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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Über den Doppelcharakter der stalinistischen Massenparteien
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März 1967
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Über den Doppelcharakter der stalinistischen Massenparteien (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - März 1967)
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Die Wahlaufregung der letzten Monate wirft aufs Neue ein Problem auf, das seit Jahren immer wieder alle möglichen politischen
Kommentatoren beschäftigt: die Entwicklung der Französischen Kommunistischen Partei (PCF). Die Zeit ist längst vorbei, in der
die KP für Legenden vom „Bolschewisten mit dem Messer zwischen den Zähnen“ gut war. Die Bourgeoisie fürchtet in
ihr nicht mehr die Partei der gegnerischen Klasse. Trotzdem und obwohl sie bei weitem die größte Partei ist, sowohl nach
Mitgliederzahlen als auch nach ihrer Verankerung, bleibt sie von den wichtigsten Funktionen und vom Mechanismus der
parlamentarischen Demokratie weitgehend ausgeschlossen.
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Guy Mollet - Führer der französischen Sozialdemokratie SFIO - sagte vor einigen Jahren, als er die PCF mit der SFIO verglich,
die KPF wäre nicht linker als seine Partei, sondern östlicher.
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Diese Bindungen an Moskau, die in den Augen ihrer jeweiligen Bourgeoisie das Hauptmerkmal jeder KP darstellen, scheinen aber
nicht aus unzerstörbaren Materialien gemacht. Es ist nicht gesagt, dass die KP für immer wenn nicht fünftes Rad am Wagen des
Parlamentarismus, so zumindest das Reserverad bleibt, das manchmal unabdingbar ist, aber in normalen Zeiten unnütz und
belastend.
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Das Problem der Entwicklung der PCF ist kein isoliertes Problem, sondern das aller stalinistischen Parteien. Im vergangenen
Vierteljahrhundert gab es verschiedene stalinistische Parteien, deren Bindungen an die sowjetische Bürokratie harten Proben
unterworfen wurden. Manchmal sind diese Bindungen gerissen, wie im Falle er Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der
Kommunistischen Partei Chinas oder der Kommunistischen Partei Albaniens, um nur die bekanntesten zu nennen, und fast überall
anders haben sie sich gelockert: Der Polyzentrismus - Begriff, den der Führer der italienischen KP Togliatti geprägt hat, um
die Ablösung vom einen Zentrum Moskau in der kommunistischen Bewegung zu bezeichnen - ist in der Realität viel eher
aufgetaucht als der Begriff, der ihn bezeichnet. Von einer Ausnahme ist er inzwischen zur Regel geworden.
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Als „stalinistische Partei“, wie es üblich ist, jede Partei zu bezeichnen, die ihre Mitglieder auf der Grundlage einer
bestimmten Ideologie (falls man von einer stalinistischen „Ideologie“ sprechen kann), einer bestimmten Politik sowie
bestimmter Methoden organisiert und die mehr oder weniger enge Bindungen an die Kreml-Bürokratie hat oder hatte, ist praktisch
und in mancher Hinsicht vollkommen gerechtfertigt. Insbesondere erlaubt es diese Bezeichnung, sie von den „Arbeiterparteien“
zu unterscheiden, die wie zum Beispiel die sozialdemokratischen Parteien völlig der Bourgeoisie unterworfen sind; sie erlaubt
es, nicht zu vergessen, was sie als Besonderheit, als Eigenheit den letzteren gegenüber besitzen.
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Doch diese Bezeichnung, die die aktuelle oder vergangene Abhängigkeit dieser Parteien von der stalinistischen Bürokratie und
die Folgen dieser Abhängigkeit für ihre politischen und organisatorischen Methoden betont, lässt die Art ihrer Be-ziehungen
zu den Massen ihres jeweiligen Landes und ihre Beziehungen unterei-nander völlig im Dunkeln. Dabei sind ihre Bindungen an die
Moskauer Bürokratie bei Weitem nicht alles, was ihren Charakter bestimmt.
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Die russische Kommunistische Partei ist die einzige der stalinistischen Parteien, die unbestreitbar Partei der stalinistischen
Bürokratie ist, da sie eine reale so-ziale Basis in der bürokratischen Schicht besitzt. Sie nährt sich von dem Mehrwert, den
diese Bürokratie sich aneignet. Die Gegensätze, der sie ausgesetzt ist, spiegeln nur die Gegensätze wider, die die
Bürokratie selbst entzweien. Ihre Zukunft steht und fällt mit der Zukunft dieser Schicht, auf die sie sich stützt und die sie
politisch repräsentiert.
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So vollständig auch die Abhängigkeit der einzelnen Kommunistischen Parteien von der stalinistischen Bürokratie erscheinen
mag, so ist sie doch von ganz anderer Art und hat eine ganz andere Bedeutung.
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Die Bürokratie kann die Kommunistischen Parteien nach ihrem Bilde formen. Sie kann dafür sorgen, dass sie von ihrem ganzen
Wesen her unfähig sind, eine revolutionäre, sozialistische Politik zu verteidigen, und genau das tut sie auch. Sie kann aus
ihnen besonders effiziente Apparate gegen jede Gefahr, die ihr von links droht, machen; das ist sogar die einzige Lehre, die
keine stalinistische Organisation vergessen hat, selbst nach dem Bruch mit ihren ehemaligen Lehrmeistern. Aber die Bürokratie
kann ihnen eben gerade nicht die soziale Basis geben, die den Charakter der russischen Kommunistischen Partei bestimmt.
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Einige Kommunistische Parteien haben unbestreitbar über einen ganzen Zeit-raum eine erhebliche proletarische Basis in ihrem
Land gewonnen, wie die Kom-munistische Partei Deutschlands vor 1933. Ihre Führer hätten mit der russischen Bürokratie brechen
können, um eine revolutionäre Politik zu verfolgen; doch dafür hätten sie dazu fähig sein müssen und die Geschichte hat
gezeigt, dass sie dies nicht getan haben. Was wir weiter unten sehen werden, ist die jüngere Entwicklung der kommunistischen
Parteien in den letzten 30 Jahren, in denen sie, abhängig vom Interesse der russischen Bürokratie, eine nationalistische,
manchmal chauvinistische und im besten Fall reformistische Politik verfolgen (manchmal war sie auch offen konterrevolutionär).
Ihr Wachstum auf der Grundlage des Erfolgs dieser Politik wirft tatsächlich Probleme auf, deren theoretische Lösung nicht neu
ist, deren Auswirkungen aber neu sind.
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Wenn die nationale Kommunistische Partei schwach ist, hängt ihre Existenz von der Unterstützung der russischen Bürokratie ab,
sowohl moralisch als auch materiell, die verfolgte Politik bringt die Interessen der sowjetischen Bürokratie vor Ort zum
Ausdruck. Da sie keiner irgendwie nennenswerten Basis – und sei es eine nicht-proletarische – verpflichtet sind und von
Individuen geführt werden, die Servilität gegenüber dem Kreml zur höchsten politischen Tugend erhoben haben und deren
Auswahlkriterium der Mangel an Rückgrat ist, sind diese Parteien im Allgemeinen die degeneriertesten, wenn man in diesem
Bereich eine Abstufung vornehmen kann.
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Die englische und amerikanische Partei in den westlichen Ländern, die ägyptische Partei für die unterentwickelten Länder,
sind Prototypen dieser Art. Erstere nutzen die relative Demokratie in ihren Ländern, um andere und sich selbst von ihrer
eigenen Notwendigkeit zu überzeugen, während die in den unterentwickelten Ländern unter den Schlägen von Regimes
dahinvegetieren, denen ihre Führer noch aus dem Gefängnis Unterstützung zusichern, wenn Moskau den entsprechenden Befehl
gibt. Diesen Parteien ist praktisch verwehrt, irgendeine politische Rolle zu spielen.
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Ganz anders der Fall einer Kommunistischen Partei, die eine Verankerung in den Massen hat. Die Existenz einer solchen
Verankerung beweist schon, dass diese oder jene Schichten der Nation in dieser Partei einen politischen Ausdruck gefunden haben.
Die Partei ist nicht mehr bloß Transmissionsriemen des Kremls, sie erlangt einen eigenen sozialen Inhalt, eine eigene soziale
Basis. Sie ist nicht mehr nur dem Druck der sowjetischen Bürokratie ausgesetzt, sondern auch dem ihrer eigenen sozialen Basis.
Ihre Entwicklung wird letztlich von der Gesamtwirkung dieser beiden widersprüchlichen Drücke bestimmt. Die Schwankungen und
Zick-Zacks ihrer Politik spiegeln die Spannung wider, der sie durch jeden Interessenskonflikt zwi-schen der Bürokratie
einerseits und ihrer eigenen Basis andererseits ausgesetzt wird.
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Welches sind aber die gesellschaftlichen Schichten, die eine stalinistische Partei gewinnen kann? Was ist die soziale Basis
einer stalinistischen Massenpartei? Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. Diese Basis ist nicht dieselbe in den
im-perialistischen Ländern wie in den unterentwickelten Ländern. Sie ist nicht dieselbe in einem Land, wo sie die Macht
ausübt gestützt auf die Rote Armee, wie in einem Land, wo sie die Macht an der Spitze von Bauernmassen erobert hat.
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In den imperialistischen Ländern ist die Politik einer stalinistischen Partei dieselbe wie die sozialdemokratische Politik.
Ihren Einfluss gewinnt sie auf dieselben Schichten wie die Sozialdemokratie und auf deren Kosten.
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Als er den Doppelcharakter der Komintern-Parteien analysierte, sah Trotzki den ihnen innewohnenden Hauptwiderspruch nicht, wie
es manche Trotzkisten tun, im Gegensatz einer an den Kreml gebundenen Führung und einer proletarischen Basis, sondern im
Gegensatz zwischen den „beiden Quellen“, aus denen diese Parteien schöpfen:
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„Was die Ex-Komintern betrifft, so hat ihre soziale Basis einen Doppelcharakter: Zum Einen lebt sie von den Zuwendungen des
Kremls, ist seinem Kommando untergeordnet und in diesem Sinne ist der ex-kommunistische Bürokrat der jüngere subalterne Bruder
des sowjetischen Bürokraten. Zum Anderen nähren sich die verschiedenen Apparate der Ex-Komintern aus denselben Quellen wie die
Sozialdemokratie, das heißt aus den Extraprofiten des Imperialismus.“ (L. Trotzki, „Nach dem imperialistischen
‚Frieden‘ von München“ ) (Dieser Text ist nach dem Münchner Abkommen von Ende September 1938 entstanden, mit dem
Großbritannien und Frankreich Hitler grünes Licht für den Anschluss des tschechoslowakischen Sudetenlands an Deutschland
gaben. Der Untertitel des Textes lautet „Über den Charakter des kommenden Krieges“; unter diesem Titel findet man auch eine
englischsprachige Übersetzung. Ob eine deutsche Übersetzung des Artikels existiert, ist unbekannt. Alle weiteren
Trotzki-Zitate in diesem Artikel entstammen demselben Text)
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Die KP eines imperialistischen Landes erlangt durch ihr Wachstum das Recht, etwas von diesen Extraprofiten abzubekommen,
durch „ihr Eindringen in die Reihen des Kleinbürgertums, ihr Festsetzen im Staatsapparat, in den Gewerk-schaften, den
Parlamenten, den Gemeinden, usw.“
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Es handelt sich um dieselben Funktionen, um dieselben Schichten, auf die sich üblicherweise der Einfluss der Sozialdemokratie
erstreckt. Demgemäß entsteht ein dumpfer Kampf zwischen Kommunistischer Partei und sozialdemokratischer Partei um die
Eroberung dieser Schichten und dieser Funktionen. Dieser Kampf ist kein Ausdruck des Kampfes zweier Klassen, sondern ein Kampf
zweier Konkurrenten, die sich um dieselbe Klientel streiten. In den Ländern, in denen die Sozial-demokratie einen
ausschlaggebenden Einfluss behalten hat, wie England, Belgien oder die skandinavischen Länder, haben die KPs es nicht
geschafft, sich nennens-wert zu verankern.
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In den unterentwickelten Ländern hingegen existiert keine materielle Grundlage für den Reformismus. Weder für die
Sozialdemokratie, noch für die KP. Die gesellschaftliche Funktion einer stalinistischen Massenpartei ist also eine ganz andere
als in einem imperialistischen Land. Unter bestimmten Bedingungen und Umständen kann die Partei bei den Massen Gehör finden.
Nicht beim Proletariat als Klasse, aber bei den Schichten, die für die nationalistische, „bürgerlich-demokratische“
Politik empfänglich sein können, die der KP von Moskau verordnet wird: dem städtischen und ländlichen Kleinbürgertum.
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Indem sie Einfluss auf diese Schichten erringt und sich der schwachen lokalen Bourgeoisie als einzige Vertreterin und
Hauptverteidigerin der nationalen Interessen aufdrängt, kann die KP unter bestimmten günstigen Umständen die Macht erobern.
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Aber der Weg zur Machteroberung setzt schon einen virtuellen Bruch mit der Kremlbürokratie voraus, der allerdings unbemerkt
bleiben kann, solange die Machteroberung der jeweils aktuellen Außenpolitik der UdSSR-Führung nicht völlig entgegensteht. Da
sie eine eigene soziale Basis gefunden hat, wird die Partei nicht mehr als Transmissionsriemen des Kremls handeln, sondern als
Vertreterin der kleinbürgerlichen Massen ihres Landes und als Vollstreckerin der Interessen der nationalen Bourgeoisie. Ganz
egal, welche Phrasen sie drischt, sie ist keine stalinistische Partei im eigentlichen Sinne mehr.
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In jedem Fall, ob in den imperialistischen Ländern oder in den unterentwickelten Ländern, führen die Erlangung einer festen
Verankerung in den Massen, die Eroberung einer sozialen Basis, zu einer Lockerung der Bindungen an Moskau und beinhalten
letztlich die Perspektive eines Bruchs mit der sowjetischen Bürokratie.
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In den imperialistischen Ländern gilt, je mehr eine KP an den „Futtertrog“ der Sozialdemokratie (um Trotzkis Ausdruck
aufzugreifen) kommt, um so weniger benötigt sie den des Kremls, um so mehr strebt sie danach, den Platz der klassischen
Sozialdemokratie vollkommen zu übernehmen, das heißt mit dem Kreml zu brechen, allerdings auf einer reformistischen Grundlage.
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Stellen wir nebenbei fest, wie groß der Unterschied in der Analyse ist zwischen Trotzki und einigen unter denjenigen, die sich
auf ihn berufen: Denn wenn man annimmt, wie es zum Beispiel die „Zehn Thesen über den Stalinismus“ behaupten, dass
„der Doppelcharakter dieser Parteien… ihrer doppelten Funktion (entspringt), Arbeiterparteien durch ihre Basis in ihren
Ländern und internationale Instrumente der sowjetischen Bürokratie“, so kommt man ganz logisch zu folgender Behauptung
der Resolution des IV. Kongresses der IV. Internationale: in den Ländern, in denen die KPs innerhalb der Arbeiterklasse in
der Mehrheit sind, können diese unter außergewöhnlichen Umständen (fortgeschrittene Fäulnis der besitzenden Klassen) und
unter dem Druck sehr starker revolutionärer Massenerhebungen dazu gebracht werden, eine den Direktiven des Kremls
entgegengesetzte revolutionäre Richtung einzuschlagen.“
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Anders gesagt, der Widerspruch kann unter bestimmten Bedingungen zugunsten einer der beiden gegensätzlichen Bestimmungen
gelöst werden, die den Charakter der KP festlegen, nämlich die Arbeiterbasis, in welchem Fall die Partei dazu kommt, ihre
Bindungen an Moskau zu kappen.
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Wenn diese Analyse des Doppelcharakters der KP richtig wäre, wäre dies auch die einzige Art und Weise, den Bruch einer KP mit
der Kremlbürokratie zu verstehen.
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Es liegt völlig in der Logik dieser Art Argumentation, einen Staat dann auch als Arbeiterstaat zu bezeichnen, an dessen Spitze
eine solche Partei steht, die sich mit der Bürokratie überworfen hat.
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Die Charakterisierung des chinesischen oder des jugoslawischen Staats als Arbeiterstaaten und die Charakterisierung der
stalinistischen Parteien entspringen gleichartigen Analysen (bei denen die Bauern zu den Arbeitern gezählt werden), die denen
Trotzkis zutiefst fremd sind.
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Die immer größere Ähnlichkeit der großen westlichen Kommunistischen Parteien mit der Sozialdemokratie, begründet in ihrem
Wachstum auf Grundlage der-selben gesellschaftlichen Schichten, ist in letzter Analyse die Erklärung für den
„Polyzentrismus“ der westlichen Parteien, besonders der italienischen.
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Es ist sinnvoll daran zu erinnern, dass dieses Phänomen, das heute als ganz neu ausgegeben wird, als ein Zeichen tiefgreifender
Veränderungen innerhalb der „kommunistischen“ Bewegung, weshalb Publikationen wie die „Nouvel Observateur“ einen
neuen Aufbruch für die gesamte Linke aufscheinen sehen, dass dieses Phänomen also schon von Trotzki vorhergesehen wurde als
logische Folge aus dem Doppelcharakter der stalinistischen Parteien.
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„Vor zehn Jahren sagten wir voraus, dass die Theorie des Sozialismus in einem Land unvermeidlich zur Entwicklung
nationalistischer Tendenzen in den Sektionen der Komintern führen müsse. Diese Vorhersage ist eine offensichtliche Tatsache
geworden. Aber bis vor kurzem schienen der französische, britische, belgische, tschechoslowakische, amerikanische, usw.
Kom-Chauvinismus die Widerspiegelung der Interessen der Sowjet-Diplomatie (die ‚Verteidigung der UdSSR‘) zu sein und waren
es auch in einem bestimmten Maße. Heute kann man mit Sicherheit den Beginn einer neuen Etappe voraussagen. Das Wachstum der
imperialistischen Widersprüche, das offensichtliche Näherrücken der Kriegsgefahr und die ebenso offensichtliche Isolierung
der UdSSR müssen unfehlbar die zentrifugalen nationalen Tendenzen innerhalb der Ex-Komintern verstärken. Jede ihrer Sektionen
wird anfangen, eine eigenständige patriotische Politik zu entwickeln. Stalin hat die Kommunistischen Parteien der
imperialistischen „Demokratien“ mit ihrer nationalen Bourgeoisie versöhnt. Diese Etappe ist nun überholt. Der
bonapartistische Vermittler hat seine Rolle erfüllt. Von nun an müssen die Kom-Chauvinisten sich um ihr eigenes Schicksal
sorgen, dessen Interessen nicht immer mit der ‚Verteidigung der UdSSR‘ zusammenfallen.“
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Es ist unmöglich, dauerhaft die Verantwortung gegenüber der eigenen sozialen Basis und diejenige gegenüber der
Sowjet-Bürokratie zu versöhnen. Wenn sie unter entsprechenden Umständen gezwungen sind zu wählen – und wenn ihnen die
Bourgeoisie diese Wahl lässt – enden die Führungen der stalinistischen Massenpar-teien damit, sich für ihre Basis zu
entscheiden – und das liegt ganz in der Logik der Dinge. Die einzigen Parteien, die der Bürokratie treu bleiben werden, sind
die – und sie sind zahlreich, sowohl im Westen wie in den unterentwickelten Ländern –, die nicht das Gehör der Massen
gefunden haben, die ohne Wurzeln, ohne Basis, ohne Einfluss bleiben.
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Die Entwicklung der PCF, die wir demnächst in einem eigenen Artikel detailliert untersuchen werden, erfolgt ganz in diesem
Rahmen. Sie ist derselben Spannung ausgesetzt zwischen ihrer Treue gegenüber Moskau und ihrer Funktion als nationale
reformistische Organisation.
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