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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Nach der AKW-Katastrophe in Fukushima: Atomenergie, Grüne und Kapitalismus
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April 2011
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Nach der AKW-Katastrophe in Fukushima: Atomenergie, Grüne und Kapitalismus (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - April 2011)
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25 Jahre nach Tschernobyl, dessen gesundheitliche Folgen noch immer wirksam sind, hat die AKW-Katastrophe im japanischen
Fukushima die Diskussion über die Nutzung der Atomenergie wieder angefacht. Doch die Absichten und Ziele derer, die sich dieser
Katastrophen bedienen, sind oft sehr weit entfernt vom Schicksal der japanischen Opfer und derer der Kernenergienutzung im
Allgemeinen.
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In Deutschland, wo die Kernenergienutzung von der öffentlichen Meinung stark abgelehnt wird, hatte Angela Merkel am Vorabend
der baden-württembergischen Landtagswahlen die Notbremse gezogen und ein neues Moratorium für Atomkraftwerke verkündet. Diese
späte Kehrtwende verhinderte nicht ihre Wahlniederlage und den Sieg der Grünen, die ihr Ergebnis mehr als verdoppelten. Beides
ist zumindest teilweise Folge der durch die Fukushima-Katastrophe bedingten Emotionen, die es den Grünen zum ersten Mal
ermöglichten, den Ministerpräsidenten in einem der größten und… am stärksten industrialisierten Bundesland zu stellen.
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In Frankreich, wo 76% des elektrischen Stroms von AKWs erzeugt werden, haben die Sprecher dieser Branche, also Areva, EDF und
selbst der Direktor der Atomsicherheitsbehörde (ASN) in den Medien sich einander abwechselnd stets wiederholt, dass alles gut
läuft. Der Industrieminister hat zwar nicht den „Coup“ von 1986 wiederholt, wo die atomare Wolke auf wundersame Weise,
genau an der französischen Grenze Halt machte, aber anfangs leugnete er, dass es sich um eine atomare Katastrophe handelte.
Einige Tage später erklärte Präsident Sarkozy: “Frankreich ist das Land mit den sichersten Atomanlagen der Welt.“
Die Einen und die Anderen konnten ihre Angst, die Atombranche diskreditiert zu sehen, nicht verbergen, denn sie wollen weiterhin
ihre AKWs exportieren.
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Die politischen Führer der Ökologiebewegung von Cohn-Bendit und Duflot über Nicolas Hulot und Eva Joly, die zwei Letzteren
plötzlich zum Atomausstieg bereit, konnten von der Katastrophe profitierend, von Sarkozy „eine nationale Diskussion und
ein Moratorium“ der Atomindustrie fordern. Für „Europe Écologie“, wie für die „Grünen“ in Deutschland, wurde
Fukushima zum Hauptargument bei den Kommunal- bzw. Landtagswahlen. Und Cécile Duflot geriet am Abend des 27. März über die
Verdoppelung der Mandatsträger ihrer Partei außer sich vor Freude, was kaum Bezug hatte zu der nur wenige Tage vorher zur
Schau gestellten Empörung über die Reaktorkatastrophe in Japan.
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Erinnern wir daran, dass die Japan seit dem 11. März heimsuchende Katastrophe, bevor sie zu einer atomaren wurde, mit einem
außerordentlich furchtbaren Erdbeben begann, dem ein Tsunami von ungewöhnlicher Schwere, mit 10 Meter hohen Wellen, folgte.
Wir alle waren bewegt von den Bildern hilfloser Flüchtlinge, die auf der Suche nach Angehörigen und einer Spur ihrer völlig
vernichteten Häuser, verängstigt im tiefen Schnee durch den Schutt ganzer Städte irrten, die der Tsunami vollständig
zugrunde gerichtet hatte.
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Trotzdem Japan auf schwere Erdbeben vorbereitet war, regelmäßig Notfallübungen durchgeführt wurden, und vor allem im
Bauwesen die Erdbeben-Normen seit den zwanziger Jahren auch tatsächlich Anwendung fanden, konnte unbestreitbar die Zahl der
Opfer in der dichtbewohnten Küstenregion begrenzt werden. Bis heute gelten 28.000 Menschen als tot oder vermisst. Das ist eine
furchtbare Bilanz, aber dennoch weniger als die 250.000 bis 300.000 Toten beim Erdbeben vom 12. Januar 2010 in Haiti, das nicht
die Höhe 7 auf der Richter-Skala übertraf, also etwa 100 mal schwächer, als in Japan war, wo der Wert 9 auf der Richter-Skala
betrug. Diese Ungleichheit der Verwüstungen zwischen dem hochentwickelten Japan und dem Elend auf Haiti, zeigen uns einmal
mehr, dass die schlimmsten Naturkatastrophen in erster Linie… sozialer Natur sind.
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Und dennoch, selbst in Japan, befinden sich nicht alle in der gleichen Situation, und die Regierung hat ihre Prioritäten
gewählt: Auf der einen Seite verbrachten hunderttausende von Katastrophenopfern lange Tage im Frost, ohne Wasser, ohne
Lebensmittel und ohne Elektrizität, manchmal sogar wochenlang, ohne einen Helfer zu sehen. So sind es hauptsächlich die
elementare Solidarität der Nachbarschaftshilfe und die Initiativen örtlicher Behörden ohne größere Hilfsmittel, die das
Überleben der Opfer ermöglichten. Auf der anderen Seite sehen wir wie das ohnehin schon am schwersten verschuldete Land der
industrialisierten Welt gleich seit dem 14. März die Zentralbank131 Milliarden Euro in das Bankensystem pumpen. Anders gesagt,
wenn die Katastrophenopfer durchaus warten mussten, so gab es bei der Hilfe für die Banken und das Großkapital nicht die
geringste Verzögerung!
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Die Atomkatastrophe von Fukushima
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Zu all den dramatischen Folgen des Erdbebens und des Tsunamis kommen noch jene der atomaren Katastrophe hinzu. Oder richtiger
gesagt die Katastrophen, denn bei drei der sechs während des Erdbebens in Betrieb befindlichen Reaktoren des AKW Fukushima kam
es in unterschiedlichem Ausmaß zur Reaktor-Kernschmelze und mehrere benachbarte Abkling-Kühlbecken für hochradioaktive
abgebrannte Kernstäbe, die eine enorme Menge alten nuklearen Brennstoffes enthielten, die auf ihre weitere Entsorgung warteten:
Diese wurden sehr schwer beschädigt.
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Zur Stunde, in der wir schreiben, befindet sich das AKW noch nicht unter Kontrolle und der radioaktive Ausstoß nimmt weiter zu
Besonders das Szenario eines neuen Tschernobyl versetzt alle Regierungen des Planeten in Angst und Schrecken: die Explosion
eines oder mehrerer Reaktorkerne, worauf heftiges Feuer und massiver Ausstoß radioaktiver Partikel in die mittlere Atmosphäre
folgt, was bisher nur in Tschernobyl geschah. Aber nichts garantiert, dass das Schlimmste schon vorüber ist. Der
Sicherheitsmantel hat schon kleine Risse, und zwar an mehreren Reaktorblöcken, die sich mehr oder weniger stark in der
Kernschmelze befinden. Durch diese Risse entweicht radioaktives Material: ein Gemisch aus Plutonium und Uran verseucht seither
die Umgebung des Atomkraftwerks und den benachbarten Ozean.
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Der Zwischenfall in Fukushima ist daher mit Sicherheit eine große nukleare Katastrophe
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Die japanische Regierung verniedlichte von Anfang an in schamloser Weise den Schweregrad der Situation. Sie hat den Unfall von
Stufe 4 auf 5 (der 7-stelligen INES-Skala) nachbewertet, während die französische Atomsicherheitsbehörde schon wenige Tage
nach Beginn von Stuf 6 ausging, was zwischen der Schwere des Reaktorunfalls 1979 in Three Mile Island im US-Staat Pennsylvania
und der Katastrophe von Tschernobyl 1986 liegt. Diese Einstufungen sind weniger wissenschaftlich fundiert, als medienbestimmt,
lassen aber eine gewisse Einstufung bezüglich der Schwere verschiedener Zwischenfälle zu.
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Wenn es bis heute nicht möglich ist, das ganze Ausmaß der Katastrophe einzuschätzen, so sind sie in der Region von Fukushima,
wenn nicht noch größeren Teilen Japans, von schwerwiegendster Bedeutung. Die Flora und Fauna, die Flussläufe, das
Grundwasser, also die landwirtschaftliche Produktion und die Fische des angrenzenden Pazifik sind verseucht. Übernormal hohe
Werte von radioaktivem Jod und Cäsium wurden (zeitweise) im Trinkwassernetz des 250 km entfernt liegenden Tokio gemessen. Nach
langem Hin und Her hat die japanische Regierung sich entschlossen, alle Einwohner im Radius von erst 20 km dann 30 km rund um
das AKW evakuieren zu lassen. Nach Ansicht verschiedener Experten sollte diese Zone auf einen Radius von 100 km erweitert
werden. Der französische Weltmarktführer für Herstellung und Verkauf von Nuklearanlagen hat von Beginn des Zwischenfalles an,
alle seine in Fukushima befindlichen Mitarbeiter zurückgerufen. Man kann sich vorstellen, dass er gut informiert war.
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Dies kann man von der japanischen Bevölkerung nicht gerade sagen, denn die Betreiber lassen verspätete und untertreibende
Informationen nur tropfenweise durchsickern. Wie viele der stark verstrahlten Menschen werden Krebs und Leukämien entwickeln
und daran sterben? Um dies zu wissen wird es vieler Jahre bedürfen, da die Effekte der radioaktiven Bestrahlung meist erst
viele Jahre später auftreten. Wie groß wird die unbewohnbare und ackerbaulich nicht mehr nutzbare Landfläche um das AKW herum
sein, und dies vielleicht für Jahrhunderte?
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Die Arbeitenden von Fukushima an vorderster Front
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Von Anfang an war es ein Wettlauf mit der Zeit, die Katastrophe einzugrenzen, und wieder die Kontrolle über die Reaktoren zu
gewinnen, was der Aufopferung einiger hundert Arbeitenden von Fukushima zu danken ist, die sich quasi unablässig untereinander
abwechselten um koste es was es wolle, zu versuchen, die Kühlsysteme wieder in Gang zu setzen. Einige starben schon während
des Tsunamis, andere wurden durch die Wasserstoffexplosionen, die zwei Reaktorgebäude und die Schutzhüllen stark
beschädigten, schwer verletzt, und alle sind stark verstrahlt.
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Die „Liquidatoren“, um den in Tschernobyl benutzten Begriff wieder aufzunehmen, diese gut fünfzig Arbeitenden, unterstützt
von einigen hundert anderen Arbeitern, Feuerwehrleuten und Ingenieuren akkumulierten in wenigen Stunden viel höhere Dosen als
für ein gesamtes Jahr erlaubt sind. Tag für Tag überschritten sie die Schwelle der tolerablen Strahlendosis. Die
arbeitsmedizinische Spezialistin für Nuklearmedizin am INSERM (Nationales Institut für Gesundheit und medizinische Forschung)
sagte:“Mit solch akkumulierten Dosen entsteht bald eine massive Zerstörung des Knochenmarks- und der Darmschleimhaut-
sowie der Hautbasal-Zellen.“ Mehrere wurden schon stark verbrannt und verstrahlt evakuiert, aber es ist die Gesundheit,
wenn nicht das Leben aller, die unwiderruflich in kompromittiert sind.
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Und man entdeckt im Laufe der Tage, dass manche von ihnen nicht einmal permanent mit individuellen Dosimetern ausgestattet sind,
und dass obendrein man ihnen das Wasser und die Nahrung rationierte!
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Die japanische Regierung, statt die Arbeitenden zu schützen und der dringenden Not, in die das ganze Land gestürzt ist,
erhöhte mit unglaublichem Zynismus schnell die gesetzlich zusätzliche Höchstdosis der legalen Strahlenexposition der
Fukushima-Arbeitenden von 100 Millisievert (mSv) auf 250 mSv im Zweijahreszeitraum. Warum eine solche gesetzgeberische Eile?
Paul John, der seit vielen Jahren die Arbeitsbedingungen japanischer Atomarbeiter studiert, sagt: “Dies ist ein Mittel,
ihren baldigen Tod zu legalisieren, und damit zu vermeiden an ihre Familien Entschädigungen zahlen zu müssen, da mit den neuen
Höchstdosen von 250 mSv, die Risiken von Krebs, erworbenen Mutationsänderungen und andere Schäden beim Erbgut ganz wesentlich
erhöht werden“. Das verschlägt einem den Atem und ein Kommentar erübrigt sich.
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Zweifellos werden wir eines Tages wissen, unter welchen Bedingungen die Atomarbeiter von Fukushima ihren Kampf führten, um das
Schlimmste zu verhindern. Ob es sich um Freiwillige handelte, die über von ihnen eingegangenen Risiken aufgeklärt waren, oder
ob sie unter starken moralischen Druck gesetzt waren. Auf jeden Fall beweisen diese Arbeitenden einen solchen Gemeinschafts-Sinn
und eine solche Opferbereitschaft, die uns in unserer Hoffnung bestärken, dass die Menschheit in der Lage sein wird gemeinsam
die Gesellschaft zu leiten und dies zum Nutzen Aller.
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Eine vorhersehbare, wenn nicht gar unvermeidliche Katastrophe: die Lügen und die Fälschungen von Tepco
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Von diesem Sinn für die kollektiven Interessen kann man bei den Aktionären und Leitern der Tokyo Electric Power Company
(TEPCO), den privaten Eigentümern und Betreibern des AKW Fukushima, wahrlich nichts finden, davon sind sie völlig frei. Sie
tragen eine große und direkte Verantwortung für die Katastrophe.
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Dieses Unternehmen wurde 1951 im Rahmen der Privatisierung der Elektrizitätsproduktion gegründet und liefert ein Drittel der
Stromversorgung des japanischen Archipels. Tepco ist der viertgrößte Elektrizitätsproduzent der Welt. Es besitzt ebenfalls
Anteile am Fernsehen, in der Elektronikbranche und dem Schiffstransport von Erdöl (und Kohlenwasserstoff). Es ist also wirklich
eine der ganz großen Industriegruppen Japans mit sehr engen Verbindungen seiner Leiter zum mächtigen METI, dem Ministerium
für Handel und Industrie. Vergleichbar mit Areva, EDF, GDF-Suez, Veolia usw. Die leitenden Angestellten wechseln vielfach
zwischen hohen Funktionen im Ministerium und Führungsposten in den privaten Großunternehmen. Das heißt, die Leiter dieser
Industriegruppe hatten keine Kontrollen und Anordnungen der japanischen Atomsicherheitsbehörde, NISA, zu befürchten.
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Der Weg und die Geschichte von Tepco sind von Störfällen und deren Verschleierung gepflastert. Von 1978 bis 2002 wurden nicht
weniger als 97 Zwischenfälle in den japanischen Atomkraftwerken kritisiert, davon wurden 20 als ernsthaft bewertet. Im Jahre
2002 hat die Aufdeckung gefälschter Inspektionsberichte, die unter anderem vor kleinen Rissen im Containment
(Sicherheitshülle) mehrerer Kernkraftwerke warnte, den Rücktritt des Generaldirektors und des Aufsichtsratsvorsitzenden von
Tepco erzwungen. Doch diese dienten nur als „elektrische Sicherungen“, die man wechselt, aber ansonsten änderte sich
nichts: 2007 führte ein Erdbeben in der Nähe des Tepco–AKW Kashiwazaki zum Auslaufen von Kühlwasser und Ausstoß
radioaktiven Materials ins Japanische Meer, was beinahe einen Brand im AKW verursachte. Doch Tepco hat keinerlei Änderung bei
den Sicherheitsmaßnahmen veranlasst und verzögerte nur die Bekanntgabe des Zwischenfalls, womit natürlich die Information und
Evakuierung der betroffenen Anwohner verzögert wurde.
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Das AKW Fukushima selbst wurde Anfang der siebziger Jahre gebaut, so dass es schon als recht alt gelten muss. Doch Tepco erhielt
die Genehmigung die Laufzeit mehrerer seiner Reaktoren über den Zeitraum von 30 Jahren hinaus zu verlängern, obwohl bekannt
ist, dass der Verschleiß und die Alterung der Anlagen nach der Grenze von 30 Jahren sich deutlich beschleunigen. Und es wurden
auch Störfälle im Sicherheitssystem entdeckt. Nur wenige Tage vor dem Erdbeben von 2011 gestand Tepco den Aufsichtsbehörden,
dass eine Chip-Karte eines Sicherheitsventils zur Temperaturüberwachung des Reaktors seit 11 Jahren nicht mehr kontrolliert
worden ist, und dass auch die Kontrolle bei den Kühlwassersystemen und des Notstromaggregats unzureichend waren. Und es waren
genau diese Notfall-Dieselmotoren, die dann nicht angesprungen sind.
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Es wurde angenommen, dass sie einem Tsunami mit sechs Meter hohen Wellen standhalten würden. Am 11.März aber waren die Wellen
in dieser Küstenregion deutlich höher als 7 Meter! Doch wenn es irgendwo auf der Welt einen Ort gibt, wo es ganz sicher ein
hohes Erdbeben- und Tsunamirisiko gibt, so ist das genau in Japan der Fall. Wenn die Seismologen auch nicht das Datum
vorhersagen konnten, so wussten alle, dass ein solcher Zwischenfall sich irgendwann ereignen könnte.
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Anlässlich der aktuellen Katastrophe enthüllte die Zeitung Le Figaro vom 17. März, dass die Internationale
Atomenergie-Behörde, - wahrlich keiner AKW-Feindlichkeit verdächtig, eine Behörde der Atomstaaten selbst -,im Jahre 2008 ganz
offiziell die japanische Regierung bei einem Treffen der G 8-Staaten davor gewarnt hat, dass die Erdbebensicherheitsnormen
Japans total überholt seien, und dass die japanischen AKWs einem Erdbeben von mehr als der Stärke 7 auf der Richter-Skala
nicht standhalten würden. Im Jahre 2006 ist ein Erdbebenexperte aus Kobe von seinem Amt zurückgetreten, um gegen die Laxheit
des Expertenkomitees zur Verbesserung der Erdbeben-Sicherheitsnormen zu protestieren.
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Ein schwerer Atomzwischenfall in Fukushima oder einem anderen AKW war also vorhersehbar, wenn nicht gar unvermeidlich. Heute
entdeckt die Öffentlichkeit mit Entsetzen diese üblichen Verhaltensweisen privater Industrieller, inklusive eines so sensiblen
Bereiches wie der Atomindustrie. Doch all dies war den japanischen Verantwortlichen, ebenso wie denen der weltweiten Atombranche
durchaus bekannt, die sich so lange die Hände in Unschuld wuschen, wie die Katastrophe nicht eingetreten war. Sie zeigen einmal
mehr, dass in diesem Bereich, wie in allen anderen auch, die Aktionäre und die Industriellen bestimmen, und dass die Minister
und die Regierungen ihnen gehorchen.
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Das Krisenmanagement, das völlig dem Privatunternehmen selbst überlassen wurde, spricht ebenfalls Bände bezüglich des
Einflusses der Regierung einerseits und der Unternehmensführung andererseits. Die Letztere begann damit, die von der
US-amerikanischen Armee angebotene Hilfe abzulehnen. Zwei Tage nach dem Erdbeben musste sich der Regierungschef persönlich zum
Sitz der Tepco begeben, um ausführlichere Informationen über die Schwere des Zwischenfalls und das Ausmaß der nach außen
gedrungenen Radioaktivität zu erhalten. Mehrere Quellen – unter anderen der Parlamentsabgeordnete der japanischen KP,
HidekatsuYoshii – bestätigen, dass Tepco die Einleitung von Meerwasser in den überhitzten Reaktor verzögerte, um einen
endgültigen Verzicht auf diesen zu vermeiden. Die Firmenleitung hätte außerdem die Entdeckung außergewöhnlicher
Radioaktivität befürchtend, bis zum letzten Augenblick gezögert den radioaktiven Wasserdampf, der sich im Reaktor angesammelt
hatte, abzulassen wodurch es zweimal zu Explosionen in dem den Reaktor bergenden Gebäude kam. „Während die Explosionen
von allen Fernsehstationen gefilmt wurden, bedurfte es Ihrerseits über eine Stunde, um die Regierung zu informieren“ habe
der Regierungschef gegenüber dem Generaldirektor von Tepco erklärt. Erst zwei Wochen nach Beginn der Katastrophe hat das
Unternehmen die Hilfe akzeptiert, die von ausländischen auf Nuklearindustrie spezialisiert Firmen, angeboten wurde.
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Diese Katastrophe illustriert bis zum Erbrechen deutlich, welche Gefahren die nur an der Profitmaximierung orientierten
Kapitalisten für die Arbeitenden und die ganze Gesellschaft bedeuten.
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Die französische Atomenergiebranche ist weder sicherer noch transparenter.
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Die Undurchsichtigkeit und das Streben nach Profit bestimmen die französische Atomindustrie ganz genauso wie die Japanische.
Während der Tschernobyl-Katastrophe hatten die Leiter dieser Branche schamlos erklärt, dass eine solche Katastrophe sich in
ihren AKWs nicht ereignen könne, da sie ja ein Containment, einen Stahl-Beton-Schutzmantel, hätten, der in Tschernobyl fehlte.
Fukushima zeigt, dass diese Schutzhüllen veraltet und schlecht gewartet, durchaus die Radioaktivität entweichen lassen.
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Selbst wenn Europa nicht solche Erdbeben und Tsunamis wie Japan kennt, so gibt es auch hier Naturkatastrophen. Das
Sturmunwetter, das Ende 1999 den Süd-Westen Frankreichs heimsuchte, war zwar von historischem Ausmaß, aber bei weitem kein
Tsunami, aber führte dazu, dass zwei Teilabschnitte des AKW Blayais in der Gironde, überflutet wurden und das Kühlsystem und
die anderen Sicherheitssysteme ebenso, stundenlang funktionsunfähig machte. Erst im Nachhinein wurden die Anwohner von der
Bedrohung informiert. Dieses Kernkraftwerk war theoretisch für ein „Jahrtausend-Hochwasser“ konzipiert. Berechnungsfehler
oder Sparmaßnahmen bei der Konstruktion ? Auf jeden Fall war EDF mehr als ein Jahr vorher aufgefordert worden, die Deiche zu
erhöhen, hatte diese Arbeiten immer wieder verschoben... bis zu dem schweren Zwischenfall.
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Ununterbrochen werden in den verschiedenen AKWs „Zwischenfälle“ unterschiedlichen Schweregrads registriert, statt
öffentlich bekannt gegeben zu werden. Jedes Jahr erfasst die Atomsicherheitsbehörde (ASN) an die hundert „Zwischenfälle“
in den AKWs oder den Fabriken des atomaren Brennstoffzyklus. Einige sind mit dem Ausstoß radioaktiven Materials in die Umgebung
verbunden. Im Jahre 2005 gab es laut ASN bei 34 der 58 Reaktoren in Frankreich Störfälle im Bereich des Kühlwassersystems.
2008 kam es zu diversen Leckagen mit Austritt von radioaktivem Material und Brennstoff im AKW (und auch nuklearen
Forschungsstelle) Pierrelatte und im AKW und Wiederaufbereitungsanlage Tricastin, sowie anderen Subunternehmen der
Nuklearindustrie. Oft ist es zufällig und im Nachhinein, dass diese Leckagen entdeckt werden, ebenso wie zu hohe Bestrahlung
des Personals. Wenn diese ASN theoretisch auch unabhängig von den Nuklearbetreibern Areva und EDF ist, so ist sie doch
vollkommen abhängig vom französischen Staat, der über die Interessen der gesamten Atombranche wacht.
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In der Atomindustrie herrschen die gleichen Methoden wie in anderen Industrien: der gleiche Mangel an Vorsorge, derselbe
Arbeitstakt und kaum einzuhaltende Terminzwang, derselbe Druck alle Arbeiten möglichst schnell zu erledigen: mit dem Risiko
Fehler zu machen. Und man muss hinzufügen: derselbe Versuch alles zu niedrigsten Kosten zu machen.
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Für die Wartung und Instandhaltung der 58 Reaktoren greift EDF auf Subunternehmen und Zeitarbeiter zurück wie alle anderen
Industriebereiche auch. Die in Frankreich als „Nuklear-Nomaden“ bezeichneten Arbeitenden gehen von einem AKW zum Anderen,
wie es die Wartung und Instandhaltung verlangt. Sie sind Angestellte untereinander um Marktanteile rivalisierender Unternehmen.
Offensichtlich versuchen diese, sich gegenseitig bei den Kosten zu unterbieten, was sich natürlich bei den Arbeitsbedingungen
und der Arbeitssicherheit auswirkt.
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Laut der schon zitierten Annie Thébaud-Mony sind „zwischen 25.000 – und 35.000 Wartungsarbeiter (Armaturenmonteure,
Mechaniker, Elektriker, Dekontaminierer, Wärmeisolierstoff-Entferner, Kontrolleure…) in sogenannten radioaktiven
‚Kontrollbereichen‘ tätig, um die notwendigen Reparaturen, notwendigen Veränderungen usw. an den Reaktoren und den
Kühlsystemen zu verrichten. Je älter ein AKW ist, umso intensiver ist die radioaktive Kontamination, und jede Intervention
kostet hier mehr Strahlendosis in der Zeiteinheit. Daher sind die Betreiber von Atomanlagen dazu übergegangen, die
strahlenintensiven Arbeiten an Subunternehmer zu vergeben und ein System der Arbeitsverrichtung entsprechend der empfangenen
Strahlendosis zu schaffen;“
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Es sind also die Arbeitenden der Subunternehmen, die 80% der Strahlung abbekommen, und gleichzeitig einer geringeren
medizinischen Überwachung und stärkerem Druck von Seiten ihres Unternehmers ausgesetzt sind. Nach 20 oder 25 Jahren der
Strahlenexposition, erkranken verschiedene von ihnen an Krebs und müssen einen wahrhaften Kampf für die Anerkennung als
Berufskrankheit führen. Annie Thébaud-Mony nimmt an, dass sich bei diesen Atomarbeitern eine gesundheitliche Katastrophe
anbahnt, die mit derjenigen des Asbests vergleichbar ist.
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Die Verteidigung der französischen Atombranche um jeden Preis
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Angesichts der durch die Fukushima -Katastrophe verursachten Unsicherheit hat die französische Regierung eine großangelegte
Überprüfung aller Kernkraftwerke beschlossen, um die „Risiken von Überschwemmungen und Erdbeben, den Ausfall der
Elektrizitätsversorgung und den Ausfall der Kühlsysteme“ zu prüfen. Identische Tests sind für die 143 Reaktoren in Europa
vorgesehen. Sarkozy ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat sich verpflichtet, alle AKWs, die diesen Test der
europäischen Union überstehen nicht bestehen, zu schließen.
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Diese Ankündigungen sind bestenfalls als Nebelkerzen zu verstehen, um die öffentliche Meinung zu beruhigen. Aber in
Wirklichkeit sind sie das Eingeständnis von Verantwortungslosigkeit, denn warum sollte man in aller Dringlichkeit dermaßen
wichtige Fragen klären, wenn die französischen Kernkraftwerke „die sichersten der Welt sind“, wie es die Minister und die
Autoritäten der Atomindustrie behaupten?
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Das Hauptanliegen der Regierung in dieser Angelegenheit ist die Verteidigung der französischen Atomindustrie angesichts des
Risikos einer Verminderung beim AKW-Neubau in der Welt: nach der Fukushima-Katastrophe. Der von der Regierung angeforderte
Roussley-Bericht, des EDF-Ehrenpräsidenten, über die Zukunftsaussichten der französischen Atomindustrie sagt, „die
Atomindustrie ist wahrscheinlich der einzige Wirtschaftsbereich, dessen Zukunft weitgehend von der öffentlichen Meinung
bestimmt wird.“ Es geht also darum, sie zu beruhigen.
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Seit seinem Ursprung zu Beginn der siebziger Jahre, ist diese im Eilschritt unter Staatsägide entwickelte Branche eine
Goldgrube für ein Dutzend privater Industriegruppen. Vom Uranbergbau, seiner Verarbeitung zu reaktorfertigem Brennstoff, den
Bau solcher Reaktoren, deren Wartung, und die nachfolgende Wiederaufarbeitung der „abgebrannten“ Brennstäbe, der Lagerung
des radioaktiven Abfalls, stellt eine ganze Industriekette und einen hoch lukrativen Markt dar. In den Jahren des Aufbaus des
französischen Reaktorparks hat diese Branche die Aktionäre von Framatome, dem späteren Areva, jene von Alsthom und von
Pechiney, um gar nicht erst von den Königen des Betons, Bouygues und Co, zu sprechen. Heute geht es vor allem um den Export,
wo Areva seine Auftragsbücher zu füllen hofft.
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In diesem Sektor, spielt der Staat mehr noch als in allen anderen, eine zentrale Rolle, indem er für die Forschung und die
Investitionen aller unrentablen Bereiche aufkommt, aber Profite und Service nach Verkauf den Privatunternehmen überlässt.
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Weit im Vorfeld hat immer der Staat die Versorgung mit Rohstoffen, in diesem Falle des Urans, garantiert. Als die Uranminen im
französischen Limousin erschöpft waren, hat die Cogema, früher ein Staatsunternehmen, das nun von Areva geschluckt wurde, die
Suche und den Uranabbau in Gabun und Niger in der Hand. So verfügt Areva im Staat Niger über den alleinigen Zugang zum
dortigen Uran, und zwar zu einem Preis, der bei einem Viertel des Weltmarktpreises liegt.
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Dank des Drucks, den der französische Staat auf die Regierung von Niger ausübt, hat Areva eine Erneuerung seiner Uran-
Exklusiv-Verträge um weitere 40 Jahre verlängern können und hat für diesen Zeitraum nur eine Preiserhöhung von 50 %
zugestanden. Ein Nebeneffekt dieses Drucks des französischen Staates ist die Geiselnahme einiger Areva-Beschäftigten. Was die
Arbeitsbedingungen in den Uranminen von Arlit und Imuraren betrifft, so entsprechen sie denen, die in den Edelmetallminen oder
den Ölförderungsanlagen in ganz Afrika herrschen. Ein Bericht der Criad, einer unabhängigen Organisation zur Messung der
Radioaktivität, von 2009 besagt, dass in Arlit das zur Nahrungsmittelwäsche benutzte Wasser dort einen „sehr hohen Grad
an Radioaktivität hat“, da „enorme Mengen radioaktiver Abfälle… sich unter freiem Himmel befinden“ und
dass „der radioaktiv kontaminierte Eisenschrott von der Bevölkerung zum Hausbau benutzt wird“.
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Und es ist wieder der französische Staat, der den reisenden Handelsvertreter für den Verkauf der französischen Kernkraftwerke
in der ganzen Welt von Südafrika bis Finnland, Korea und China spielt. Sarkozy ist es sogar gelungen während Gaddafis Paris -
Aufenthalt 2008, ihm das Projekt eines Kernkraftwerkes zu verkaufen, als ob Libyen ein Problem mit der Energieversorgung hätte.
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Sicherheit kostet einfach zu viel
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Frankreich rühmt sich, zuverlässigere AKWs anzubieten, solche der so genannten dritten Generation, mit einem doppelten
Sicherheits-Containment, und zusätzlich verstärkten Sicherheitssystemen, den EPR (Europäischer Druckwasser-Reaktor). Die
Generaldirektorin von Areva, Anne Lauvergeon, besaß die Geschmacklosigkeit, in den ersten Tagen der Katastrophe zu
erklären:“Wenn es EPR-Reaktoren in Fukushima gegeben hätte, dann wäre, welche Situation auch immer bestehe, keine
Leckage von radioaktivem Material in die Umgebung möglich gewesen“, was zumindest anmaßend ist, da sich noch kein
einziger ERP-Reaktor in Betrieb befindet. Mehrere Kernkraftwerke dieses Typs sind im Bau, insbesondere in Flamanville am
Ärmelkanal und in Olkilutoto in Finnland. Aber das eine wie das andere haben zunehmend Bauverzögerungen. Außer der
Komplexität einer solchen Baustelle haben die nuklearen Sicherheitsbehörden mehrerer Länder verschiedene Mängel in den
ursprünglich geplanten Sicherheitssystemen reklamiert. Die andere Ursache für diese Bau-Verzögerungen liegt darin, dass
verstärkte Sicherheitssysteme auch höhere Baukosten verursachen.
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Gerade das ist das Problem der EPR ist zu teuer. Der Gipfel des Zynismus ist, dass Anne Lauvergeon versucht das ursprüngliche
handicap in einen Vorteil zu transformieren. Der Roussely-Bericht, der das Ziel hat, die Wettbewerbsfähigkeit der
französischen Atomindustrie in Schwung zu bringen, beklagt die Unterschiede im Niveau der Sicherheitsanforderungen der
verschiedenen Länder und den illoyalen Wettbewerb derjenigen Konstrukteure, die es dabei weniger genau nehmen. Vor weniger als
einem Jahr schrieb er, „die einzig vernünftige Logik kann nur das Wachstum der Sicherheitsanforderungen sein“. Dann
schlug er die Schaffung einer Arbeitsgruppe vor, deren Ziel es sein solle, Vorschläge zu erarbeiten, die die
Sicherheitsansprüche besser in Einklang mit den ökonomischen Zwängen bringen, „damit die Atomindustrie eine attraktive
Wettbewerbsfähigkeit für private Investitionen hat.“
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Um die Bevölkerung zu beruhigen haben alle Regierungen immer behauptet, dass die AKWs unter strikter Kontrolle des Staates
blieben, und von einem öffentlichen Betreiber wie EDF mit „einer Kultur der Sicherheit“ betrieben würden. Aber der Status
„öffentlicher Dienst“, wenn er auch manche Entartungen wie bei Tepco begrenzt, hat weder die Versuche die Ausgaben zu
kürzen verhindert, noch die Transparenz verbessert.
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Auch wenn man auch annähme, dass in den ersten Jahren der Kernkraftentwicklung diese „Sicherheitskultur“ existieren
konnte, so hat das systematische Zurückgreifen auf Subunternehmen, die oft sogar Filialen der großen Industriegruppen sind,
sich offen in eine Kultur der Profitmacherei verwandelt. Diese Unternehmen stellen ihre Arbeiten in den AKWs zu „goldenen“
Preisen in Rechnung und üben gleichzeitig Druck auf die Subunternehmen und deren Beschäftigten aus, um die Kosten zu
reduzieren.
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Die Öffnung von EDF für privates Kapital hat dieses schon alte Phänomen beschleunigt. Von nun an muss EDF Profite für seine
Aktionäre abwerfen. Laut der satirischen Zeitschrift Le Canard Enchainé, hat EDF im Jahre 2010 eine Milliarde Euro
Gewinn gemacht, aber zwei Milliarden Euro Dividende an seine Aktionäre ausgeschüttet. Weiter heißt es dort, dass EDF seit
2002 nur 200 Millionen Euro für die Instandhaltung seines AKW-Parks aufwendete, wohingegen ein interner Bericht 1,9 Milliarden
Euro zu investieren für nötig erachtete.
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Wenn die Kernkraft gefährlich ist, dann ist es der Kapitalismus, der dies bewirkt
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Also es ist die Atomenergie in den Händen der Kapitalisten, die sie so gefährlich macht. Da ist sie sogar tödlich. Wir
können zu den Verantwortungslosen, die gegenwärtig die Atomindustrie leiten, überhaupt kein Vertrauen haben, zu den
Aktionären von Tepco genauso wenig wie den von GDF-Suez, E-on, RWE, Areva, EDF und viel anderen. Und wir können ebenfalls kein
Vertrauen zu den Regierungen haben, die dies Branche an sich strikt kontrollieren sollten, tatsächlich aber nur, koste es was
es wolle, die Interessen der Aktionäre verteidigen. Die einen wie die anderen lassen permanent die Atomarbeiter Risiken auf
sich nehmen, und dann die mehr oder weniger dicht benachbarten Bevölkerungen.
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Die Frage des „Ausstiegs“ aus der Atomenergie, in dieser Form gestellt, ist im besten Falle eine Sackgasse, wenn nicht gar
ein Ablenkungsmanöver, wenn man die sozialen und ökonomischen Bedingungen unter denen wir leben, außer Acht lässt.
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Es ist eine Sackgasse, denn die Fukushima–Katastrophe ist eine erneute, tragische Bestätigung für die Gefahren – nicht so
sehr der Atomenergie an sich, sondern der tödlichen Gefahr des Kapitalismus. Das Profitstreben transformiert die Landwirtschaft
und die Viehzucht in Giftmischer, wie es unter anderem die Tiermehl-Skandale und der „Rinderwahnsinn“ zeigten. Die
industrielle Überfischung ist eine katastrophale Flucht nach vorn, die in den Ozeanen viele Tierarten ausrottet, und Millionen
kleiner Fischer ruiniert. Und wer kann garantieren, dass die industrielle Fischzucht… mit Fischmehl, nicht ebenfalls ein neues
Gesundheitsdrama provoziert? Wenn der Kapitalismus die Meere und Ozeane nicht von Lebewesen entleert, dann verseucht er sie. Es
ist die Raffgier der Leiter und Aktionäre von BP, des Spezialunternehmens für Ölbohrungen Haliburton, die mit Billigung der
US-amerikanischen Bundesbehörden, die eigentlich dies Ölbohrungen überwachen und kontrollieren sollen, die die Explosion der
Ölbohrplattform Deepwater Horizon im April 2010 im Golf von Louisiana provozierten. Das Resultat waren elf Tote und das
Ausströmen von 780 Millionen Litern Öl, die drei Monate lang ausliefen und die schlimmste Ölpest der Geschichte verursachten.
Dies alles nur der Profitmacherei wegen.
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In der kapitalistischen Gesellschaft ist die gesamte industrielle Produktion gefährlich: für die Arbeitenden, die sie am
Laufen halten, für die Anwohner, für die Konsumenten, für die Umwelt…
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Lange vor dem Atomzeitalter hat das japanische Chemie-Unternehmen Chisso jahrzehntelang, von 1932 an, Merkur in die Bucht von
Minamata geleitet und damit die Bevölkerung vergiftet, besonders unter den Fischern gab es tausende von Opfern, und die ganze
Bucht wurde in ein „totes Meer“ verwandelt. Die schlimmste Chemie-Katastrophe des 20. Jahrhunderts fand 1984 im indischen
Bhopal statt: die Explosion der amerikanischen Union Carbide Fabrik mit Freisetzung einer tödlichen Gaswolke. Offiziell gab es
dabei 3.500 Tote, doch die sehr viel glaubhafteren Opferorganisationen sprechen von 20.000 bis 25.000 Toten. Der letzte schwere
Industrieunfall in Frankreich die Explosion in der Chemiefabrik AZF in Toulouse forderte 31 Todesopfer und unzählige Verletzte,
das spielte sich nicht in einer Atomanlage ab. Jedes Mal ist oder war es die Sparsamkeit bei den Sicherheitsmaßnahmen und die
Profitsucht, die Störfälle bei der Wartung und die völlige Rücksichtslosigkeit gegenüber der in der Umgebung wohnenden
Bevölkerung, die diese Unfälle erklärt.
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Und… um im Energiebereich zu bleiben, wenn 15 % der auf der ganzen Welt erzeugten Elektrizität durch Atomkraftwerke
produziert werden, 40 % durch Kohlekraftwerke, so tötet die Kohle auch. Das ist weniger spektakulär als ein AKW-Zwischenfall,
aber jedes Jahr sterben laut chinesischen Statistiken, die die Zahl eher verkleinern, mehr als 3.000 Bergleute allein in China.
Laut der internationalen Energieagentur zählt China 600.000 Bergleute, bei denen Lungenerkrankungen als Berufskrankheit
anerkannt sind. Im Laufe des 20.Jahrhunderts hat die Kohle 100.000 amerikanische Bergleute getötet und die von ihr verursachte
Luftverschmutzung kostete jährlich 50.000 – 60.000 Briten wegen Atemwegserkrankungen im Laufe der fünfziger Jahre das Leben
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Und es ist völlig unklar, ob die Marktgesetze nicht erneut der Kohle wieder einen viel bedeutenderen Anteil an der
Elektrizitätsproduktion geben werden. Sie ist heute eine der billigsten Brennstoffe, der nicht nur in China verwendet wird.
Dänemark, Europa-Meister bei der Windenergie hat die Atomenergie verbannt und produziert 60% seiner Elektrizität in
Kohlekraftwerken. Einer der Nebeneffekte der Fukushima-Katastrophe ist in Erwartung der unausweichlich höheren Nachfrage aus
Japan, der sprunghafte und spekulative Anstieg der Börsenkurse für Kohle und Gas.
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Dies zeigt nur: Solange Industrie, Landwirtschaft, Transportwesen, das heißt die gesamte Wirtschaft in Privathänden ist,
bleiben die Menschheit und der Planet bedroht.
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Die Führer der Grüne: bereit, den Kapitalismus zu managen
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Dies zeigt vor allem die Heuchelei der Grünen, die lautstark den Ausstieg aus der Kernenergie fordern und gleichzeitig
bedingungslos das kapitalistische System verteidigen. Wir meinen damit natürlich nicht die Aktivisten, die die Lügen der
AKW-Betreiber entlarven, Informationen über Zwischenfälle und eigene Messungen bekannt machen, wenn radioaktives Material in
die Umwelt gelangt, die Lagerungsbedingungen der radioaktiven Abfälle denunzieren, von denen man immer noch nicht weiß, was
man langfristig damit tun soll. Wir teilen viele ihrer Sorgen, und wir haben uns mit manchen Kämpfen dieser Aktivisten
solidarisiert, und werden das auch in Zukunft tun, wenn zum Beispiel die Bevölkerung den Bau eines AKW oder einer
Wiederaufbereitungsanlage in ihrem Bereich ablehnt, oder die unterirdische Lagerung radioaktiver Abfälle.
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Wir reden von den politischen Führern der Ökologiebewegung, die nach der Macht schielen. Sie stützen sich heute auf die
legitimen Befürchtungen die durch die immer schlimmeren Verwüstungen, die der Kapitalismus für öffentliche Gesundheit oder
die Umwelt verursacht, denn diese werden durch die Riesenhaftigkeit der Industrie und die Vereinigung des Weltmarktes noch
vergrößert. Aber Minister geworden, oder vielleicht eines Tages Regierungschef, verteidigen sie zahm die Interessen der
Industrie und Banken.
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Diese Leute sind für die Ökologiebewegung das, was die Blum [NdÜ: erster „sozialistische“ Premierminister Frankreichs.
Nach dem Generalstreik Juni 1936 „beruhigte“ er mit sozialen und wirtschaftlichen Reformen die Arbeiterklasse und rettete
das Großkapitals vor Enteignung] oder die Mitterand für die Arbeiterbewegung und den Sozialismus bedeutet haben. Sie bedienen
sich der Ökologie wie eines Handelsgeschäftes, um an die Macht zu gelangen.
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Von 1997-2002 war Dominique Voynet Umwelt-Ministerin in der „sozialistischen“ Regierung Jospin, die ganz entschieden die
Interessen der Atomindustrie verteidigte. Diese Regierung schuf durch den Zusammenschluss insbesondere durch den Zusammenschluss
der staatlichen Cogema und der privaten Framatome den privatwirtschaftlichen Areva-Konzern. Es war diese Regierung die das
Projekt des „europäischen Druckwasser-Reaktors“ ERP lancierte. Dominique Voynet hat sich niemals an den französischen
Atomwaffen gestört. Sie forderte ein Referendum über die zivile Kernenergie, hat aber nie ihr Regierungsamt niedergelegt,
auch wenn Premierminister Jospin ihre Forderungen immer wieder ablehnte.
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Ein Referendum haben Mitte März auch verschiedene Organisationen und Parteien in einem „feierlichen Appell“ an die
Regierung gefordert. Aber sich mit einem Referendum zu begnügen, sei es gegen die Privatisierung der Post oder eine
Energiewende, das ist nichts als Schaumschlägerei. Nie wird es genügen, um Elektrizitätserzeugung und -vertrieb, dem Gas, Öl
oder Wasser den Händen der Areva, GDF-Suez oder Veolia zu entreißen. Und selbst wenn Sarkozy sich dazu herablassen würde, ein
Referendum zu genehmigen, und selbst wenn es erfolgreich sein sollte, was würde das ändern?
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Die Grünen in Deutschland haben bei ihrer Beteiligung an der Schroeder-Regierung (1998 – 2005) ein Moratorium beim AKW-Bau
erreicht, und ein Gesetz zum Atomausstieg. Aber 17 auch der ältesten Reaktoren laufen immer noch und in privater Regie in
Deutschland? Weil, die Abrissarbeiten eines AKW (an die man bei ihrem Bau kaum dachte), sehr komplex sind, viel Zeit brauchen,
und vor allem, weil, es nicht leicht ist, diese Energie zu ersetzen.
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Der neue Ministerpräsident Baden Württembergs, Winfried Kretschmann, wird vielleicht für dieses Bundesland den Ausstieg in 10
oder 20 Jahren zusagen, aber Kretschmann, der sich als „konservativer Ökologe“ bezeichnet, als Erfinder des „Realismus in
der Ökologie“, will „Ökonomie und Ökologie versöhnen“. Doch er wird sich in erster Linie in den Dienst jener gerade in
der Stuttgarter Region mächtigen Industriellen der Autoindustrie stellen. Seit Langem schon ist Ökologie zu einer für die
Kapitalisten gewinnbringenden Verpackung geworden. So begeben sich die KFZ-Hersteller in einen weltweiten Wettkampf um das
Elektroauto. Der Generaldirektor von VW erklärte kürzlich: “Um hier Erfolg zu haben muss man unbedingt Weltmarktführer
im ökologischen Bereich sein“. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Produktion des Elektroautos nur mit staatlichen
Subventionen rentabel sein wird, ob es den Elektrizitätsverbrauch vergrößert und ob es das Fördervolumen an Schwermetallen
und seltenen Rohstoffen vergrößert, deren Förderung auch toxisch ist, um die Autobatterien/Akkus zu produzieren.
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Um den globalen Energieverbrauch, und auch der Elektrizität zu senken, wiederholen die Grünen, dass man „die
Energiesparsamkeit und Energieeffizienz verbessern“ muss.
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Die revolutionären Kommunisten als Anhänger der geplanten und rationalen Produktion unter permanenter Kontrolle der
Bevölkerung, haben nicht auf die Grünen gewartet, um dieses Programm zu verfechten. Die Beendung der unglaublichen
Verschwendungen, die mit der kapitalistischen Organisation der Gesellschaft verbunden sind, der Energievergeudung die mit dem
Straßengüter- und Personenverkehr und der „just in time-Produktion“ verbunden sind, den Transport der identischen Waren in
die eine Richtung und gleichzeitig in die Gegenrichtung zu beenden, die Rüstungsproduktion abzuschaffen und die Produktion so
vieler anderer sinnloser Dinge, das ist schon immer das kommunistische Programm gewesen. Aber die Voraussetzung dafür ist, die
Produktionsmittel den Händen der Kapitalisten zu entreißen.
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In einer Klassengesellschaft angewendet, bedeutet der Sparsamkeits-Slogan der Grünen unausweichlich Sparsamkeit für die Armen,
die man durch ununterbrochene Steuererhöhungen zum Konsumverzicht zwingt, und Überfluss für diejenigen, die genügend Geld
haben.
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Die erneuerbaren Energien sind heute - und zweifellos noch für eine geraume Zeit - erheblich teurer als die thermische und
nukleare Elektrizitätserzeugung. Eine Gesellschaftsordnung, die im vollen Bewusstsein (und voller Kenntnis der Details) die
Techniken auswählt, die für ihre Energieversorgungs-Bedürfnisse nötig sind, kann durchaus entscheiden, kollektiv lieber mehr
zu zahlen, um industrielle Gefahren zu vermeiden. Aber auf einem kapitalistischen Markt, der von einigen großen
Energieversorgern beherrscht wird, ist es klar, da immer die Endverbraucher die Rechnung zahlen. Die letzte im Januar
aufgezwungene Strom-Tariferhöhung ist von EDF ausdrücklich mit dem Ankauf von Wind- und Sonnenenergie, gerechtfertigt worden.
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Was die von den Grünen geforderten Subventionen zum Anreiz für Produktion erneuerbarer Energien betrifft, so sind diese in
erster Linie eine Glücksfall für die Hersteller und Installateure dieser Energien, ohne wirklich die Produktionskosten der
Wind- und Sonnenenergie zu senken.
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All dies ist den Führern der Grünen vollkommen klar und oft fordern sie es auch ganz offen. Nicolas Hulot forderte in seinem
„Ökologie-Pakt“ 2006 eine Steuererhöhung für Wasser und Müllabfuhr und die Einführung von KFZ-Vignetten entsprechend
dem Luftverschmutzungsgrad der Autos. Diese Vignetten werden den Besitzern von Geländewagen mit Vierradantrieb problemlos
bezahlt können, aber es trifft jene hart, die nicht über das Geld verfügen, sich neuere Autos zu kaufen. Doch das
interessiert Hulot, Kretschmann usw. nicht, denn die Armen zählen nicht zu ihrer bevorzugten Wählerklientel.
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Wir sprechen uns für keine der verschiedenen Formen der Energieerzeugung für die Zukunft der Menschheit aus. Schlecht
gemeistert können alle Formen eine Gefahr darstellen. Damit sie wirklich und bedingungslos im Dienst der Menschen stehen, ist
es lebensnotwendig, nicht nur die Technologie zu beherrschen, sondern auch die sozialen Bedingungen ihrer Anwendung.
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Dies ist unmöglich in einer Gesellschaft, wo die Entscheidungen ausschließlich oder auch nur vorwiegend von den
Profiterwartungen bestimmt werden.
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Es ist also eine dringende Notwendigkeit, dieser Gesellschaft ein Ende zu bereiten, die mit Verwüstungen und Bedrohungen auf
der Menschheit und dem Planeten lastet, solange die Verantwortungslosen, die die gesamte Gesellschaft beherrschen nicht
entmachtet sind. Die schlimmste aller Bedrohungen ist die die kapitalistische Organisation der Gesellschaft. Nötig ist die
Kontrolle aller Produktionsmittel, jener des Energiesektors wie aller anderen durch profitgierige Privateigentümer zu beenden.
Es ist eine dringende Notwendigkeit an ihre Stelle eine im Weltmaßstab rationell geplante Gesellschaftsordnung unter Kontrolle
einer bewussten und aufgeklärten Bevölkerung zu setzen.
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Offensichtlich wird dies nicht automatisch alle Probleme lösen. Diese Gesellschaft kann nicht mit einem Zauberstab
unerschöpfliche Energieversorgung hervorsprudeln lassen und nicht alle Gefahren beseitigen. Doch die Menschheit wird die
Probleme in bewusster Weise angehen können. Sie wird kollektiv und im Weltmaßstab diskutieren, wie am sinnvollsten die Energie
für alle gesichert ist (ohne sich in eine Energieunabhängigkeit zu zwingen, die auch in erdbebengefährdeten Regionen zum Bau
von Kernkraftwerken zwingt). Sie wird schließlich entscheiden können, indem sie die Gesamtheit aller Parameter der Sicherheit
und der natürlichen Gegebenheiten berücksichtigt.
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Die Kernenergie könnte, wenn man sie wirklich, inklusive der Behandlung der radioaktiven Abfälle beherrscht, sich als
wirksamer (und ökologischer!) erweisen als andere Energieressourcen. Das Feuer verursacht nicht selten furchtbare
Zerstörungen, aber die Beherrschung des Feuers durch den Menschen stellte einen großen Sprung nach vorn für die Menschheit
dar.
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Sei es, dass die Atomenergie durch andere Techniken ersetzt wird, die sie perfektionieren oder neu erfunden werden. Daran wird
es keinen Mangel geben. Lenin sagte in einer sehr verkürzten Formel:“Kommunismus bedeutet Arbeiterräte und
Elektrifizierung.“ Man könnte das paraphrasieren und sagen, “um sicher Energie zu produzieren, müssen erst
Arbeiterräte geschaffen werden.“
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2 April 2011
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