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REDE VON ARLETTE LAGUILLER
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Arbeiterinnen, Arbeiter, Freunde und Genossen,
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viele hier wissen es, aber wir wollen es erneut bekräftigen: Wir sind eine Organisation, die sich auf die kommunistischen Ideen
beruft.
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Das kommunistische Ideal, das Ideal einer Gesellschaft der Gleichheit, ist so alt wie die Klassengesellschaft selber.
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Aber mit der industriellen Revolution und dem Auftreten einer modernen Arbeiterklasse entledigte sich das kommunistische Ideal
seines religiösen Anstriches, um stattdessen als Antwort auf den triumphierenden Kapitalismus zu erscheinen, der einen immer
größer werdenden Anteil der Bevölkerung in die Fabriken und in die Elendshütten der wachsenden Industriestädte trieb.
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Was man den „utopischen Sozialismus“ nannte, verkörperte noch einen Traum. nämlich den einer brüderlichen Gesellschaft
ohne Ausbeutung, die der Vorstellungskraft der ersten Sozialisten entsprungen war. Dieser großzügige Traum nährte sich vom
Elend der Arbeiterklasse. Aber die utopischen Sozialisten erkannten hinter dem Leiden dieser sozialen Klasse leider nicht ihre
Kraft und derer Fähigkeit, die Welt zu verändern.
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Es war Marx, der den sozialistischen und kommunistischen Ideen ein rationales Fundament gab. Seitdem hat diese Strömung in der
Arbeiterbewegung immer existiert. Im Laufe der Geschichte wurde sie in bestimmten Momenten von kleinen Gruppen verkörpert,
manchmal sogar nur von ein paar Einzelpersonen, und zu anderen Zeiten von den großen Parteien, die die Mehrheit der
Arbeiterklasse beeinflussten.
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Diese Strömung hat immer die Auffassung vertreten, dass die Zukunft der Gesellschaft auf der Abschaffung des Privateigentums an
den Produktionsmitteln beruht, auf der Vergesellschaftung der Reichtümer und der Mittel, sie zu erzeugen, damit sich die
Produktion nach dem richtet, was alle brauchen, und nicht vom Profit einer kapitalistischen Minderheit abhängt.
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Marx hinterließ der kommunistischen Strömung eine wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Gesellschaft als eine Etappe
in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft– im Gegensatz zu denen, die behaupten, dass mit dem Kapitalismus die soziale
Organisation seine endgültige Form gefunden hat, mit ihren ewigen oder sogar natürlichen Gesetzen!
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Marx war der Auffassung, dass der Kapitalismus, der eine gewisse Zeit lang ein Fortschritt gewesen war, alt wurde und mit den
Produktivkräften, die er selber geschaffen hatte, völlig überfordert. Und Marx dachte, dass der Kapitalismus selber ein
Hindernis für den Fortschritt der Menschheit geworden war und seinen Platz für eine neue Form der gesellschaftlichen Ordnung
räumen müsste.
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Marx war ebenso der Meinung, dass der Kapitalismus die letzte Form der gesellschaftlichen Ordnung sei, die auf einer Teilung der
Gesellschaft in Klassen mit unterschiedlichen oder entgegengesetzten Interessen beruhe; dass er die letzte Form der der
gesellschaftlichen Ordnung sei, wo eine Minderheit den Großteil des sozialen Reichtums in ihren Händen konzentriert und die
Mehrheit ausbeutet und unterdrückt.
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Was Marx uns auch hinterlassen hat ist die Analyse, dass in der Entwicklung des Kapitalismus selber sich die Gestalt der
künftigen Gesellschaft anzeigt, nämlich eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, in der die Menschheit endlich bewusst ihre
Produktion und ihre sozialen Beziehungen selbst bestimmen kann.
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Aber selbst wenn die kapitalistische Wirtschaft seit Marx unzweifelhaft eine Entwicklung erlebt hat, so berufen wir uns
weiterhin auf den Marxismus, dessen grundlegende Ideen alle ihre Aktualität bis heute behalten haben.
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Die Ideen von Marx haben sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Arbeiterklasse umso natürlicher verbreitet,
als sie derer tiefen Empfindungen entsprachen. Umso natürlicher auch, als es eine wachsende Anzahl von Arbeitern - getrieben
von ihrer Ausbeutung selbst - ihre materiellen Interessen und Würde gemeinsam verteidigten, indem sie alle Arten von
Organisationen, Hilfskassen und Gewerkschaften gründeten. Die bewusstesten unter den Arbeitern waren gänzlich vorbereitet für
die von den Kommunisten verbreitete Idee, dass ihre Klasse Träger einer anderen Zukunft für die Menschheit sei. Um diese Idee
herum gründete sich die Internationaler Arbeiterassoziation, die erste Internationale. Und ein wenig später, als Marx bereits
gestorben war, entstanden und entwickelten sich große Parteien. Man nannte diese Parteien damals sozialdemokratische oder
sozialistische Parteien. Die einflussreichste von ihnen war die deutsche sozialdemokratische Partei (SPD) ab 1870. Rosa
Luxemburg, eine der größten Persönlichkeiten dieser Partei, sagte selber, dass die deutsche Sozialdemokratie im Grunde nicht
nur eine Partei der Arbeiterklasse sei, sondern die Arbeiterklasse selber.
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Leider zeigte sich später, dass dies nicht ganz stimmte und dass die Führung dieser Partei und ihr Apparat - das
größtenteils aus vom Bürgertum beeinflussten Teilen der Arbeiterklasse entstanden war - sich unfähig zeigte, die ihr
zugedachte Rolle zu spielen, als die Welt zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Flammen aufging.
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Statt dem Druck der Bourgeoisien Widerstand zu leisten, die sich in einem blutigen Krieg gegeneinander bekämpften, einem Krieg,
in dem ein jeder versuchte, sein wirtschaftliches Einflussgebiet und den Ausmaß ihrer Plünderungen zu vergrößern, wechselte
die große Mehrheit der sozialdemokratischen Parteien in das Lager ihres eigenen Bürgertums und rechtfertigte den Krieg. Auf
diese Weise raubten sie der Arbeiterklasse jede eigene politische Perspektive und, zusammen mit dem Bürgertum ihres eigenen
Landes, hetzten sie ihre Arbeiter gegen die Klassenbrüder auf der anderen Seite der Grenze.
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Die Sozialdemokratie lieferte Minister für die Kriegskabinette auf beiden Seiten der Front.
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Und als ab 1917 die Arbeiterklasse anfing, sich gegen den Krieg zu erheben, und nicht nur in Russland, sondern auch in
Deutschland und in einer großen Anzahl anderer Länder, da stellte sich die Sozialdemokratie ihnen überall in den Weg und
gegen ihren Kampf.
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In Russland dennoch, war aus den Reihen der Sozialdemokratie auch die bolschewistische Partei hervorgegangen, die die
Kontinuität der revolutionären kommunistischen Bewegung verkörperte gegen die sozialistische Führung, die sie verraten
hatte. Mit dieser Partei besaß die russische Arbeiterklasse eine wirkliche revolutionäre Partei, eine entschlossene,
energische, erfahrene Führung, die bereit war, bis zum Ende zu gehen. Als sich die russische Arbeiterklasse im Februar 1917
sich als erste in den revolutionären Kampf stürzte, bestand die größte Stärke der bolschewistischen Partei darin, dass sie
den Willen von Millionen russischen Arbeitern und Bauern wiederspiegelte. Dank des Zusammentreffens dieser beiden Faktoren,
d.h., der revolutionären Tatkraft der ausgebeuteten Massen und der Entschlossenheit und Kompetenz der revolutionären Führung
durch die bolschewistische Partei, konnte die Arbeiterklasse die Macht ergreifen. Und danach konnte sie mittels ihrer eigenen
Kampforganisationen, sich an der Macht halten und sie ausüben, trotz einer langen Zeit des Bürgerkriegs und den
Militärinterventionen beinah aller großen imperialistischen Mächte, die sich gegen die Revolution verbündet hatten.
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Wir berufen uns auch auf dieses Erbe, das Erbe, dass zu jener Zeit die Anführer der russischen Revolution verkörperten und der
entscheidendste unter ihnen, Lenin.
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Was Lenin damals über die Rolle des bürgerlichen Staates sagte, unabhängig von dessen Form, ob diktatorisch oder mit
demokratischer Fassade, ist heute noch gültig. Ebenso seine Konzeption einer Partei, die die Arbeiterklasse benötig, um sich
zu befreien.
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Einige Jahre nach der russischen Revolution, wurde der Kommunismus, verkörpert durch die zahlenmäßig starken kommunistischen
Parteien, einflussreich in zahlreichen Ländern, darunter auch Frankreich. Und er wurde in Russland durch einen Staat ganze
neuer Art verkörpert, der zum ersten Mal nicht mehr die Interessen einer kleinen Minderheit von Ausbeutern vertrat, sondern die
der ausgebeuteten Mehrheit der Bevölkerung; ein Staat, der als Instrument der Arbeiterklasse, sie bei ihrer Revolution gegen
die Rückkehr des Bürgertums unterstützte. Er wurde auch dazu gebracht, die Verwaltung der Wirtschaft des Landes in die Hand
zu nehmen und fing an, sie auf ganz anderen Grundlagen als die des Kapitalismus zu entwickeln.
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Die revolutionäre Woge, die zwischen 1917 und sagen wir mal 1923 durch einen großen Teil Europas rollte, wurde jedoch
angehalten. Das europäische Bürgertum gewann diese erste große Konfrontation mit der Arbeiterklasse, indem sie von der
entscheidenden Hilfe der Sozialdemokratie profitierte.
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Und die Revolution in Russland blieb isoliert. In diesem armen Land, in dem die Arbeiterklasse nur einen kleinen Teil der
Bevölkerung ausmachte, konnte sie nicht lange überleben, gerade mal rund zehn Jahre.
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Im Inneren dieses von der russischen Arbeiterklasse geschaffenen Staates, entstand und entwickelte sich eine Bürokratie, die
zwar den von der Revolution geschaffenen wirtschaftlichen Ansatzpunkt enthielt - die Verstaatlichung der Produktionsmittel -
jedoch vor allem versuchte, ihre Privilegien zu vergrößern und zu festigen. Sie schaffte dies unter der Leitung eines Führers
aus ihren Reihen: Stalin.
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Die nun an der Macht stehende kommunistische Partei hörte auf, revolutionär zu sein, und wurde stattdessen der Vertreter
dieser Bürokratie. Sie zogen schnell die kommunistischen Parteien anderer Länder in ihr Fahrwasser, die zwar ihr
kommunistisches Etikett beibehielten, jedoch zu gehorsamen Instrumenten der Sowjet-Diplomatie wurden.
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Die wirklich revolutionären Kämpfer der alten bolschewistischen Partei wurden von Stalin geschasst und ab den 30er Jahren
sogar umgebracht. Und Trotzki selber wurde auf Befehl von Stalin 1940 ermordet.
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Dennoch fanden sich im Inneren dieser kommunistischen Strömung wieder die Aktivisten, die sich dem Aufkommen des Stalinismus
entgegenstellten; Aktivisten, die sich um Trotzki herum versammelt hatten und sich den entstehenden bürokratischen Privilegien
und der Entartung der kommunistischen Ideen widersetzten. Und sie taten dies richtigerweise im Namen des Kommunismus.
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Wir, Lutte Ouvrière, berufen uns auf das Erbe von Trotzki, auf seine Analyse der Entartung der sowjetischen Revolution und vor
allem auf jene Menschen, die zusammen mit Trotzki nicht ihre Überzeugungen verloren und weiterhin gekämpft haben und deren
Mehrzahl in den Konzentrationslagern oder unter den Kugeln von Auftragsmördern der stalinistischen Bürokratie gestorben sind.
Ja, wir berufen uns auf dieses Erbe!
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Einige dieser Aktivisten hatten die Revolution von 1917 erlebt, die Ältesten von ihnen sogar die Jahre des Untergrundkampfes
gegen den Zarismus, Gefängnis, Deportation oder Emigration. Andere, die jünger waren, hatten die Jahre des Bürgerkriegs
erlebt und dann den Kampf, dem Bürgertum die wirtschaftliche Macht zu entreißen und es daran zu hindern, sie wieder zurück zu
erlangen. Sie hatten alle sich Seite an Seite wiedergefunden gegenüber der Bürokratisierung, die hinterhältig die
bolschewistische Partei untergrub, die ihr Ideal verfälschte und ihr Ziel, die internationale Revolution, wofür sie eigentlich
geschaffen worden war. Sie alle zusammen, diese tausenden Frauen und Männer, diese in der Linksopposition versammelten
Aktivisten, bedeuteten ein beachtliches Kapital an Erfahrungen.
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Und aus den Trümmern der stalinisierten bolschewistischen Partei entstand mit der Linksopposition eine wirkliche Partei, die
einzige, die in der trotzkistischen Strömung wirklich diesen Namen verdient. Eines der schlimmsten Verbrechen des Stalinismus
war, diese Partei zu zerstören, und zwar auf die einzige Art zu zerstören, wie man eine Gemeinschaft revolutionärer Kämpfer
zerstören kann: in dem man alle seine Aktivisten ermordete.
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Dies ist quasi das erste Mal, dass die Kontinuität der revolutionären kommunistischen Bewegung, zumindest ihre physische,
menschliche Kontinuität unterbrochen wurde. Es gab nun nicht mehr diese direkte Weitergabe von Aktivist zu Aktivist, von
Generation zu Generation, diese lebendige Weitergabe von Erfahrungen, Ideen, vom Engagement, die eine so entscheidende Rolle in
der gesamten Geschichte der Arbeiterbewegung gespielt hat.
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Außerhalb der Sowjetunion wurde die Fahne der kommunistischen Revolution nur durch kleine Gruppen ohne Erfahrung und ohne
politisches Kapital wieder aufgenommen. Und selbst diese kleinen Gruppen ohne Erfahrung mussten den Druck der stalinistischen
Strömung erleiden, die versuchte, sie von der Arbeiterklasse zu isolieren. Sie erlitten Verleumdungen, körperliche Gewalt und,
auch hier, Morde.
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Die trotzkistische Strömung blieb und bleibt weiterhin eine sehr kleine Minderheit selbst in der Arbeiterbewegung, aber sie hat
überlebt.
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Durch alle Wechselfälle der Geschichte hindurch sind wir Kommunisten geblieben, im Gegensatz zu den großen Parteien, deren
Namen noch die Relikte ihrer kommunistischen und sozialistischen Ideale tragen; Ideale, die sie seit langem verlassen haben,
weil ihr politisches Ziel darin besteht, dem Bürgertum in den Regierungen des Bürgertums zu dienen. Also im Gegensatz zu ihnen
haben wir nichts zu widerrufen von dem, was wir vor 20 oder 40 Jahren gesagt, geschrieben oder gemacht haben.
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Und heute, angesichts des Bankrotts des Kapitalismus, wie er sich in der derzeitigen Krise zeigt, bekräftigen wir, dass die
Zukunft dem Kommunismus gehört!
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REDE VON NATHALIE ARTHAUD
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Arbeiterinnen, Arbeiter,
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Ja, ich ich fange mit denselben Worten, wie es Arlette schon immer getan hat, und dies aus denselben Gründen. Wir wenden uns
vor allem an die soziale Klasse, die heute die Wirtschaft am Laufen hält, die ganze Gesellschaft ernährt und am Leben hält
und die deren einzige Hoffnung auf Veränderung in der Zukunft darstellt.
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Während die Krise längst keine Finanzkrise mehr ist, während die industrielle Produktion in den USA wie in Frankreich massiv
zurückgeht, der Welthandel sich verlangsamt und ganze Staaten, auch im östlichen Teil Europas, am Rande des Staatsbankrotts
stehen, sagen uns die politischen Führungen voraus: „Es ist nicht vorbei, das Meiste liegt noch vor uns.“
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Die Krise trifft die gesamte Weltwirtschaft, ohne dass die Herren dieser Wirtschaft in der Lage sind, etwas dagegen zu tun,
ebenso wenig, wie sie gegen Naturkatastrophen, tropischen Stürmen, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen etwas unternehmen können.
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Allein die Tatsache, dass die Gesellschaft ebenso hilf- und machtlos vor Katastrophen steht, die die Folge ihres eigenen
Handelns sind, wie sie vor Naturkatastrophe steht, ist die schlimmste Verurteilung der heutigen kapitalistischen Organisation
der Wirtschaft. Es ist der Bankrott einer wirtschaftlichen Organisation, und es ist der Bankrott der sozialen Klasse, die sie
beherrscht und die von ihr profitiert: dem Bürgertum.
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Diejenigen, die die historische Fähigkeit besitzen, der Herrschaft des Bürgertums über die Gesellschaft ein Ende zu setzen
und der Wirtschaft eine Entwicklung zu ermöglichen ohne Privateigentum an den Produktionsmitteln und ohne Streben nach
persönlichem Profit, ohne Konkurrenz und ohne Krise, das sind die lohnabhängig Arbeitenden.
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Wir wenden uns bevorzugt an diese soziale Klasse, nicht weil sie ausgebeutet wird, sondern weil sie, und sie allein, die
Hoffnung auf eine zukünftige Veränderung der Wirtschaft und der Gesellschaft darstellt. Sie alleine ist der Träger einer
anderen gesellschaftlichen Ordnung als der Kapitalismus.
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Trotz aller Veränderungen, die seit Marx stattgefunden haben, bleibt die Gesellschaft in zwei grundlegende und unvereinbar in
Opposition zueinander stehende Klassen gespalten: das Bürgertum und die Arbeiterklasse. Beide sind Träger einer
unterschiedlichen wirtschaftlichen Organisation, des Kapitalismus für die ersteren, des Kommunismus für die letzteren.
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Die heutige soziale Klasse der Arbeitenden ist bedeutend vielfältiger als zu Marx Zeiten. Der wissenschaftliche und
technologische Fortschritt, die Entwicklung und Diversifizierung der Wirtschaft haben neue Produktionszweige, neue Industrien
hervorgebracht. Aber die Arbeiter am Fließband in der Autoindustrie oder die Kassiererinnen im Supermarkt, die Bauarbeiter oder
die Bahnbeschäftigten, die Ingenieure, Piloten oder Kofferträger, die Bankangestellten oder die Hilfsarbeiter, die Chemiker
oder die Informatiker, sie alle haben gemein, dass sie ausgebeutet werden. Sie erhalten als Gehalt nur einen Teil des Werts, zu
dessen Schaffung sie beitragen - der Großteil dieses Werts vergrößert die Profite der bürgerlichen Klasse.
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Die Krankenschwestern, Lehrer, Postboten, und insgesamt die Lohnabhängigen des Öffentlichen Dienstes sind Teil dieser selben
sozialen Klasse. Auch wenn sie nicht von einem privaten Unternehmer ausgebeutet werden, haben auch sie nur ihren Lohn zum Leben,
und im Gegensatz zu so vielen reichen Parasiten, üben sie eine für die Gesellschaft unverzichtbare Tätigkeit aus.
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In der heutigen kapitalistischen Gesellschaft gehören die Produktionsmittel, die Fabriken, die Bergwerke, die Banken, die
großen Industriebetriebe den Kapitalisten.
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Im Namen dieses Privateigentums eignet sich die kapitalistische Klasse einen bedeutenden Teil der sozialen Arbeit an und
konzentriert sie in ihren Händen, während sie den Lohnabhängigen nur das notwendige Minimum zum leben lässt.
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Diese Klasse, die zahlenmäßig in der Minderheit ist, beherrscht die Wirtschaft, und auf diesem Weg das soziale und politische
Leben. Ihre Sicht von der Welt wird durch das Fernsehen, das Radio, die Presse, die großen Informationsmedien verbreitet, die
in der Regel ihnen gehören. Und es ist ihre Weltanschauung, die sogar in der Schule gelehrt wird.
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Der Kapitalismus ist eine Bremse für die Entwicklung der Menschheit geworden
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Die kapitalistische Wirtschaft ist eine Wirtschaft, die ständig die sozialen Ungleichheiten wieder hervorbringt und sie
verschärft, indem sie die Reichtümer an einem Ende konzentriert und die Armut am anderen Ende hervorruft. Es ist eine
Wirtschaft, die abhängig vom Markt produziert, das heißt ausschließlich nach der kaufkräftigen Nachfrage. Sie produziert nur
für die, die zahlen können. Es ist außerdem eine Wirtschaft, deren Funktionsweise chaotisch, unvernünftig, unvorhersehbar
ist, denn jeder Kapitalist entscheidet allein nach seinen eigenen Interessen, was er herstellt und wie, ohne dass irgendjemand
die gesamte Produktion organisiert und koordiniert.
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Das Bürgertum und die kapitalistische Wirtschaftsordnung, deren Träger es ist, haben eine lange Geschichte. Die
kapitalistische Wirtschaft hat sich zunächst in einigen Ländern Westeuropas durchgesetzt, in England natürlich, aber auch in
Frankreich, den Niederlanden oder Deutschland.
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Die Herrschaft des Bürgertums war von Anfang an auf „der offenen, schamlosen, direkten und brutalen Ausbeutung“ begründet.
Seine Geschichte ist von Beginn an eine Fortsetzung von Plünderungen, Kriegen, Verbrechen, vom Sklavenhandel bis zur Arbeit von
5-6jährigen Kindern in den Textilfabriken der industriellen Revolution, vom Massenmord ganzer Völker bis zur Eroberung der
Kolonien.
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Und trotz alledem war der Kapitalismus am Anfang ein großartiger Fortschritt für die Menschheit. Um den Ausspruch von Marx im
Kommunistischen Manifest wieder aufzunehmen: „Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle
gespielt.“ Und er führte aus: „Erst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie
hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat
ganz andere Züge ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.“
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Heute ist dies nicht mehr der Fall. Der Kapitalismus ist nicht mehr der Faktor der Fortschritts, der er zu Beginn war, als er
der jahrhundertelangen Stagnation der vorherigen Produktionsweisen ein Ende setzte, als er die Produktivkräfte der Menschheit
befreite, als er die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten explosionsartig anwachsen ließ. Heute ist der
Kapitalismus ein Krebsgeschwür geworden am sozialen Körper und eine Bremse für die Verbesserung des Lebensstandards.
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Seit mindestens anderthalb Jahrhunderten, schafft der Kapitalismus, der zur Eroberung der Welt aufgebrochen war, die alten
Formen der Unterdrückung nicht mehr ab – nicht einmal die archaischsten. Er hat sich mit den Kasten in Indien arrangiert, mit
den ethnischen Gegensätzen und sogar mit der Sklaverei in Afrika, und ist mit zahllosen Varianten der Unterdrückung,
insbesondere der Unterdrückung der Frauen, überall auf der Welt unterwegs.
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Viele arme Länder wurden so an die kapitalistische Weltwirtschaft angepasst, zusammen mit den Überresten älterer
Unterdrückungssysteme, um deren Beseitigung sich der Kapitalismus nicht einmal die Mühe gab, wenn er sie nicht sogar wieder
ins Leben gerufen oder zumindest gefestigt hat.
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Und zu alledem hat er noch die Lohnsklaverei und das Gesetz des Profits dazugetan, die heute alle anderen Formen von Ausbeutung
und Unterdrückung beherrscht und bedingen.
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Seit ungefähr anderthalb Jahrhunderten ist die gesamte Welt kapitalistisch geworden. Heute gibt es keine Region mehr auf der
Erde, wo das Leben der Menschen nicht vollständig von der kapitalistischen Wirtschaft abhängig ist, direkt oder indirekt. Der
Kapitalismus ist ein Weltsystem. Die USA, Frankreich, die großen Industrieländer sind kapitalistisch. Aber auch Brasilien und
Indien sind kapitalistische Länder, und ebenso Haiti, Mali oder Zimbabwe.
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Die armen Länder sind nicht einfach rückständig im Vergleich zu den reichen Ländern. Der Reichtum der großen
imperialistischen Länder, wie der Vereinigten Staaten oder Frankreichs, und das Elend und wirtschaftliche Rückständigkeit der
armen Mehrheit des Planeten sind beide Ausdruck einer gleichen Integration in dieselbe Weltwirtschaft, die ständig die
Abhängigkeit der unterentwickelten Ländern gegenüber den imperialistischen Ländern vertieft, konsolidiert und verschlimmert.
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Selbst in Zeiten des Wachstums bedeutet der Kapitalismus eine ungeheure Verschwendung für die Gesellschaft. Selbst in Zeiten
des Aufschwungs bevorzugt er die Herstellung von unnützen Gütern gegenüber den grundlegenden Nachfragen. Denn der
Kapitalismus interessiert sich nicht für die Bedürfnisse derer, die keine Kaufkraft besitzen. Der Kapitalismus bevorzugt sogar
die Produktion von schädlichen Gütern, wie z. B. der Waffen- und Drogenhandel, die bereits seit Jahren an der Spitze des
Welthandels stehen.
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Selbst in Zeiten des Wachstums und selbst in den imperialistischen Ländern, wo die Wirtschaft ihre größten Reichtümer
konzentriert, verdammt der Kapitalismus einen Teil der Bevölkerung zu geistigem und materiellem Elend, zum Rückschritt, zum
Hausen in Schlafstätten, wenn nicht sogar in Bruchbuden, zu Drogen und Kriminalität.
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Selbst in Zeiten des Aufschwungs vergrößert der Kapitalismus den Abstand zwischen den Reichsten und den Ärmsten der
Gesellschaft, und gleichzeitig auch den Abstand zwischen den reichen und den armen Ländern.
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Die größte Vergeudung, zu der die kapitalistische Wirtschaftsordnung führt, eine menschlich nicht hinnehmbare und
wirtschaftlich zerstörerische Vergeudung, ist die Vergeudung von menschlicher Arbeit.
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In den am weitesten entwickelten kapitalistischen Ländern, in Nordamerika oder Westeuropa, werden mehrere Millionen Menschen
von der Produktion ferngehalten. Dabei ist auf deren Boden die erdrückende Mehrheit der Fabriken, Maschinen, Produktionsmittel
konzentriert, ganz zu schweigen von dem kulturellen Niveau, der technischen und wissenschaftlichen Forschung.
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Die Arbeitslosigkeit ist – wenn man darüber nachdenkt – eine wirkliche geistige Entartung. Auf der einen Seite gibt es
produktionsfähige Menschen und materielle Infrastrukturen, dies effizient zu tun und auf der anderen Seite gibt es
Bedürfnisse, die befriedigt werden müssten. Aber zwischen die Produktionsmöglichkeiten der Gesellschaft und derer
Bedürfnisse stellt sich das Gesetz des Profits.
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Der Kapitalismus setzt sein produktives Kapital nur in Gang und stellt nur dann Arbeitslose ein, wenn das ihm Profit einbringt.
Und zwar ein ausreichend hoher Profit, damit der industrielle Kapitalist davon seinen Zehnt an die Vielzahl seiner Artgenossen
zahlen kann, ohne die die Betriebe nicht laufen würden: Bänker, Händler, Versicherer, Werbeleute und viele andere.
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Die Kapitalisten haben das Monopol auf die Produktionsmittel und sind als einzige dazu berechtigt, die Produktion in Gang zu
setzen. Genau dieses Monopol muss gebrochen werden, denn ein Arbeitsloser, der wieder Arbeit findet, schafft dadurch den Wert,
der auf der einen Seite seinen Lohn sichert und gleichzeitig die soziale Produktion erhöht.
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Die kapitalistische Entwicklung ist außerdem der Grund für die immense Vergeudung menschlicher Arbeit, die durch die
Unterentwicklung entsteht. Es geht dabei nicht nur darum, dass die Arbeitslosigkeit in den armen Ländern in der Regel noch viel
höher ist als in den reichen Ländern. Schlimmer noch ist die Tatsache, dass dort die große Mehrheit der Arbeitenden keinen
Zugang zu den Produktionsmitteln hat, die die Arbeitseffizienz vervielfältigen, wie es die Produktionskapazitäten der heutigen
Zeit ermöglichen würden.
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Wie viele Bauern der armen Länder arbeiten von morgens bis abends mit einer Rentabilität, die 10, 100 Mal geringer ist als die
ihrer Arbeitsgenossen in den entwickelten Ländern? Der afrikanische Bauer, der die Erde mit einer Daba, einer Art kleiner Hacke
bearbeitet, ist kein Arbeitsloser. Aber die einfache Tatsache, dass er keinen Zugang zu einem Traktor oder zu einer Wasserpumpe
hat, die ein Mindestmaß an Bewässerung ermöglichen würde, führt dazu, dass ein ganzer Teil seiner Arbeit in Rauch aufgeht,
für ihn selber und für die Gesellschaft.
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Wie viel verschwendete menschliche Kraftanstrengungen auch, wenn mangels Kanalisation die Wasserversorgung auf den Rücken der
Männer oder die Köpfe der Frauen stattfindet, nicht nur in den Dörfern, sondern auch den ärmeren Vierteln der großen
Städte!
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Wie viel Vergeudung auch durch die Umwandlung der lokalen Landwirtschaft! Durch Gewalt und die Stärke der Kolonialmacht in der
Vergangenheit, und heute durch wirtschaftlichen Druck wird einen großen Teil der armen Länder dazu gezwungen, die
Anpflanzungen von Lebensmitteln für die eigene Bevölkerung aufzugeben, um stattdessen Landwirtschaft für den Markt der
imperialistischen Länder zu betreiben.
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Man hat dem Senegal die ausschließliche Anpflanzung von Erdnüssen aufgedrängt, um die Bauern zu zwingen, für Lesieur
(Pflanzenöl) zu produzieren. Man hat dem Tschad die Baumwollpflanzungen aufgezwungen, die dann in Frankreich weiterverarbeitet
wurde, zum größten Profit der mächtigen Textilbosse wie Boussac, der zu jener Zeit einer der reichsten Männer des Landes
war.
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Man hat auf diese Weise die kleinen Bauern im Süden des Tschads, die die Baumwolle pflanzten, und die Arbeiterinnen der
Textilwerke der Vogesen in einen gemeinsamen Produktionsprozess eingegliedert. Die einen wie die anderen hingen vom selben
kapitalistischen Unternehmen ab, vom Herrn Boussac.
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Auf die gleiche Weise benötigt die Herstellung aller dieser Kosmetika - die teuer verkauft werden an Frauen, die man zu
überzeugen sucht, dass „sie es wert sind“ – die Arbeit und die Anstrengungen der Arbeiterinnen der Kosmetikfabriken von
L’Oréal, aber auch die Arbeit und die Anstrengung der sich abrackernden Landarbeiter der Palmen-Plantagen in den dafür
gerodeten Urwälder der Elfenbeinküste.
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Von der Konkurrenz zu den Monopolen
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Die Konkurrenz, die die wichtigste Triebfeder des kapitalistischen Fortschritts war, hat letztlich zu ihrem Gegenteil geführt,
zur Konzentration und zur Zentralisation des kapitalistischen Prozesses. Der Kapitalismus ist der Imperialismus geworden. Um
einen Ausspruch von Trotzki wieder aufzunehmen, „aus der Konkurrenz (...) die die schaffende Triebfeder des Kapitalismus
und seine historische Berechtigung ist, geht unausweichlich das schlechte, parasitäre und reaktionäre Monopol hervor“.
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Es sind diese Monopole, die Totals, Exxons, Nestlés, Monsantos, die Finanz- und Industriekonzerne, die heute die Weltwirtschaft
beherrschen. In regelmäßigen Abständen behaupten die Gegner der kommunistischen Ideen, dass diese Konzentration des Kapitals
eine Regulierung der Funktionsweise des Kapitalismus und das Verschwinden der Krisen ermögliche.
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Die heutige Situation widerlegt diese Behauptung. Sogar nach den Worten der führenden Köpfe der kapitalistischen Welt selber,
ist die heutige Krise eine der schlimmsten, die die kapitalistische Wirtschaft seit der großen Krise nach dem Zusammenbruch der
New Yorker Börse 1929, erlebt hat.
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Und dieser Zusammenbruch von 1929 war nur der Anfang, nicht das Ende der schweren Wirtschaftskrise, die eine soziale Krise mit
sich brachte, die alle Klassen erschüttern ließ, mit ihren Armeen an Arbeitslosen, ihren ruinierten Bauern und Handwerkern.
Die soziale Krise hat wiederum schwere politische Krisen hervorgerufen, die Nazis gelangten in Deutschland an die Macht,
autoritäre Regime installierten sich in mehreren Ländern Europas bis schließlich der Krieg kam.
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Schon zu dieser Zeit konnte der Kapitalismus nur durch den Eingriff des Staates gerettet werden. Deutschland unter Hitler und
ebenso die USA unter dem demokratischen Präsidenten Roosevelt haben massiv eingegriffen, um den bankrotten Kapitalismus zu
retten, bevor alle anderen imperialistischen Staaten mit dem Krieg das gleiche getan haben.
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Durch diese Vergangenheit belehrt, haben die reaktionärsten politischen Führer des Bürgertums, von Bush bis Sarkozy,
plötzlich angefangen, die Tugenden staatlichen Eingreifens an zu preisen. Zwar hat der Zufall der Wahltermine dazu geführt,
dass in den USA, z.B., der neue demokratische Präsident sich nun darauf vorbereitet die größte Bank der Welt, die Citigroup,
zu verstaatlichen Doch es waren schon Bush und seine ultra-konservative und ultra-liberale Mannschaft, die angefangen hatten,
die Staatskassen zu plündern, um den Banken und großen Finanzinstituten zur Hilfe zu eilen.
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Schon vor der Krise konnte diese kapitalistische Wirtschaft, obschon getragen durch die Idee des „jedem für sich alleine“,
nicht ohne eine große Dosis staatlicher Unterstützung funktionieren. Um den allgemeinen Interessen des Bürgertums gerechter
zu werden, ist der Staat gezwungen, in gewissem Maße der Logik des individuellen Profits und seiner Zwänge zu widersprechen.
Ohne den Staat gäbe es keine Erziehung, keine Straßen, keine Eisenbahnen, kein Stromnetz, keine Landschaftsplanung und
Städtebau, und der Kapitalismus könnte nicht existieren.
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In der heutigen Finanzkrise werden die Verluste der Banken verstaatlicht, während die Profite privat bleiben. Die Arbeitenden,
die durch die Verstiegenheit des Systems aus der Produktion ausgeschlossen werden, werden von den Sprechern des Bürgertums als
Schmarotzer, als Hilfeempfänger beschimpft. Doch es ist der Kapitalismus selber, der nicht überleben könnte ohne die Hilfe
des Staates.
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Auf die gleiche Art, wie sich der französische Adel in den letzten Jahrzehnte seines Bestehens am Hof von Versailles
zusammendrängte, um dort vom König unterhalten zu werden, drängt sich heute das Bürgertum um den Staat, um von ihm
ausgehalten zu werden.
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Die Tatsache, dass der Staat eine fundamentale Rolle in der Funktionsweise des Kapitalismus spielt, dass er regelmäßig
gezwungen ist, einzugreifen, um dieses Wirtschaftssystem zu retten, macht vor allem den parasitären, wucherischen, schädlichen
Charakter des heutigen Kapitalismus deutlich. Aber sie zeigt auch die grundlegende Tendenz der Wirtschaft an, dass sie nicht
mehr im Rahmen des Privateigentums funktionieren kann.
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Indem der Markt an den Staat appelliert, erweist er auf gewisse Weise der Zentralisation und Planung die Ehre. Es ist die Ehre,
die das Laster der Tugend erweist!
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Es ist das Eingeständnis, dass selbst unter dem Kapitalismus die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit einer Koordination bedarf, um
zu funktionieren. Die Notwendigkeit einer vernünftigen Planung tritt aus allen Poren der Wirtschaft hervor, die dennoch
weiterhin unter privatem Kommando arbeitet, um privaten Profit zu produzieren. Das Bürgertum ist nicht mehr in der Lage, die
modernen Produktivkräfte effizient zu verwalten. Die Schuld daran, liegt nicht an der Unfähigkeit der Menschen, sondern an der
Unfähigkeit eines ganzen Wirtschaftssystems, das nun aus dem letzten Loch pfeift.
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In der staatlichen Einmischung und der Verstaatlichung zugunsten des Bürgertums sind auf entstellte, groteske Weise die
Grundlagen unseres kommunistischen Programms vorhanden. Denn im Grunde wird die erste Phase des Wegs zum Kommunismus darin
bestehen, dass alle große Betriebe, alle Banken von der Arbeiterklasse enteignet werden und zu öffentlichen Diensten werden,
mit dem Ziel, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen.
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Die vergesellschaftete Produktion erstickt in dem Korsett des Privateigentums und des Nationalstaates
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Eine der grundlegenden Beiträge von Marx zu den sozialistischen Ideen bestand darin, all das zu verstehen, was bereits sich im
Inneren der kapitalistischen Wirtschaft für die kommunistische Zukunft der Gesellschaft ankündigte.
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Nicht die Kommunisten, sondern der Kapitalismus selber hat dazu geführt, dass die moderne Produktion die Koordination von
tausenden und aber tausenden Menschen verlangt.
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Es ist der Kapitalismus, der dafür gesorgt hat, dass die Produktion de facto vergesellschaftet, kollektiviert ist, und zwar
seit langem. Zu unserer Zeit ist sie dies in einem noch viel weiterem Umfang. Sie ist es im Weltmaßstab. Aber diese
vergesellschaftete Arbeit bleibt den Privatinteressen unterworfen, und dies ist eine der schwerwiegendsten Widersprüche unserer
Zeit.
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Ein weiterer Widerspruch stellt den internationalen Charakter der kapitalistischen Produktion und die nationalen Grenzen
gegeneinander. Zu Beginn hat sich der Kapitalismus in Großbritannien und in Frankreich in einem nationalen Rahmen entwickelt,
unter dem Schutz des Staates. Aber auch hier war es die kapitalistische Entwicklung selber, die die wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den verschiedenen Ländern Europas gewoben hat und weit darüber hinaus, so weit, dass die Wirtschaft in den
überholten nationalen Grenzen zu ersticken drohte.
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Und auch wenn es den reaktionärsten nationalistischen Strömungen missfällt: die gegenseitigen Beziehungen der Abhängigkeit
sind so groß, dass ein Rückzug der größten europäischen kapitalistischen Mächte in sich selber ein katastrophaler
Rückschritt wären, ein Sturz in die Barbarei.
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Genau diese reichsten Länder Westeuropas haben den Gemeinsamen Markt, dann die Europäische Union ins Leben gerufen – so
deutlich zeigte sich dem europäischen Bürgertum die Notwendigkeit, die nationalen Grenzen zu umgehen oder gar zu überwinden.
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Aber das Bürgertum war dennoch nicht in der Lage, die in ihrem Dienste stehenden Nationalstaaten abzuschaffen. Und die
wachsenden Spannungen zwischen den Staaten der Europäischen Union zeigen, wie weit die verschiedenen Bürgertumsgruppen Europas
sich mit dem Problem der Quadratur des Kreises konfrontiert sehen. Alles in der wirtschaftlichen Entwicklung drängt zur
vollständigen Vereinigung des europäischen Kontinents, während gleichzeitig das kapitalistische Bürgertum diese Union nicht
vollständig realisieren will und kann.
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Auf diesem Gebiet wie auf vielen anderen Gebieten ist der Kapitalismus unfähig, bis zum Ende der Entwicklungen zu gehen, die
doch durch seine eigene Wirtschaft in Gang gesetzt wurden.
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Mit der heutigen Krise trauen sich die borniertesten Lobhudler des Kapitalismus selber nicht, den reellen Kapitalismus wie vor
20 Jahren so darzustellen, wie zur Zeit des Auseinanderbrechens der Sowjetunion, als sie das Ende der „kommunistischen
Utopie“ verkündeten. Im Gegenteil, zu glauben, dass der Kapitalismus sich ohne Erschütterung, ohne Risse, ohne Krisen
entwickeln könnte, das ist eine Utopie!
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Die Bilanz der sowjetischen Wirtschaft
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In dieser Zeit der schweren Krise reden selbst die Führungen der kapitalistischen Welt regelmäßig von einem Mangel an
Regulierung, einer Moralisierung und dem Staatseingriff.
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Dies hindert sie nicht daran, aufs heftigste die verstaatliche Wirtschaft der ehemaligen Sowjetunion anzugreifen.
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Das Bürgertum, seine Wirtschaftsexperten, seine Politiker und Journalisten stellen das Auseinanderfallen der Sowjetunion nicht
als den Zusammenbruch eines politischen Regimes dar, sondern als den Zusammenbruch eines Wirtschaftssystems. Und mehr noch, als
die Niederlage der kommunistischen Ideen, als Beweis, dass es sinnlos sei zu versuchen, die Wirtschaft auf einer anderen Basis
als dem Kapitalismus, dem Privateigentum an den Produktionsmitteln und der Profitgier zu organisieren. Dies ist eine platte
Lüge!
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Der Zusammenbruch der Sowjetunion wurde durch eine politische und soziale Konterrevolution hervorgerufen, und nicht durch die
Niederlage der Planwirtschaft. Der Kapitalismus hat nicht seine Überlegenheit über die Wirtschaft bewiesen, die durch die
Arbeiterrevolution von 1917 errichtet worden war. Er hat nur die herrschende privilegierte Schicht der sowjetischen Gesellschaft
aufgesaugt und eingenommen.
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Reden wir also von der Bilanz der sowjetischen Wirtschaft!
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Die politische Strömung, auf die wir uns berufen, die trotzkistische Strömung, ist aus dem Kampf gegen die Bürokratisierung
der Sowjetunion und gegen den Stalinismus entstanden. Im Gegensatz zur Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) haben wir
niemals die Sowjetunion Stalins, Chruschtschows oder Breschnews als kommunistische Gesellschaft dargestellt. Wir haben immer
gesagt, dass eine Gesellschaft, die von einer Bürokratie beherrscht wird, die sich mittels der Diktatur durchsetzt und als
Parasit von der Wirtschaft überlebt, keine kommunistische Gesellschaft sein konnte.
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Auf der anderen Seite aber stehen wir gänzlich hinter der Bilanz der sowjetischen Wirtschaft, trotz der Grenzen, die ihr die
Bürokratie auferlegt hat.
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Die Sowjetunion war das erste Land, in welchem die Arbeiterklasse, nachdem sie die politische Macht übernommen und vollständig
das feudale und das bürgerliche Eigentum abgeschafft hat, die Produktionsmittel verstaatlicht hat.
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Die Anführer der Revolution hatten damals nicht die Absicht, eine kommunistische Gesellschaft innerhalb der Grenzen eines
einzigen Landes aufzubauen. Sie wussten, dass dies unmöglich war, denn es ist eben die internationale Arbeitsteilung, die
„Globalisierung“, um die heutige Sprache zu verwenden, die das für die sozialistische Organisation der Wirtschaft
unverzichtbare hohe Entwicklungsniveau der Produktivkräfte ermöglichte.
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Aber als sie nach dem Abflauen der revolutionären Woge - insbesondere in Deutschland, einem entwickelten Industrieland -
isoliert blieben, musste die Führung der Sowjetunion die Wirtschaft in Gang bringen und sie auf einer ganz anderen Grundlage
als der kapitalistischen Wirtschaft entwickeln, ohne Bürgertum, ohne Privateigentum an den Produktionsmitteln, ohne Markt, ohne
Konkurrenz und ohne Profitjagd. Sie mussten dies unter besonders schwierigen Bedingungen tun, denn es handelte sich zwar um ein
sehr großes Land mit einer Vielzahl an natürlichen Ressourcen, aber auch ein sehr armes, unterentwickeltes Land, sowohl auf
materiellem wie auf kulturellem Gebiet.
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Außerdem erlebte die Revolution einen anderen Lauf als den, den die wirklichen Kommunisten sich erhofft hatten. Denn, um mit
Trotzkis Worten zu sprechen, weil die Revolution isoliert blieb, „erlebte der Arbeiterstaat eine vollständige Entartung,
verwandelte sich aus einem Instrument der Arbeiterklasse zu einem Instrument bürokratischer Gewalt gegen die Arbeiterklasse,
und mehr und mehr, zu einem Instrument der Wirtschaftssabotage.“
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Trotz der Sabotage seitens der Bürokratie, und im Gegensatz zu den seitdem immer wiederholten Lügen, von den Schulbüchern bis
zu den größten Medien, hat sich die verstaatliche Wirtschaft als wesentlich überlegen erwiesen gegenüber der auf dem
Privateigentum, dem Markt und der Konkurrenz basierenden Wirtschaft.
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„Die Konzentration des Eigentums an den Produktionsmitteln in den Händen des Staates und die Umsetzung eines einheitlichen
Plans, gestützt auf die immensen natürlichen Ressourcen, ermöglichten einen spektakulären Aufstieg der Industrialisierung
des Landes, des Wachstums der Städte, der Schaffung neuer Städte...“ (Trotzki).
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Dieses revolutionäre Russland, zu Beginn rückständig und durch die Kriege und die Wirren der Revolution zerstört und
ermattet, brauchte 10 Jahre, um erneut das Wirtschaftsniveau zu erreichen, auf dem es kurz vor dem Krieg, 1913, gestanden hatte.
Dies war bereits eine große Leistung, denn Russland schaffte dies trotz der Militärinterventionen der kapitalistischen Mächte
und der daraus folgenden Wirtschaftsblockaden.
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Zwischen 1926 und 1938, also in 12 Jahren, verachtfachte sich dann die industrielle Produktion Sowjetrusslands, während zur
gleichen Zeit die kapitalistische Wirtschaft durch die Krise zusammenbrach, einschließlich ihrer amerikanischen und deutschen
Festungen. 1935 wurde sie der drittgrößte Stromerzeuger der Welt, hinter den USA und Deutschland, obwohl das Land vor der
Revolution noch quasi gar keine Stromversorgung hatte.
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Diese Zeit des Wachstums ohne Gleichen wurde nur kurzzeitig durch den Zweiten Weltkrieg und die Invasion der Nazitruppen
unterbrochen, aber niemals ganz gestoppt. Während des Krieges war die Sowjetunion in der Lage, eine der größten europäischen
kapitalistischen Mächte, Deutschland, zu widerstehen und letztendlich zu besiegen. Dies war nicht nur eine Frage des Mutes und
der Motivation, was sicherlich sehr viel zählt. Doch der Krieg war auch eine wirtschaftliche Konfrontation.
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Wie viele Panzer, wie viele Kanonen konnte die Wirtschaft der beiden kriegsführenden Länder produzieren, und damit wie viele
Tonnen Stahl? Und trotz der Blindheit Stalins, der sich von dem Angriff Hitlers hatte überraschen lassen, trotz der
Desorganisation der Sowjetarmee, die infolge politischer Prozesse ohne Führung dastand, ging die Sowjetunion und ihre
Wirtschaft, ebenso wie ihre Armee, als Sieger aus dieser Konfrontation hervor.
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Und der vollständige Wert dieser Leistung wird erst deutlich, wenn man sich die Bedingungen vor Augen hält unter denen sie
vollbracht wurde. Die wichtigsten Industrien befanden sich konzentriert im westlichen Teil der Sowjetunion, eben in jenem Teil,
der schnell durch die deutschen Truppen erobert wurde. Man musste also innerhalb von wenigen Monaten mit mehr als 2.600 Fabriken
und 10 Millionen Arbeiter hinter den Ural ziehen. Man musste mehr als 10.000 km neue Schienen bauen, und dies alles im Winter!
Eine Operation ohne Gleichen in der Industriegeschichte, die nicht möglich oder auch nur vorstellbar gewesen wäre ohne die
verstaatlichte Wirtschaft.
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Dies ermöglichte der sowjetischen Kriegsindustrie, in wenigen Monaten die deutsche Kriegsindustrie nicht nur auf- aber sogar zu
überholen, und zweimal mehr Panzer und Flugzeuge und dreimal mehr Kanonen zu bauen!
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Wenn die Schlacht von Stalingrad als der Wendepunkt des Krieges in die Geschichte einging, so waren die materiellen Bedingungen
dieser Wendung hinter dem Ural, in hunderten Fabriken der Staatsindustrie vorbereitet worden.
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Und als der Krieg vorbei war, ging die industrielle Entwicklung Sowjetrusslands in einer aufsteigenden Kurve weiter, so sehr,
dass aus einem anfänglich unterentwickelten Land, vergleichbar mit Indien oder Brasilien, in den 1960er Jahren eine
Industriemacht wurde, die in der Lage war, sich beim Wettlauf im All mit der größten imperialistischen Macht der Welt, den
USA, zu messen. Und dabei noch rund 10 Jahre lang die Nase vorn zu haben!
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Die globale Produktion blieb sicher weit hinter der der USA zurück. Aber während die Sowjetproduktion 1937 nur 28% der
amerikanischen Produktion ausmachte, so betrug sie 1972 schon bereits die Hälfte.
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Dies alles geschah unter einer Diktatur. Aber im Gegensatz zu dem, was viele ebenso dumme wie böswillige Kommentatoren
erzählen, war es nicht die Diktatur, die diese unglaublichen Fortschritte ermöglichte. Sonst hätte man von Mobutu bis
Duvalier, von Bongo bis zu den Militärdiktaturen Argentiniens und Brasiliens eine Vielzahl von Ländern erleben müssen, die
eine ähnliche Entwicklung vorzuweisen hätten.
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Nein, die Diktatur der Bürokratie war eine Behinderung für die Planwirtschaft, und nicht ein Vorteil. Es war gleichwohl eine
Behinderung, dass ein wachsender Teil des dank der Planwirtschaft geschaffenen Reichtums zum persönlichen Nutzen ihrer
Bürokratie- Kaste veruntreut wurde.
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Die Wirtschaftsplanung benötigt die politische Demokratie
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Damit sie ihre Möglichkeiten wirklich gut nutzen kann, braucht die Planwirtschaft die Demokratie. Die Bevölkerung muss ihren
Forderungen Ausdruck verleihen können. Die Bedürfnisse müssen bestimmt und gewertet werden, ebenso ihre Veränderung im Laufe
der Entwicklung, und die Produktion gemäß dieser Entwicklung korrigiert werden. Die Nutznießer und die Verbraucher müssen
auch im Nachhinein die Fehler des laufenden Plans und die Qualität der Produkte kritisieren können.
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Nicht umsonst setzt Trotzki im Übergangsprogramm der Revolution in der bürokratisierten Sowjetunion folgendes Programm:
„Reorganisation der Planwirtschaft von oben bis unten gemäß dem Interesse der Produzenten und Konsumenten! Die
Fabrikkomitees müssen die Kontrolle der Produktion wieder übernehmen. Die demokratisch organisierten Konsumgenossenschaften
müssen die Qualität der Erzeugnisse und ihr Preise kontrollieren.“
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Ein wesentlicher Grund, warum die Bürokratie keine demokratische Kontrolle der Bevölkerung über die Produktion akzeptieren
konnte, war, dass sie ihre eigenen Unterschlagungen verschleiern wollten. Die Führung der Sowjetunion, die die höheren
Schichten der Bürokratie vertrat, konnte umso achtloser gegenüber dem Konsumbedürfnis der Volksmasse sein, als sie die
Befriedigung ihrer eigenen, einschließlich der Luxusartikeln, mit Hilfe eines Netzes von Spezialgeschäften, die durch Importe
gedeckt wurden, abgesicherten.
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Aber diese Methoden waren keine notwendigen Eigenschaften der Planwirtschaft. Und diese unverschämten Betrügereien der
Bürokratie, was sind sie denn im Vergleich zu dem offen zur Schau gestellten Raub, den extravagantesten Luxusausgaben und dem
Lebensstil der Milliardäre des Bürgertums? Und so schmerzhaft auch die bürokratische Misswirtschaft für die sowjetische
Wirtschaft war, so sind ihre sozialen Kosten nichts im Vergleich zu den Kosten für die Gesellschaft, die die ungeheure
Verschwendung der Profitjagd, die wirtschaftlichen Rivalitäten, die immer weiteren Finanzierung der Wirtschaft und die
Massenarbeitslosigkeit verursacht, ganz zu schweigen von den Krisen.
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Man muss außerdem hinzufügen, dass – so sehr die Bedürfnisse der arbeitenden Klassen vernachlässigt wurden – ihr
Lebensstandard jedoch, sicherlich nicht niedriger war als der Lebensstandard der Volksmassen in Ländern mit vergleichbarem
Entwicklungsgrad. Selbst unter dem Blickwinkel des Konsums der Massen würde der Sowjetunion der 1930er Jahre, und dann der
1950er und 1960er Jahre ein Vergleich mit anderen Ländern wie Brasilien oder Indien standhalten. Umso weniger, wenn man nicht
nur die individuellen Löhne berücksichtigt, sondern auch den Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung, zur
Alphabetisierung, zum Schulwesen bis hin zu Hochschulausbildung.
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Also ja, trotz aller verhängnisvollen Folgen der wirtschaftlichen Isolation, trotz des Parasitismus der Bürokratie hat sich
die sowjetische Wirtschaft, auf dem Staatseigentum und der Planung gegründet, ein gutes halbes Jahrhundert lang wesentlich
stärker entwickelt als irgend eines der bürgerlichen Länder.
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Der Beweis wurde erbracht, dass die Wirtschaft eines großen Landes, die komplett auf das Bürgertum verzichtet, nicht nur
funktionieren kann, sondern auch auf dieser Grundlage entwickelt werden kann. Der Unterschied liegt dabei nicht nur in der
Schnelligkeit der Entwicklung, sondern auch in der Art der Entwicklung.
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Wenn der Kapitalismus ein armes Land zur Entwicklung verhilft, sodass es sich in ein Schwellenland verwandelt, wie Brasilien,
z.B., verschärft diese Entwicklung die Ungleichheiten im Inneren des Landes. Auf der einen Seite findet man Industriestädte
wie São Paolo mit ultramodernen Fabriken, auf der anderen Seite verlassene Regionen, die im Elend gelassen werden wie das
Sertão mit seiner an Hunger sterbenden Bevölkerung!
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Die Planwirtschaft hingegen, selbst unter der Führung der Bürokratie, hatte zum Ziel, den Abstand zwischen den Regionen mit
den unterschiedlichsten Entwicklungsstufen zu verringern. Die Planwirtschaft hat neue Industriestädte dort entstehen lassen, wo
es vorher keine gab und dort, wo dies keiner Handelslogik entsprach.
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Als er in den 20er Jahren die Verteidigung der damals noch stockenden Planwirtschaft ergriff, schrieb Trotzki: „Nichts ist
leichter und billiger, als über Pläne zu spotten, die auf viele Jahre berechnet waren und sich als Seifenblasen erwiesen. Der
Kern des Problems liegt aber darin, dass man nur zu richtigen Plänen kommen kann, wenn man mit primitiven und groben Plänen
beginnt – so wie man zum Stahlmesser nur kommen konnte, indem man mit dem Faustkeil anfing.“ In einem halben Jahrhundert
Wettkampf jedenfalls hat der Faustkeil der Planwirtschaft es besser gemacht als das Stahlmesser des Kapitalismus!
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Die unterentwickelte Sowjetunion ist die zweitgrößte Industriemacht der Welt geworden!
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Die Arbeiterklasse hat nur in diesem einzigen Land der Welt - deren Träger sie ist - diese Wirtschaftsmethoden ausprobiert,
während der Kapitalismus in rund 200 bei der UNO registrierten Ländern herrscht. Der Vergleich zwischen diesem einzigen
proletarischen Versuch und der gesamten Vielzahl kapitalistischer Funktionsweisen ist mehr als überzeugend.
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Trotzki erklärte in der Verratenen Revolution: „Hätte die Oktoberrevolution weiter nichts als dies beschleunigte
Tempo gebracht, schon das würde sie historisch rechtfertigen. Jedoch das russische Proletariat vollbrachte den Umsturz namens
viel weiter gehender Aufgaben.“
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Die Entartung der Sowjetunion war die Entartung des von der Arbeiterklasse errichteten Staatsapparates. Aber, selbst durch die
persönlichen Bedürfnisse der Bürokratie verunstaltet, haben die Staatswirtschaft und die Planung der Probe standgehalten.
„Mit den Herren bürgerlichen Ökonomen braucht man nicht mehr zu streiten“ , erklärte noch Trotzki in der Verratenen
Revolution, „der Sozialismus bewies sein Recht auf den Sieg nicht auf den Seiten des „Kapital“, sondern in einer
Wirtschaftsarena, die ein Sechstel der Erdoberfläche bildet, bewies es nicht in der Sprache der Dialektik, sondern in der
Sprache des Eisens, des Zements und der Elektrizität.“
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Und ich würde hinzufügen, dass man jedes Jahrzehnt aus der Geschichte der Sowjetunion nehmen kann um es mit den 10 folgenden
Jahren nach ihrem Auseinanderbrechen 1991 zu vergleichen – dieser Vergleich spricht für sich! Der Zusammenbruch der
Wirtschaft Russland erscheint in den Zahlen: die nationale Produktion ist um 50% zurückgegangen und sogar die Bevölkerung ist
ständig um ein bis zwei Millionen Menschen pro Jahr geschrumpft! Und in den anderen, ärmeren Staaten der ehemaligen
Sowjetunion ist dies noch schlimmer.
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Aber die Propaganda der kapitalistischen Welt ist so mächtig, dass sie diesen katastrophalen Rückschritt, diese massive
Verarmung eines Landes, in einen Triumphmarsch zum westlichen Wohlstand und zur Freiheit verwandelt hat! Als ob die Bereicherung
von ein paar Millionen Bürokraten und neuer Bourgeois durch die Plünderung des Gemeinschaftseigentums, als ob die Invasion der
Côte d’Azur oder reicher Wintersportgegenden durch russische Milliardäre das Zeichen für die Entwicklung eines Landes
wären. Als ob das Polizei- und Mafiaregime Putins die Freiheit bedeuten würde!
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In der UdSSR ist nicht die sowjetische Wirtschaft Bankrott gegangen. Was Pleite gemacht hat, das ist die Macht der Bürokratie,
die von den Reizen des Kapitalismus angezogen worden war.
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Was man uns auch erzählt: Die kapitalistische Marktwirtschaft entwickelt sich weniger und weniger rational, als es die
Sowjetunion trotz ihrer Verspätung und ihrer Behinderungen getan hat.
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Die ganze jüngste Geschichte bestätigt uns in unserer Überzeugung, dass die Zeit des Kapitalismus vorbei ist und, dass er
seinen Platz einer wirtschaftlich und sozial höher stehenden Organisationsform abtreten muss.
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Ein bankrottes System, das die Menschheit in die Barbarei stürzt
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Der Kapitalismus ist nicht nur ungerecht, er ist auch anachronistisch und stellt ein Hindernis für jeden Aufschwung der
menschlichen Zivilisation dar. Aber eine soziale Organisation kann sich weit über die Zeit ihrer historischen Berechtigung
hinaus erhalten.
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Seit der russischen Revolution und der darauf folgenden revolutionären Woge, die auf die Niederlage des Kapitalismus hoffen
ließ, ist fast ein Jahrhundert vergangen. Die Menschheit hat diese historische Verspätung mit der großen Depression von 1929,
dem Nationalsozialismus in Deutschland, dem Zweiten Weltkrieg und auch mit dem Stalinismus bezahlt.
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Sie bezahlt sie seit dem Zweiten Weltkrieg durch eine ebenso chaotische wie ungleiche wirtschaftliche Entwicklung.
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Sie bezahlt sie mit den unzähligen Kriegen, die von den großen imperialistischen Mächten geführt werden, um ihre Herrschaft
über die Reichtümer einer Region aufrecht zu erhalten, direkt oder durch dazwischen geschaltete Marionetten.
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Sie bezahlt sie durch die Unfähigkeit der Menschheit, der Unterernährung und den Hungersnöten in der Welt ein Ende zu setzen,
obwohl die materiellen Mittel hierfür bei weitem vorhanden sind.
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Sie bezahlt sie durch die Tatsache, dass Menschen sogar in den reichsten Ländern auf der Straße erfrieren können, weil man
nicht ausreichend bezahlbare Wohnungen baut, während viele, die dies bewerkstelligen könnten, zur Armut und Arbeitslosigkeit
verdammt werden.
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Aber auch wenn diese soziale Ordnung überholt ist, sie wird nur dann verschwinden, wenn eine revolutionäre Kraft vorhanden
ist, um sie abzuschaffen. Die Marxisten haben schon immer diese revolutionäre Kraft, die in der Lage ist, den Kapitalismus zu
zerstören, in der Arbeiterklasse gesehen, oder – wenn man will – in der lohnabhängigen Klasse in ihrer gesamten
Spannbreite.
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Es ist nichts Erstaunliches daran, dass die soziale Klasse, von der in letzter Instanz die Zukunft der Menschheit abhängt,
nicht dauernd als revolutionär erscheint. Die revolutionären Momente, in denen die herrschende Klasse nicht mehr in ihre
eigene Zukunft glaubt und es eine neue Klasse gibt, die bereit ist, ihren Platz einzunehmen, sind extrem selten. Es gab kaum
mehr als zwei oder drei im 19. Jahrhundert und ebenso viele im 20. Jahrhundert.
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Aber gerade in diesen Momenten muss die Klasse, die Träger der Zukunft ist, bereit sein, ihre Rolle zu erfüllen. Und die
Arbeiterklasse kann sie nicht erfüllen, wenn sie es nicht schafft, revolutionäre Parteien zu schaffen. Vor siebzig Jahren
schrieb Trotzki bereits, dass „die historische Krise der Menschheit auf die Krise der revolutionären Führung
zurückzuführen ist“.
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Die Parteien, die zu verschiedenen historischen Epochen diese Rolle gespielt haben, nämlich die sozialistischen Parteien Ende
des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, oder die kommunistischen Parteien während der paar Jahre nach der russischen
Revolution - und bevor der Stalinismus sie in Instrumente der russischen Bürokratie verwandelte - spielen seit langem diese
Rolle nicht mehr. Von Arbeiterparteien mit dem Ziel der sozialen Befreiung haben sie sich in Instrumente des Bürgertums
verwandelt, in Verteidiger des Kapitalismus im Inneren der Arbeiterklasse. Dies ermöglichte dem Bürgertum, seine Herrschaft zu
verlängern.
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Aber wenn man auch den Marsch in die Zukunft verzögern kann, so kann man ihn nicht aufhalten. Der Kommunismus ist keine Utopie,
die verschwinden kann. Seine Notwendigkeit entspringt aus der Entwicklung des Kapitalismus selber.
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Die Zukunft gehört dem Kommunismus
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Von der Herrschaft des Bürgertums, vom Joch des Privateigentums und den Verwüstungen der Profitjagd befreit, wird die
Wirtschaft eine neue Zeit des Aufblühens erleben, allerdings ein Aufblühen unter Kontrolle.
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Trotz ihrer Grenzen geben die wirtschaftlichen Fortschritte der früheren Sowjetunion eine Idee davon, was die geplante,
staatliche Organisation der Produktion erreichen könnte, wenn sie nicht in einem armen Land, sondern in den entwickelten
Industrieländern angewandt würde. Angefangen bei den USA mit ihren großartigen materiellen Möglichkeiten, die auf ihrem
Boden zu finden sind und mit der Kontrolle der zahlreichen und gebildeten amerikanischen Arbeiterklasse.
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Die Wirtschaft wird unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse mit dem Ziel produzieren, die Bedürfnisse der
Bevölkerung zu befriedigen. Sie wird die Produktion entwickeln, aber dabei die Natur respektieren. „Selbst eine ganze
Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur
ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als gute Familienväter den nachfolgenden Generationen verbessert zu
hinterlassen.“ (Marx, im Kapital)
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Die Arbeiterrevolution wird die nationalen Grenzen und alle materiellen oder moralischen Schranken aufheben, die diese
ausmachen. Die die Wirtschaft leitende Arbeiterklasse, wird sofort die schädlichen Produktionen abschaffen. Insbesondere
könnte die Rüstungsindustrie, die heute oft das Beste an wissenschaftlichem und technologischem Wissen kumuliert, in zivilen
Technologien umgewandelt werden.
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Die Arbeitenden an der Macht werden danach trachten, die schreiende Ungleichheit zwischen den entwickelten und den
unterentwickelten Teilen der Erde zu verringern.
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Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel bedeutet auch die Vergesellschaftung des gesamten Wissens und aller Fortschritte
der ganzen Gesellschaft. Heute schützen die kapitalistischen Konzerne mit allen Mitteln die Ergebnisse der Forschung ihrer
Ingenieure und Forscher. Das Betriebsgeheimnis wie das Patentwesen sind Waffen im Konkurrenzkampf zwischen den Konzernen. Aber
sie sind eine beachtliche Bremse für den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt.
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In einer Gesellschaft, die von den begrenzenden Schranken des Privateigentums befreit ist, wird jeder wissenschaftliche
Fortschritt, jede allen nützliche Erfindung, insbesondere neue Medikamente, der gesamten Gemeinschaft zur Verfügung gestellt.
Jede technische Verbesserung in irgendeiner Fabrik, jede Perfektionierung der Methoden wird „ohne irgendwelche
Formalitäten das Gemeingut aller Fabriken und Werke, die hieran interessiert sind“ (Trotzki). Allein dies wird schon
einen großartigen Fortschritt bringen.
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Sobald die Schranken des Privateigentums und der Konkurrenz verschwunden sein werden, können die vom Kapitalismus geschaffene
Zentralisation, ein Großteil der von den Konzernen geschaffenen Kreisläufe in mächtige Koordinationsorgane umgewandelt
werden, die der bestmöglichen Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen dienen.
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Die vom Kapitalismus geerbten wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte, die Satelliten, um die Vegetation zu
überwachen und die Ernten vorauszusehen, die mächtigen Mittel der Telekommunikation, die heute zur Börsenspekulation genutzt
werden, all dies wird in den Dienst einer Planung gestellt, die auf den Gebieten, wo man in einem solchen Maßstab planen muss,
für den ganzen Planeten gemeinsam durchgeführt wird,.
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Aber diese Planung wird gleichzeitig extrem flexibel sein. Und wenn man auch eine Zusammenarbeit auf der ganzen Erde braucht, um
die Erderwärmung oder das Ozonloch zu bekämpfen, oder auch um große Naturkatastrophen vorherzusehen, so kann ein sehr großer
Teil der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion in kleinerem Maßstab geplant werden, regional oder örtlich, unter
der direktesten Kontrolle der Bevölkerung,
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Der durch all dies bewirkte Anstieg der Produktivität wird es ermöglichen, die Arbeitszeit zu senken und dafür zu sorgen,
dass die Menschen sich mehr anderen Dingen widmen können als der Produktion von lebensnotwendigen, materiellen Gütern.
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Dann werden wir sagen können, dass die Menschheit dabei ist, aus der Barbarei heraus zu treten.
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Eine kommunistische und revolutionäre Partei aufbauen
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Ja, der Kommunismus wird sich seinen Weg bahnen. Dies ist in der Entwicklung der Wirtschaft sowie der Gesellschaft
aufgezeichnet. Er wird dies durch die Menschen machen, denn es sind die Menschen, die ihre eigene Geschichte machen.
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Und wenn die Arbeiterklasse sich dieser Notwendigkeit bewusst sein wird, wenn sie kollektiv wieder Vertrauen in sich selber
gewonnen haben wird, wird sie unweigerlich aus ihren Reihen Frauen und Männer hervorbringen, die für die Befreiung ihrer
Klasse kämpfen werden.
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Aber dann wird es Aktivisten brauchen, die eine politische und organisatorische Tradition weitergeben. Aktivisten, die nicht
Wahlerfolge mit der sozialen Revolution verwechseln, den Antikapitalismus mit der Zerstörung der politischen und
wirtschaftlichen Macht des Bürgertums gleichsetzen. Aktivisten, die die Kritik einzelner verhängnisvoller Aspekte des
Kapitalismus nicht mit der Notwendigkeit einer anderen Organisation der Gesellschaft, dem Kommunismus verwechseln.
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Der Kapitalismus bringt so viele Ungerechtigkeit, so viele Formen der Unterdrückung, so viel Schädliches hervor, auf sozialem
Gebiet wie auf dem Gebiet der Umwelt, dass es bei weitem Platz für eine Vielzahl an Protestparteien vorhanden ist.
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Aber was fehlt, das ist eine Partei, deren höchstes Ziel die Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse ist, nicht innerhalb
der Institutionen des Bürgertums, sondern im Gegenteil, durch die Zerstörung dieser Institutionen und ihre Ersetzung durch
demokratische Organe der Arbeitermacht selber. So wie dies in der Vergangenheit die Pariser Kommune oder die Arbeiterräte, die
Sowjets, in Russland waren.
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Solche Umstände bedeuten, dass die sozialen Kämpfe, die Klassenkämpfe, eine zugespitzte Form angenommen haben, sie reißen
mit sich die Mehrheit der ausgebeuteten Klassen und erschüttern die ganze Gesellschaft.
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In diesen Situationen braucht man Parteien, die entschlossen und fähig sind, bis zum Ende zu gehen, zusammengeschweißt um ein
kommunistisches Programm, um der Arbeiterklasse zu ermöglichen, die Macht zu ergreifen und sie demokratisch auszuüben.
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Und ich verstehe unter kommunistisches Programm selbstverständlich das großartige Instrument zum Verständnis der
kapitalistischen Gesellschaft, das der Marxismus darstellt, bereichert durch die Ergänzungen von Lenin und Trotzki. Doch dazu
gehört auch die ganze Erfahrung der Arbeiterbewegung der Vergangenheit.
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Die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung seit fast zwei Jahrhunderten ist eine Abfolge von Kämpfen, gekennzeichnet
von Erfolgen, manchmal von Siegen und sehr viel häufiger, von Rückschlägen oder Niederlagen. Es ist an den revolutionären
kommunistischen Parteien, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, aus ihren Erfolgen ebenso wie aus ihren Niederlagen, und
diese Lehren bei kommenden Kämpfen klug anzuwenden.
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Es handelt sich hierbei nicht um irgendeine Nostalgie für die Vergangenheit
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Es geht darum, das gesamte Wissen und die Kampferfahrungen der Vergangenheit an die Arbeiterklasse von heute weiterzugeben,
damit sie für die Kämpfe von morgen bewaffnet ist.
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Im Gegensatz zu dem, was heute bei einigen in Mode ist zu behaupten, sind die kommunistischen Ideen und Ziele kein weißes
Blatt, auf dem man den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ entwirft, eine Mischung aus Umweltschutz, Feminismus, mit einem
bisschen Anarchismus und Guevarismus.
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Das kommunistische Programm entsteht aus den Kämpfen von Frauen und Männern aus Fleisch und Blut, aus ihrem Enthusiasmus wie
aus ihren Leiden. Es entsteht aus dem Klassenkampf selber. All diejenigen, die dieses Programm zurückweisen, weisen damit
gleichzeitig all diejenigen zurück, die in der Vergangenheit für den Kommunismus gekämpft haben. Sie weisen also den
Kommunismus selber zurück.
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Die revolutionären kommunistischen Parteien, die es noch aufzubauen, zu vergrößern und verstärken gilt, können dies nur als
Nachkommen und in der Tradition des Marxismus, Leninismus und des Trotzkismus, und vor allem auf der Basis der reichen und
vielseitigen Erfahrungen, die hinter diesen Worten stecken.
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Diese Parteien müssen das Vertrauen der kämpferischsten Arbeiter in den täglichen Kämpfen verdienen und sie für die
kommunistischen Perspektiven gewinnen. Und vor allem müssen sie auf der Höhe der Ereignisse sein, wenn revolutionäre
Erschütterungen kommen sollten.
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Unsere Aussicht ist die revolutionäre Umwandlung der Gesellschaft durch die Arbeiterklasse, nachdem sie die politische Macht
erobert hat. „Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter selber sein.“
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Die Arbeitenden an der Macht werden das Bürgertum enteignen, die Diktatur der Industrie- und Finanzkonzerne über die
Weltwirtschaft brechen, und die Fabriken, Banken, großen Transportmittel, die Handelsketten, die natürlichen Reichtümer in
Gemeinschaftseigentum verwandeln. Die Gesellschaft wird endlich ihre materiellen Existenzbedingungen beherrschen, sie wird
gemäß ihrer Bedürfnisse produzieren und sich in Richtung des Kommunismus auf den Weg machen, einer Gesellschaft ohne
Ausbeutung, ohne Privilegien, ohne soziale Klassen mit entgegengesetzten Interessen.
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Dies ist unser Programm, das uns von Generationen revolutionärer Kommunisten, die vor uns gelebt und gekämpft haben,
weitergegeben wurde. Wir kämpfen heute dafür, eine Partei, die dieses Programm verkörpert, aufzubauen und zu verstärken.
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Also, Freunde und Genossen, ihr alle, die unsere Überzeugung teilt, dass der Kommunismus die Zukunft der Gesellschaft ist,
helft uns, unterstützt uns, schließt euch uns an!
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März & April 2009
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