmerschaft zu trotzen, die uns ausbeutet. Keine
Regierung ist uns je zu Hilfe gekommen. Keine wird es in der Zukunft tun. Wenn wir aus dieser Krise gespalten herauskommen, wie
können wir dann den Bossen entgegentreten, um unentbehrliche Lohnerhöhungen gegen sie durchzusetzen, damit wir nicht vor Elend
umkommen?
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Also, Genossen Arbeitenden, vermeiden wir die Falle, die vor uns liegt! Wenn wir uns heute in zwei politische Lager spalten, die
uns nicht vertreten, werden wir nicht nur den Preis für das Blut zahlen, sondern es wird morgen auch schwieriger sein, den Weg
zur Einheit zu finden. Es ist aber unbedingt notwendig, dass wir alle zusammen der Unternehmerschaft und der Regierung die Stirn
bieten, um unsere Interessen als Arbeiter zu verteidigen.
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Kein Krieg zwischen Arbeiter! Unsere Feinde sind jene, die uns ausbeuten, von uns Geld erpressen und uns unterdrücken!
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