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Ins Deutsche übersetzte Texte
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Ex-Jugoslawien: nationalistischer und imperialistischer Barbarei ausgeliefert
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Mai 1999
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Ex-Jugoslawien: nationalistischer und imperialistischer Barbarei ausgeliefert (aus Lutte de Classe - Klassenkampf - Mai 1999)
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Die katastrophalen Zustände für die Menschen in Jugoslawien in der Folge des imperialistischen Militärangriffs, die Armut und
das Ausmaß ihres Leidens sowie die unzähligen Zerstörungen, die jahrelange Anstrengungen einfach zunichte gemacht haben,
können nur eine grenzenlose Revolte erregen.
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Sechs Wochen nach Beginn der Intervention, am 24. März, kann keiner mehr wirklich glauben, dass das Ziel des Eingriffs die
Rettung der albanischen Bevölkerung des Kosovo ist. Man kann nicht von Verbrechern erwarten, das Volk gegenüber anderen
Verbrechern zu verteidigen!
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Trotz der Propaganda der NATO, die behauptet, die Folgen der Intervention gegen Milosevics Politik nicht absehbar gewesen seien,
und man „entdeckt“ habe, dass das Regime seit langem eine „ethnische Säuberung“ des Kosovo plante, erwartete man an
der Spitze der NATO diesen massiven Exodus, sah ihn gewissermaßen als „Kollateralschaden“. Denn es handelt dabei sich nicht
um das Problem der NATO (nichts war vorgesehen, um die hunderttausenden Flüchtlinge aus dem Kosovo, die vor dem Gemetzel
flohen, korrekt aufzunehmen; die bereits 6 Wochen andauernde Massendeportation hat der NATO bis jetzt, was die humanitäre
Unterstützung angeht, nur leere Versprechungen entlockt).
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Die imperialistischen Führer haben gemeinsam diesen Krieg beschlossen; sie haben vorgetäuscht, in Rambouillet und Paris
Friedensverhandlungen zwischen Milosevic und den nationalistischen Kosovoalbanern zu organisieren, tatsächlich aber bereiteten
sie den Krieg vor. Sie wollten ihn (auch wenn er sie inzwischen vielleicht schon weiter mitgerissen hat als ursprünglich
geplant).
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Wollten sie Krieg, weil Milosevic seit Jahrzehnten die Kosovoalbaner unterdrückt und seine Armee sie 1998 brutal angegriffen
und aus einer Reihe von Dörfern vertrieben hatte? Sicherlich nicht. Zweifellos war Milosevic für all das verantwortlich, aber
die Verantwortlichen der imperialistischen Länder ließen ihn gewähren und gaben ihm stillschweigend grünes Licht.
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In Milosevics Politik stört die „ethnische Saüberung“ die imperialistischen Führer nicht. Zumindest haben ihre
Bombardierungen ihm geholfen, die Opposition in Serbien mundtot zu machen und seine Pläne im Kosovo in Ruhe weiterzuführen.
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In Bosnien ließen die westlichen Regierungen die verfeindeten nationalistischen Gruppierungen das Gebiet mit Waffengewalt neu
unter sich aufteilen, bis ein „Gleichgewicht“ erreicht war, das sie dann anschließend offiziell guthießen. Genauso leisten
sie heute den kriminellen Machenschaften der serbischen Armee und der nationalistischen Banden Vorschub, die den Kosovo von
seiner albanischen Bevölkerung „befreien“.
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Aber die brutale Unterdrückung dieser Bevölkerungsgruppe durch Milosevic bedeutete eine ernsthafte Bedrohung der regionalen
Stabilität - alle Kommentatoren haben dies hervorgehoben. Durch das Hervorrufen eines sich zuspitzenden Aufruhrs, der die
Unabhängigkeit des Kosovo beziehungsweise seinen Anschluss an Albanien forderte, riskierte man die Infragestellung der
existierenden Staatsgrenzen, und das wollten die imperialistischen Führer unbedingt vermeiden, was sie auch immer wieder
betonten.
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In der Folge haben sie daher Gewalt eingesetzt, um Milosevic an seinen Platz zu verweisen und ihn zu zwingen, den Plänen der
Großmächte zu folgen und ihrem Willen Gehorsam zu leisten. Außerdem war es ihr Ziel, über Milosevic hinaus mit Waffengewalt
zu zeigen, dass sie trotz der herrschenden Schurken und lokaler Machthaber die wahren Herren des Schicksals der örtlichen
Bevölkerung geblieben sind.
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Was die Stabilität des Balkans betrifft, so ist es bittere Ironie, dass ihre schlimmste Bedrohung den Umtrieben der NATO
entstammt.
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Die Verantwortlichkeit der imperialistischen Mächte
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Die aktuelle Katastrophe ist offensichtlich das Ergebnis der inneren politischen Entwicklung Jugoslawiens seit zwei
Jahrhunderten. Doch die Rolle, welche die imperialistischen Mächte in diesem Prozess spielten - selbstverständlich in
Einverständnis mit den lokalen Führern - beeinflusste das Ergebnis ausschlaggebend. Das Ausmaß ihrer Verantwortung ist
verheerend.
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Seit den ersten ernsthaften Reibereien innerhalb der jugoslawischen Föderation in den achtziger Jahren haben ihre Führer
gezeigt, dass ihr eigentliches Interesse in der Zerteilung des Landes lag. Es handelte sich also keinesfalls um die
Stabilisierung der von dem 1980 verstorbenen Tito übernommenen Föderation.
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Titos Jugoslawien war sicherlich kein Modellstaat, sondern eine Diktatur, in der die Arbeiter unterdrückt und das Volk auf
Bedarf durch Polizeimethoden mundtot gemacht wurde. Aber wenigstens lebten die zahlreichen Völker, die das jugoslawische
Völkergemisch ausmachten, gemeinsam, vermengten sich im Laufe der Zeit immer mehr, gingen vielfältige Beziehungen ein und
konnten sich im gesamten jugoslawischen Staatsbereich frei bewegen und sich einfach jugoslawisch fühlen, anstatt etwa serbisch
oder kroatisch.
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Um das zu erreichen, hatten sich Tito und seine Mannschaft seit den Jahren des zweiten Weltkriegs, in dem sie ihre Armee unter
der Flagge der Union der jugoslawischen Völker und einem multi-ethnischen Kommando führten, auf eine voluntaristische Politik
berufen. Eine wesentliche Richtung ihrer gesamten Politik war es, eine Art „jugoslawisches Bindemittel“ aus den einzelnen
Nationalismen zu formen. Gewiss hatte der „Jugoslawismus“ Titos Grenzen, die aus seiner Natur selbst erwuchsen - es handelte
sich auch hier um Nationalismus und das Regime ließ es sich natürlich nicht entgehen, diesen zu rühmen. Aber wenigstens
zeigt dieses Beispiel, dass eine Politik, welche die friedliche Koexistenz zwischen verschiedenen Völkern anstrebt und
kontinuierlich aus der Vergangenheit resultierende Abneigungen aufsaugt, auf jeden Fall möglich ist.
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Die imperialistischen Führer hatten überhaupt kein Interesse, diese Art lokaler Politik zu fördern. Sie hatten schon Tito
keinerlei Unterstützung zukommen lassen. Ganz im Gegenteil. Anstatt jene zu unterstützen, die im Sinne der Beibehaltung der
Kollaboration zwischen den Völkern handeln hätten können, als die Krise in Jugoslawien sich im Laufe der achtziger Jahre
immer mehr zuspitzte, haben sie an ihre Vergangenheit mit dem Balkan angeknüpft: Deutschland auf der einen, Frankreich und
Großbritannien auf der anderen Seite, haben beide versucht, ihre Steine vorzurücken. Die mächtigen Druckmittel der reichen
Länder vereinigten sich mit dem Hunger nach Macht und Reichtum der Ärmeren in den verschiedenen jugoslawischen Republiken,
was das Probleme noch verschlimmerte und Separatismusbestrebungen zur Folge hatte.
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Die Tinte des Vertrags von Maastricht war noch nicht trocken, als die Europäische Union, die er zu schaffen vorgab, für die
Aufspaltung dessen eintrat, was dabei war, Ex-Jugoslawien zu werden. Die europäischen Mächte, allen voran Deutschland,
beeilten sich, die Abspaltung Sloweniens und Kroatiens, die sie ermutigt hatten, anzuerkennen (vorausgesetzt natürlich, dass
die Tudjmans und Kucans nicht schon vorher ihre Zustimmung eingeholt hatten).
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Haben die imperialistischen Mächte angesichts der Zersetzung Jugoslawiens einen politischen Voluntarismus an den Tag gelegt, so
hat sich dieser für die verschiedenen nationalistischen Anführer positiv ausgewirkt - jeder hatte seinen Schützling, Tudjman
und Kucan genauso wie Milosevic und Izetbegovic.
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Alle Führer der Nachfolgestaaten sind mittels nationalistischer Demagogie an die Macht gelangt, was ganz im Gegensatz zum
jugoslawischen Nationalismus Titos steht, und alle haben sie die Bürgschaft der imperialistischen Mächte durch ihre Aufnahme
in die UNO erhalten – und das ganze innerhalb nur weniger Monate. Das Drängen der Großmächte auf die Schaffung dieser neuen
Staaten zeigt, dass jede von ihnen hoffte, in weiterer Folge mit diesem oder jenem unabhängigen Staat einfacher Geschäfte
abschließen zu können.
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Es kann den westlichen Führern nicht unbekannt gewesen sein, dass es sich hierbei um die schlimmste aller möglichen Politiken
handelt. Die Schaffung von Staaten mit deutlicher monoethnischer Zielsetzung, deren Staatsgrenzen die früher rein
administrativen Unterteilungen übernahmen, hatte angesichts der Vermischung der verschiedenen Volksgruppen in diesen Regionen
zur Folge, dass ganze Bevölkerungsgruppen zu unterdrückten Minderheiten in ihnen feindlich gesinnten Staaten wurden, die
versuchten, sich als Nationalstaaten zu vergrößern. Das heißt, es handelt sich um Staaten in der Hand unerbittlicher
Kriegsführer, in deren Augen ihre sich in der Minderheit befindlichen „Brüder“ im Nachbarhochburg als Vorwand,
Fürhungsreserven und Nahrung ihrer nationalistischen Demagogie dienen, während sich die Politik in ihrem eigenen Staat und den
eroberten Gebieten unter dem schändlichen Begriff „ethnische Säuberung“ zusammenfassen lässt.
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All das - der serbokroatische Krieg, die Zerstückelung Bosniens, heute die Deportation der Albaner im Kosovo - war in der Logik
der Auflösung der jugoslawischen Einheit beinhaltet und fand auf Initiative der Führungsschichten Ex-Jugoslawiens sowie - und
es handelt sich hierbei um den entscheidenden Faktor - auf Anstoß von und Bevormundung durch die imperialistischen Mächte
statt.
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Die Wurzeln der Katastrophe: wirtschaftliche Ausbeutung und Unterentwicklung
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Die westlichen imperialistischen Mächte tragen die direkte Verantwortung für jene Ereignisse, die zur blutigen Aufspaltung
Jugoslawiens und zum gegenwärtigen Drama im Kosovo geführt haben. Aber die Verantwortung des Imperialismus ist noch viel tief
greifender und hat ihre Wurzeln in der wirtschaftlichen Unterentwicklung der Region.
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Die Frage der Nachfolge Titos nach dessen Tod sowie das Rennen auf die Führungsposition zwischen den Anführern der
verschiedenen antagonistischen Gruppen verlief einige Jahre lang relativ geräuschlos; das von Tito hinterlassene
föderalistische politische System, dessen Vorsitz abwechselnd von den verschiedenen konstitutiven Republiken übernommen wurde,
hielt bis 1990-91 stand. Die bereits heikle wirtschaftliche Lage verschlechterte sich jedoch rasch.
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Die Ausbeutung der Region durch den westlichen Kapitalismus besteht nicht erst seit gestern. Das zwischen 1918 und 1919 auf den
Trümmern der osmanischen und österreich-ungarischen Reiche gegründete Jugoslawien kam bereits damals unter der Herrschaft
österreichisch-deutscher beziehungsweise französisch-britischer Interessen. Abgesehen davon haben die stetig wiederkehrenden
kriegerischen Auseinandersetzungen jeden Ausweg aus Not und Unterdrückung unmöglich gemacht. Dem ersten Weltkrieg gingen zwei
aufeinander folgende „Balkankriege“ voraus, hinter denen die Ziele der rivalisierenden imperialistischen Lager ersichtlich
waren.
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Die Folgen der beiden inter-imperialistischen Kriege, deren Schlachtfeld auch der Balkan war, waren noch dramatischer.
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Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs litt Jugoslawien unter der ihm von der UdSSR unter Stalin aufgezwungenen wirtschaftlichen
Blockade. Und auch wenn sich das titoische Jugoslawien langsam in den wirtschaftlichen Kreislauf des kapitalistischen Westens
eingegliedert hat, so geschah dies doch in einer untergeordneten und abhängigen Position. Es war in dieser für arme und
abhängige Länder typischen Lage, in der es sich mit der Wirtschaftskrise konfrontiert sah.
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Bald schon sah sich die Föderation von Spannungen und Interessenskonflikten bedroht, einer unvermeidlichen Konsequenz der
Union, vor allem aufgrund der Ungleichheit zwischen sehr armen Regionen (dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro) und weniger
benachteiligten Gebieten (Slowenien, Kroatien). Die kapitalistische Marktwirtschaft hat wesentlich dazu beigetragen, diese
regionalen Ungleichheiten zu verstärken, so wie dies überall auf der Welt der Fall ist (in Italien ist das besonders
offensichtlich). Die Interessen des österreichisch-deutschen Kapitalismus waren, gekoppelt mit jenen der Führungsschichten, in
Slowenien und Kroatien allgegenwärtig und haben aus den Entwicklungsunterschieden innerhalb Jugoslawiens Profit gezogen. Es ist
also keineswegs Zufall, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen auf wirtschaftlicher Basis in den wohlhabenderen Regionen immer
offensichtlicher wurden, und zwar in jenen privilegierten Bevölkerungsschichten, die sich von einer Krisengeschüttelten
Föderation trennen wollten. Und genauso wenig ist es Zufall, dass die kapitalistischen Gruppen dem positiv gegenüberstanden.
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Natürlich haben die kapitalistischen Gläubiger der jugoslawischen Föderation, die in den 80er Jahren bis zu 20 Milliarden
Dollar verschuldet war, das Messer an den Hals gesetzt, genauso wie zahlreichen anderen der Armut ausgelieferten Ländern. In
der Folge haben die Führungsschichten das Volk, und dabei an erster Stelle die Arbeiterklasse, angegriffen, indem sie ihr eine
massive Erhöhung der Arbeitslosigkeit und eine brutale Verschlechterung des Lebensniveaus der Bevölkerung aufzwangen, was die
um 20 Jahre zurückwarf.
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Angesichts der bedrohlichen Anzeichen sozialer Aufruhr haben die Führungsschichten auf das traditionelle Machtinstrument der
Privilegierten auf dem Balkan zurückgegriffen: die wohldurchdachte Flucht nach vorne mittels nationalistischer Demagogie. Es
handelte sich dabei um eine bewusste Wahl, eine politische Entscheidung angesichts der Krise. Man hat so die Gegensätze, den
aus hundertjähriger imperialistischer Ausbeutung, vor allem aus den Kriegen resultierenden Groll absichtlich wieder belebt.
Für dieses schmutzige Geschäft hat man sich sowohl in Serbien als auch in Kroatien auf die aktive Mitwirkung eines großen
Teils der Intellektuellen, Romanschriftsteller und anderer Medienleute berufen, bevor man sich neben der intellektuellen auf die
eigentliche Mafia, seine Bandenanführer und Handlanger sowie ihre Vernichtungsmethoden stützte.
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Um zu verstehen, wie diese Banden und ihre Anführer jenes Gewicht und jenen Einfluss erlangen konnten, den sie heute ausüben,
müssen wir auf die ursprünglichen Ursachen zurückblicken: Wachsende Armut, massive Arbeitslosigkeit sowie die sich
zuspitzende Wirtschaftskrise bieten den Volksmassen keinerlei Hoffnung, sondern stacheln die Habgier all jener an, die auch nur
den kleinsten Fetzen Macht besitzen. Hierzu eine einfache, aber erbärmliche Anekdote: heute streiten sich die Leiter des
bosnischen Staates, seine Minister und politischen Führer um jene Wohnungen, welche sie für ihre Funktionen im Krieg erhalten
haben.
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Die gegenwärtige Auswirkungen und die katastrophale Zukunft für sämtliche Staaten
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Die imperialistischen Machthaber zeigen sich über die Stabilität der Staaten besorgt, aber ihre Sorge betrifft vor allem die
jeweiligen Interessen ihrer Kapitalisten. Wir haben gesehen, was sie mit der Stabilität Jugoslawiens gemacht haben: Sie haben
das Land in Armut und wirtschaftlichem Rückstand gelassen, und während der Krise förderten sie jene Politik, die dem Bund am
meisten zu schaden vermochte und unterstützten die verschiedenen nationalistischen Anführer, was schließlich zur Zerstörung
der Union führte. Nach den Kriegsjahren und dem Dayton-Abkommen (November 1995) war Ex-Jugoslawien bereits stark zur Ader
gelassen: mehrere Hunderttausende Tote, mehrere Millionen „umgesiedelter“ Menschen, Flüchtlinge, Verbannte; eine
eingeschränkte Wirtschaft, in der sich diverse Gruppen der Mafia das wenige Erhaltene angeeignet und untereinander aufgeteilt
hatten; ein Land, dessen Staatsapparat sich, wie Engels gesagt hat, auf Gruppen bewaffneter Männer beschränkte.
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Heute stößt man auf jene Kriege, welche die NATO in Serbien und im Kosovo im Namen der Großmächte führt, was das Ausmaß
der Not der Bevölkerung noch verstärkt.
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Aber die Katastrophe ist noch viel weitreichender: Die gesamte Balkanregion wird heute von der militärischen Intervention der
NATO destabilisiert.
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Der Eingriff hat die fortschreitende Militarisierung der Balkan-Staaten zur Folge. Das Not leidende Albanien wurde
Flugzeugträger und Garnison des Westens (nicht aber für die Flüchtlingshilfe!); die Zahl der westlichen Soldaten in
Mazedonien übersteigt jene der einheimischen Armee. Und der Großteil der Nachbarländer wurde, wohl oder übel, dazu gebracht,
der NATO seinen Luftraum sowie einen Teil seiner Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
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Neben den der serbischen Wirtschaft zugefügten Schäden erstreckt sich die wirtschaftliche Lähmung auch auf den Handel, etwa
auf die Donauschiffart, was schwerwiegende Konsequenzen für die landwirtschaftliche und industrielle Produktion der bereits Not
leidenden Länder birgt. Mazedonien, für das Serbien der primäre Exportpartner war, ist dabei Schiffbruch zu erleiden, genauso
wie Albanien immer weiter in Elend und Chaos versinkt. Darüber hinaus sind die traditionellen Wirtschaftsadern zerstört;
Rumänien und Bulgarien rufen um Hilfe.
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Imperialistische Finanzinstitutionen und westliche Regierungen geben vor, an Wirtschaftshilfeprogrammen für die Nachkriegszeit
zu arbeiten. Man spricht von Wiederaufbau, von einem neuen Marshall-Plan, aber diese schönen Worte, all die Versprechen, sind
von herzzerreißender Scheinheiligkeit. Man weiß, was sie verschleiern (und was nicht dem Wohl der Bevölkerung zukommen
soll): Es handelt sich, nach den Waffenhändlern, um neue Profitquellen für die kapitalistischen „Wiederaufbauer“. Was
Frankreich betrifft, sind das Unternehmen wie Bouygues oder Alcatel, hinter denen die Banken stehen. Die kapitalistischen
Gläubiger ziehen nicht einmal in Erwägung, ihren Griff zu locker: Im allerbesten Fall überlegen sie eine Zinserleichterung
für einen Teil der Schulden einiger der betroffenen Länder. Die Gläubiger des „Pariser Clubs“ (einer informellen Gruppe
der öffentlichen Gläubiger verschiedener Industrieländer, die zum Ziel hat, Lösungen zu finden, was die Schwierigkeiten von
Zahlungen der verschuldeten Nationen betrifft) haben, was die Auslandsverschuldung Albaniens und Mazedoniens betrifft, lediglich
eine Aufschiebung der fälligen Zahlungen gewährt, und das nur bis 31. März 2000. Es handelt sich dabei um jenes Albanien und
jenes Mazedonien, welche die reichen Länder Europas angesichts der Belastung, welche die Ankunft mehrerer hundert aus dem
Kosovo Vertriebener bedeutet, ihrer selbst überlassen.
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Der Zynismus der Imperialisten kennt keine Grenzen.
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Und jetzt schon zeichnet sich zwischen den kapitalistischen Werbern der Wirtschaftskrieg um den blutigen Kuchen ab - die
Wirtschaftspresse verbirgt es nicht - so wie es, um bei Jugoslawien zu bleiben, im Falle Bosniens war, nur in weit größerem
Ausmaß.
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Einen zusätzlichen Faktor stellt die Bedrohung der inneren Stabilität etwa Bulgariens, Rumäniens und Griechenlands dar. Diese
Staaten gehören entweder bereits der NATO an oder möchten ihr beitreten, während ein Teil ihrer Bevölkerung massiv gegen die
Bombardierungen und für das serbische Volk demonstriert, was folglich wieder neue Unruheherde schafft.
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Der neue Krieg am Balkan bringt nicht nur Tod und Zerstörung anstelle der Anerkennung des Völkerrechts, sondern kann auch
keines der bestehenden Probleme lösen, und ganz sicher nicht jenes der Armut und wirtschaftlichen Unterentwicklung, das ihm
zugrunde liegt. Im Gegenteil: Diese Probleme werden verstärkt und die Länder gleichzeitig immer weiter in Unterwürfigkeit
und Abhängigkeit von den imperialistischen Mächten getrieben. Die Balkanvölker haben den vollen Preis für diesen Krieg, der
an erster Stelle gegen sie geführt wird, noch immer nicht bezahlt.
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Man ließ den Völkern Ex-Jugoslawiens keine Wahl. Weder von oben, auf europäischem Niveau, wo die „Union“ nur auf den
Finanzmarkt sich bezieht und ihren Krieg gegen die Kleinsten und Schwächsten führt (was die Interessen des Volkes angeht, so
haben die westlichen Großmächte Europas schon immer eine Politik geführt, die im Gegensatz zu dem steht, was ihm nützlich
gewesen wäre). Noch in Jugoslawien selbst, wo der Bevölkerung lediglich die rivalisierenden nationalistischen Politiken
präsentiert, wenn nicht sogar aufgezwungen, wurden. Die Menschen waren Opfer und Geiseln des Konfliktes, nicht freiwillige
Akteure, und sie sahen sich keiner anderen Wahl gegenübergestellt als jener zwischen den aufgestachelten Nationalismen.
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Für die revolutionären Kommunisten ist dies kein neues Problem.
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Sie setzten sich für den Sturz der bürgerlichen Ordnung und des kapitalistischen Ausbeutungssystems ein, das permanent
Unterdrückung und Ungerechtigkeit fördert und erneuert, und können deshalb auch nicht über die Stärke dieser
nationalistischen Gefühle und Vorurteile hinwegsehen. Wir finden diese Vorurteile im alltäglichen Leben der meisten Länder,
ohne von jenen geschichtlichen Epochen zu sprechen, wo sie zur Gefahr wurden - wenn die Wirtschaftskrise, die Ausweitung von
Arbeitslosigkeit, Not und Verzweiflung katastrophale Ausmaße erreicht haben und Demagogen wie Le Pen sich ihrer bedienen und
sie dadurch noch weiter vorantreiben.
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Die revolutionären Kommunisten bieten der Bevölkerung angesichts dieser Probleme seit langem einen Ausweg an.
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Zur Jahrhundertwende fanden sich die sozialistischen Bewegungen, die sich unter der Flagge des Marxismus in den jungen Staaten
Süd- und Osteuropas, etwa Bulgarien, Rumänien und Serbien, entwickelten und es sich zur Aufgabe machten, die existierende
soziale Ordnung zu bekämpfen, welche für die Unterentwicklung ihrer von den Großmächten begehrten Region verantwortlich war,
mit der nationalen Frage konfrontiert. Ohne die Prinzipien des Internationalismus zu vernachlässigen und als Reaktion gegen die
Nationalismen, brachten sie die Idee einer Föderation der demokratischen Republiken des Balkans auf, die alle in Südosteuropa
lebenden Nationalitäten mit einschließen und sich auf das Recht der Völker auf Selbstregierung sowie Bildung von
Nationalstaaten stützen sollte.
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Es war ihnen klar, dass nicht einmal die soziale Revolution von heute auf morgen die nationalen Vorurteile beseitigen könnte,
und sie wollten allen unterdrückten Völkern des Balkans - und sie alle waren der Reihe nach mehr oder weniger unterdrückt
unbedingt eine Perspektive bieten; eine Perspektive der brüderlichen Kohabitation, die sich an ihren gemeinsamen Interessen
orientieren würde.
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Dieses Programm ist heute immer noch tragische Aktualität.
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Die brüderliche und andauernde Kohabitation der Völker des Balkans ist keine utopische Perspektive - vorausgesetzt, die
Politik steht im Zeichen der gemeinsamen Interessen der Bevölkerung.
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Eine Führung, welche die wahren Interessen dieser gemischten Bevölkerung verteidigt, würde eine voluntaristische Politik im
Sinne ihrer friedlichen Koexistenz führen.
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Weit davon entfernt, sterile ethnische Einheitlichkeit oder jede Art von Vereinheitlichung zu fördern, sehen die
revolutionären Kommunisten, ganz im Gegenteil, in der Verschiedenartigkeit der Völker eine Quelle der Bereicherung, von der
das Kollektiv in allen Bereichen des sozialen Lebens profitieren würde.
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Eine solche Führung, die sich für die Ausgebeuteten einsetzt, und von Anfang an ihre Kräfte dafür einsetzt, die
traditionelle Herrschaft der privilegierten Klassen zu zerstören, wäre gleichzeitig imstande, die Wurzeln wirtschaftlicher
Unterentwicklung - Hauptursache von Elend und sozialer Ungerechtigkeit - zu zerstören. Sie würde sich dafür einsetzen, Wege
zu finden, die Entwicklungsdifferenzen zwischen den verschiedenen Regionen aus dem Weg zu räumen und die wirtschaftlichen
Quellen der materiellen Ungleichheiten zwischen verschiedenen Gemeinschaften einzudämmen. Aber es ist klar, dass eine solche
Politik sich gleichzeitig vor der Notwendigkeit finden würde, eine Lösung jener Probleme anzubieten, die aus den nationalen
Vorurteilen resultieren, und deren Verschwinden sogar nach einer sozialen Revolution lediglich progressiv vonstatten gehen kann.
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Mit Taten und nicht nur mit Worten würde diese Revolution fordern, dass alle Völker, ganz gleich wie in der Minderheit, selbst
über ihre Zukunft entscheiden können; dass sie das Recht haben, sich anzuschließen, wem immer sie wollen, beziehungsweise
sich auf Wunsch von diesem Partner zu trennen; dass ihre sprachlichen Vorliebe respektiert werden; und dass sie Beziehungen mit
Nachbarvölkern und, falls von wirtschaftlichen oder sozialen Umständen erfordert,, mit weiter entfernten Völkern eingehen
können.
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Gleichzeitig würde es sich die sozialistisch-kommunistische Führung zur Aufgabe machen, die nationalistischen Vorurteile und
Verschleierungen, die diese noch verstärkt und die Volksgruppen gegeneinander aufhetzt, zu bekämpfen. Es würde mit allen
erdenklichen Mitteln daran arbeiten, mittels seiner Politik, über Erziehung, Propaganda und den Zugang zu Kultur alle
Tendenzen zur Kooperation zwischen den Volksgruppen zu fördern und zu unterstützen.
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Nein, nationalistischer Hass und zwischen-ethnische Kriege, hinter denen sich die Großmächte verbergen, sind keineswegs ein
„Verhängnis“, weder am Balkan noch sonst wo. Aber nur die von den revolutionären Kommunisten vorgeschlagene Politik bietet
die Perspektive einer Zukunft ohne Nationalismus und ethnische Konflikte. Denn unter der Herrschaft des Imperialismus und seiner
Anhänger ist jede „Lösung“ nur ein Köder - wenn sie letztendlich nicht sogar das Feuer schürt und ohne Unterlass das Los
der Völker verschlimmert.
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