|
1) Mit dam Börsenkrach von Oktober 1987 ist die Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems in eine neue Phase geraten. Der
Börsenkrach ist die allerletzte Form, die die Krise seit ihrem Anfang angenommen hat, aber er wird bald dazu beitragen, sie
erheblich zu verschärfen.
|
|
2) In der ersten Woche des Börsenkrachs verschwand 10mal soviel Geld wie der französische Etat. Und obwohl es Pausen gibt,
oder sogar Zeichen von einer Ankurbelung der Wirtschaft, fallen überall die Kurse weiter.
|
|
3) Die praktisch sofortige Folge des Börsenkrachs war eine Währungskrise. Die zwei Krisen führen um so mehr zu einer einzigen
Krise – die zur gleichen Zeit eine Börsen- und eine Währungskrise ist, als die vorhergehenden Phasen der Wirtschaftskrise
seit mehreren Jahren schon einen einzigen Geldmarkt in der ganzen Welt geschaffen haben, und zwar ohne Hindernis, ohne
Zollgrenzen, ohne Kontrolle der Staaten; einen Markt, wo gewaltige Geldmassen, auf der ganzen Erde im Augenblick verlegt werden
können.
|
|
Die Geldmenge, die auf diesem Markt verlegt wird, hat nichts mit dem Wert der echten Güter zu tun, die auf dem internationalen
Warenmarkt verlegen werden, insofern als das Verhältnis von 1 zu 50 ist.
|
|
4) Diese Schwindel erregende Entwicklung des internationalen Geldmarktes selbst ist eine der Hauptfolgen der ersten Phase der
Krise, und sogar das Mittel, welches das Großkapital sowie die Staaten fanden, um sie zu überwinden.
|
|
5) Die Krise, die mit ihren aufeinander folgenden Phasen, mit ihren Höhen und Tiefen jetzt seit ungefähr 15 Jahren dauert,
kommt letzten Endes, wie alle Krisen des kapitalistischen Systems, daher, dass die unbegrenzte Entwicklung des Kapitals von
einem bestimmten Zeitpunkt ab dagegen stieß, dass der Güter- und Warenmarkt, das heißt der zahlungsbedingte Konsummarkt,
begrenzt war.
|
|
Gerade weil sie sich dessen bewusst waren, dass das das Wachstum der Absatzmärkte, die die sechziger Jahre gekennzeichnet
hatte, zu Ende ging, versuchten 1973 die Ölkonzerne sich der neuen Situation anzupassen, die neuen Investitionen in der
Produktion wurden beschränkt, die Produktion gebremst, die Preise erhöht, so dass der Profit trotz der Begrenzung des Absatzes
weiter wuchs.
|
|
In diesem Sinn war die Ölkrise von 1973 - die scheinbar der Hauptfaktor war, der die erste Weltrezession der Nachkriegszeit in
der Produktion auslöste -, zu gleicher Zeit ihre Vorwegnahme durch Ölkonzerne und eine Anpassung derselben an diese Situation.
|
|
6) Seit der Rezession von 1974/75 ist die Produktionsstagnation zur eigentlichen Existenzform der kapitalistischen Wirtschaft
geworden. Das gesamte kapitalistische Bürgertum ist dem Beispiel der Ölkonzerne und genereller des Großkapitals gefolgt, und
hat sich einer Situation angepasst, wo die Vergrößerung oder sogar die Erhaltung des Profits nicht mehr von der Erweiterung
des Absatzes - also von der Erhöhung der Produktion kommen konnte. Seitdem hat sich diese Anpassung dadurch gekennzeichnet,
dass die gesamten Produktionsinvestitionen beschränkt wurden - was wieder dazu beiträgt, dass der Markt enger wird -, dadurch,
dass ein großer Teil der bestehenden Produktionskräfte selbst unbenützt wurden, und dass die Arbeitslosigkeit erheblich
gewachsen ist.
|
|
7) Dass diese Geldmittel (die bekannten Petrodollar zuerst, und dann in Wirklichkeit alle Geldvermögen, ob in Dollar oder
nicht, welche ihre Besitzer in die Produktion nicht investieren wollten) existierten und sich anhäuften, hat dazu beigetragen,
dass der internationale Währungs- und Geldmarkt sich so stark entwickelte.
|
|
Das Bankwesen sowie die Staaten haben sehr dazu beigetragen, dass die von den Investitionen in die Produktion abgelenkten
Geldmittel in alle Finanzsphäre gehen.
|
|
Das Bankwesen hat die Gelder in Kreditgeschäfte und Darlehen wieder gebraucht, die den Besitzern dieser Geldvermögen Gewinne
einbringen konnten, die viel höher waren, ais diejenigen, die in der Produktion zu erwarten waren.
|
|
Was die Staaten betrifft, die mächtigsten unter ihnen haben Anleihen aufgenommen (oder sie haben die Staatsunternehmen wie EDF
– französischer staatlicher Stromkonzern – dazu getrieben). Sie handelten so besonders, weil die Absatzmöglichkeiten zu
eng waren; sie versuchten das durch staatliche Bestellungen auszugleichen (seit langer Zeit sind die Staaten -direkt oder durch
die Staatsunternehmen- die einzigen, die in allen entwickelten Ländern in die Produktion investieren.)
|
|
Die Geldanleihen der armen Länder gingen nur teilweise oder gar nicht in die wirkliche Wirtschaft; oft dienten sie nur dazu,
Waffenhändler fetter zu machen und sie erlaubten nebenbei der herrschenden Schicht des Landes Steuern zu erheben, ohne etwas zu
produzieren.
|
|
8) Die künstliche Erweiterung des Marktes, die dieser Politik des leichten Kredits und der allgemeinen Verschuldung folgt, half
ohne Zweifel dazu, die erste Wirtschaftsflaute zu überwinden. Das war aber nur ein Notbehelf, weil die Produktion im Jahre 1982
eine neue allgemeine Rezession kannte.
|
|
Es folgte aber daraus, dass die Staaten riesige Schulden haben und eine unwahrscheinliche Menge Währungen und Kredite sich
angesammelt haben, (davon ein großer Teil hat Formen angenommen, die von den Staaten selbst absolut unkontrolliert und
unkontrollierbar sind: Eurodollar...).
|
|
9) Seit mehreren Jahren ernährt sich diese übergroße Finanzsphäre von sich selbst. Die Staaten, die reichsten sowie die
ärmsten, leihen sich Geld nur, um die Zinsen der früheren Schulden zu bezahlen, so erhöhen sie noch mehr die Kreditmasse. Nur
eines unterscheidet sich: Die Staaten der armen Länder stehen seit dem Anfang der 80er Jahre am Rande des Bankrotts, es ist
ihnen nicht nur unmöglich, ihre Schulden zu bezahlen, trotz der wachsenden Steuern, denen sie ihre Bevölkerung unterwerfen,
aber es ist ihnen auch regelmäßig unmöglich, die einzigen Zinsen einfach zu bezahlen.
|
|
Die reichen Staaten, besonders die USA, deren Verschuldung größer als die der gesamten Dritten Welt ist, bilden immer noch
einen Absatzmarkt für das Kapital, weil es nichts anderes gibt, und weil das Bankwesen mehr den reichsten Schuldnern vertraut,
insofern als das ganze Banksystem Bankrott zu gehen droht.
|
|
Das Defizit des Etats der USA spielt heute die Hauptrolle, was die Entstehung neuer Kredite betrifft, in einer Welt, wo das
System der Kredite und der Verschuldung jedoch schon überentwickelt ist.
|
|
10) Über jene wechselnden Formen und Techniken hinweg wäre diese Anpassung des kapitalistischen Systems an den stillstehenden
Markt unmöglich gewesen, wenn die Arbeiterklasse nicht immer mehr ausgebeutet worden wäre, und wenn der Lohnanteil sowie der
Anteil der sozialen und öffentlichen Ausgaben in den Staatseinkünften nicht immer kleiner geworden wäre.
|
|
Dass die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse sich wegen der wirtschaftliche Krise selbst und wegen der Politik des Bürgertums
und dessen Regierung verschlechtern, sieht man absolut überall.
|
|
11) Was die gesamte Wirtschaft betrifft, hat überall diese Verminderung des Anteils der Arbeiterklasse am Nationaleinkommen
erlaubt, dass die Einnahmen der Groß- und Kleinkapitals sich gut halten, im Kontext von einem Markt, der stillsteht, aber nicht
zusammenbricht.
|
|
12) Was die Unternehmen betrifft, sind die wahren Löhne gesunken, und deshalb konnten die Unternehmen Gewinne einbringen, die
mit denjenigen der Finanzsphäre zu vergleichen sind, ohne dass die Produktion zunahm: Das war die Basis des Aufliegens des
Börsenmarkts.
|
|
13) Die Kettenreaktionen, Börsen- und Währungsreaktionen, die die Krise auslöste, werden von niemandem kontrolliert. Die
Staaten verfügen heute über Mittel und Techniken, die viel größer sind ais die, welche die Staaten im Jahre 1929 zur
Verfügung hatten, aber die Geldmassen, über die die Grossen Banken verfügen (auch in den mächtigsten Ländern) sind mit
denen unvergleichbar sowie die Menge der Geldnassen ohne Kontrolle. Trotz all ihren Reichtümer sind die Eingriffe der
Zentralbanken in Japan und in Deutschland unbedeutend um den Sturz des Dollars zu stoppen. In Wirklichkeit bleibt es den Staaten
wie den kapitalistischen Gruppen nur eines übrig: warten und hoffen.
|
|
14) Die verschlungenen Folgen des Börsenkrachs und der Währungskrise, die Protektionismus-Reflexe, die die sie können
entstehen lassen, können die Wirtschaft in eine neue Rezession treiben, die viel schlimmer wäre als diejenige, die ihr in
diesen 15 Jahren voranbringen.
|
|
15) So droht dieses kapitalistische System, das sich Jahrhunderte von wirtschaftlichen, technischen und kulturellen
Fortschritten der Menschheit zunutze macht, und in den reichsten Ländern der Erde und deshalb über die ganze Welt herrscht,
noch einmal in eine schlimme Produktionskrise zu stürzen. Eine Krise, deren Ursprung nicht die Armut der imperialistischen
Länder - woher sie ausgegangen ist - sondern im Gegenteil der Überschluss an Reichtümer ist, weil das kapitalistische System
und das Bürgertum unfähig sind, die Wirtschaft im Interesse der Gemeinschaft zu verwalten. Und das empört uns umso mehr!
|
|
Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte von technischen kapitalistischen Fortschritten werden so dazu geführt haben, dass die
Spitzenprodukte dieser technischen Fortschritte den dunklen Gesetzen des Börsenmarktes dienen; das führt also letzten Endes
dazu, dass der Börsenkrach sich so schnell wie das Licht und je nach den Computer-Zusammenstellungen verbreitet!
|
|
Während das Bürgertum sich der ganzen Kultur und aller Kenntnisse bemächtigt hat, während sie sich alle Grossen Geister
kauft, da gestehen seine zuständigsten Kräfte, dass sie nicht verstehen, wie ihr eigenes System funktioniert und dass sie
nichts gegen dessen Krise können.
|
|
16) Sogar in seiner Blütezeit konnte der Kapitalismus kein einziges der wichtigsten Probleme der Menschheit lösen. Im
Gegenteil! Er hat die Ungleichheit, die Unterentwicklung und das Elend des größten Teils der menschlichen Gesellschaft
vergrößert.
|
|
Es ist erleuchtend, wie die Entwicklung der Menschheit durch ein wirtschaftliches System gehemmt ist, das den blinden
Marktgesetzen und der Suche nach dem Gewinn gehorcht.
|
|
Um zu einem Fortschritt der Menschheit zu gelangen, muss die Gesellschaft, die die Wissenschaft und die Technik so weit
betrieben hat, dass sie den Himmel erobern kann, sein eigenes soziales Leben absolut beherrschen können.
|
|
Aber die beträchtliche Kluft zwischen der strengen Haltung, die die Menschen im Bereich der Wissenschaft und der Technik haben
können, und ihrer totalen Abhängigkeit von den dunklen Kräften, die diese Aktien oder diese Währungen (die keine wirkliche
Echtheit besitzen, abgenommen von derjenigen, die ihnen ein wahnsinniges soziales System gibt hinauf- oder hinabsteigen lassen,
diese Kluft ist weder kulturell noch wissenschaftlich: Sie ist eine soziale Kluft. Die Zerstörung der kapitalistischen
Gesellschaft ist lebensnotwendig für die menschliche Gesellschaft.
|
|
17) Damit diese Notwendigkeit endlich zur Wirklichkeit wird, muss das Proletariat bewusst ins politische Leben eingreifen, und
zwar mit Kraft genug, um das Joch der alten Gesellschaft springen zu lassen.
|
|
Die verschiedenen Kämpfe, die das Proletariat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte geführt hat, und in denen es
unterschiedliche Mobilisierungs- und Bewusstseinsniveaus aufwies, haben bis jetzt die Perspektive eines Umsturzes des
Bürgertums in der ganzen Welt nicht öffnen können.
|
|
Aber die beginnende Krise enthält die Möglichkeit, die Dinge zu ändern. Indem es seinen Druck auf das Proletariat der ganzen
Welt verstärken wird, wird das Bürgertum Kämpfe in der Arbeiterklasse hervorrufen, zur gleichen Zeit oder einer nach dem
anderen, aber alle aus einem selben und einzigen Grund, in vielen Ländern, auch in den entwickelten imperialistischen Ländern
|
|
Die Verstärkung der Krise wird unvermeidlich zur Verstärkung des Klassenkampfes führen.
|
|
Im Laufe dieses Klassenkampfes wird das Proletariat zurück und vorwärts gehen; es wird Kämpfe verlieren, Halbsiege kennen...
Alle Umwege kann man natürlich nicht voraussehen.
|
|
18) Das Problem bleibt zu wissen, ob das Proletariat fähig sein wird, sich in jenen zu kommenden Kämpfen, Leitungen zu geben,
die bewusst die Einheit der Interessen des gesamten Weltproletariats verkörpern werden, und die konsequent die notwendige
Politik führen werden, damit aus den zu kommenden sozialen Krisen die revolutionäre Welle sich entwickelt, die diesmal wird
siegen können.
|
|
In der Krise besteht die Möglichkeit, dass eine revolutionäre Welle zur Welt kommt, die mit derjenigen zu verglichen wäre,
welche dem ersten Weltkrieg folgte und zu der Machtergreifung von der russischen Arbeiterklasse führte; die auch mit derjenigen
zu vergleichen wäre, die mitten in den 30er Jahren von den reformistischen und stalinistischen Parteien (mittels ihrer
Volksfrontpolitik) erwürgt wurde, oder auch mit der Welle der Kolonialrevolutionen, die von nationalistischen Leitungen
gefangen genommen wurden und von denselben bewusst von dem Weg zu der internationalen Revolution abgelenkt wurden.
|
|
Aber das Proletariat wird wahrscheinlich weniger überrascht werden - es hat Gründe dafür - als in den 30er Jahren, als es
insbesondere vom Stalinismus wurde.
|
|
Und was das Proletariat der armen Länder betrifft, nachdem es zwei oder drei Jahrzehnte lang jene Staaten erlebt hat, die in
den Unabhängigkeitskämpfen entstanden sind, wird es wahrscheinlich weniger Grunde haben, Illusionen in dem radikalen
Nationalismus zu behalten.
|
|
19) Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Arbeiterklasse, und besonders die eines imperialistischen Landes wie Frankreich, in
diese vor uns stehende Zeit der Verstärkung des Klassenkampfes völlig unvorbereitet eintritt. Sie ist noch nicht so weit, dass
sie die Verspätung überwindet, die sie für die Verteidigung ihres Lebensniveaus genommen hat, und schon steht sie vielleicht
- wegen dem Verlauf der Dinge - davor, dass sie sofort unbedingt auf der unmittelbaren politischen Ebene eingreifen muss.
|
|
Aber je stärker die Krise wird, desto tiefer werden sich die „einfachen“ Probleme der Verteidigung der
Arbeiterlebensbedingungen mit der Frage verschmelzen: Wer kontrolliert die Produktionsmittel und wer führt die Gesellschaft?
|
|
Damit das Lebensniveau der Arbeiterklasse geschützt wird, in dieser Zeit, wo der Krach und die Währungsprobleme drohen, die
Inflation wieder in Gang zu setzen: Die Lohnverluste müssen eingeholt werden, durch eine allgemeine Erhöhung und eine
gleitende Lohnskala.
|
|
Um zu verhindern, dass die Krise einen immer größeren Teil der Arbeiterklasse in die Arbeitslosigkeit und den Verfall treibt.
die Arbeit muss unter allen ohne Verminderung der Löhne verteilt werden!
|
|
Das Bürgertum ist unfähig, die durch die Krise gebremsten Produktionen wieder zu beleben: Das Bürgertum muss enteignet
werden, ohne Entschädigungen oder Rückkauf!
|
|
Das Bankwesen hat bis zum Wahnsinn einen finanziellen Markt entwickelt, der kolossale Gewinne einer Minderheit eingebracht hat,
der aber jetzt die Produktion erwürgt. Die finanziellen Geldvermögen müssen enteignet werden! Die konkurrenzfähigen Banken
müssen vereinigt und unter Kontrolle der Arbeiter gesetzt werden!
|
|
|